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Reportage

Weiderind aus dem Donaumoos

Betriebsreportage-Meßner-10
Helga Gebendorfer
am
29.05.2018

Hofladen von Johann und Zenta Meßner in Schrobenhausen-Linden lockt mit Grillspezialitäten.

Das Ziel von Familie Meßner in Schrobenhausen-Linden war, die Entwicklung „immer mehr, immer größer“ zu durchbrechen und stattdessen das zu nutzen, was der Hof hergibt. „Wir wollten neue Wege beschreiten und auf mehrere Betriebszweige setzen“, erzählen der 61-jährige Landwirt und die 58-jährige Hauswirtschaftsmeisterin. Das Vorhaben setzten sie vor 13 Jahren in die Tat um.

Einige Jahre nach der Hochzeit übernahmen 1987 die beiden den „Moarbauern-Hof“ und führten zunächst einmal die Milcherzeugung mit 25 Kühen auf dem elterlichen Betrieb weiter. Dann wurde ein Jahr später ein neuer Laufstall gebaut und damit auf 30 Plätze aufgestockt. Elf Jahre später stand dann die Entscheidung zur nochmaligen Vergrößerung an, doch das widerstrebte dem Betriebsleiterehepaar. „Wir suchten stattdessen nach Alternativen“, erklären sie rückblickend. Mit ein Anstoß war damals auch die BSE-Krise. Letztendlich entschieden sie sich für Mutterkuhhaltung und Direktvermarktung. Die 30 Fleckvieh-Kühe im Stall wurden mit Limousin gekreuzt, um eine höherer Fleischfülle und -qualität sowie Ausschlachtung und Leichtkalbigkeit zu erzielen. Daraus wurde die Mutterkuhherde aufgestellt. Inzwischen haben die Tiere einen Fleischrassenanteil von rund 90 % im Blut. Insgesamt bewirtschaftet Familie Meßner 45 ha LN, davon 45 ha Grünland. Alles in allem wurden im Zuge der Umstellung 20 ha Ackerflächen verpachtet und für die extensive Haltung 35 ha Grünland dazu gepachtet. Der große Flächenbedarf ergibt sich durch gewisse Auflagen hinsichtlich Düngung und Pflanzenschutz auf einem Teil der Flächen, wie z. B. im Donaumoos, die im Auftrag des Donauzweckverbandes beweidet werden. Die weiteste Weidefläche ist 9 km von der Hofstelle entfernt.

Aktuell werden 35 Mutterkühe mit Nachzucht gehalten und es gibt 30 Schweinemastplätze – artgerecht auf Stroh. Außerdem wird eine Vielfalt an Geflügel in Freilandhaltung großgezogen. So hat Zenta Meßner rund 300 Hähnchen verteilt im Jahr im Angebot, wobei regelmäßig alle sechs Wochen 50 Stück geschlachtet und vermarktet werden. Saisonal warten im Herbst und vor Weihnachten 30 Gänse und 80 Enten auf Kundschaft. Hinzu kommen 50 Legehennen für die Eierproduktion, die im Sortiment nicht fehlen darf.

Fleisch als Grundlage

In der Anfangszeit wurden Fleischpakete verkauft und im Laufe der Zeit entwickelte sich ein Kundenstamm, der sich stets erweiterte. 2005 entschied sich die Familie dann zur professionellen Direktvermarktung. Nach der Planung wurde mit dem Umbau für den 22 m² großer Hofladen in der ehemaligen Futterkammer und den entsprechenden Räumlichkeiten begonnen. Anfang Januar wurde dieser dann eröffnet. Eine wichtige Grundlage der Direktvermarkter ist von Beginn an das Fleisch der eigenen Weiderinder und Schweine sowie Wurst in kleinem Sortiment. Die Produktpalette wurde dabei im Laufe der Zeit immer größer und vielfältiger.

Zerlegung nach Wunsch

Basis für das Weiderindfleisch sind Färsen im Alter von 22 bis 26 Monaten und einem Lebendgewicht von ca. 550 kg. Die männlichen Tiere werden als Fresser an Mastbetriebe abgegeben. Die Färsen werden von den Meßners in den Schlachthof nach Neuburg/Donau transportiert. Anschließend gehen die Schlachthälften an Metzgerei Völler in Ludwigsmoos, wo sie zerlegt und von den Knochen befreit werden. Ein Teil davon wandert in die dortige Wurstherstellung, den Großteil des Fleisches holen die Direktvermarkter jedoch ab und erledigen selbst die Kleinzerlegung je nach Kundenwunsch. Pro Jahr werden insgesamt neun bis zehn Rinder geschlachtet, wobei sämtliche Schlachttermine bereits zu Jahresbeginn feststehen. Ursprünglich war der Hofladen jeden Freitagnachmittag geöffnet. Das konzentrierte die Hauswirtschaftsmeisterin mittlerweile auf jeden dritten Freitag im Monat von 14 bis 18 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung. „Freilich ist das dann ein heftiger Verkaufstag. Doch so ist es für mich die beste Lösung“, verrät die 58-jährige, die an der Dorfhelferinnenschule in Pfaffenhofen halbtags berufstätig ist. Für die Kunden erstellt Zenta Meßner einen Handzettel mit den Fleischverkaufstagen rund ums Jahr, damit sie alles auf einen Blick haben.

Nach ihrer Auskunft sind in den Wintermonaten eher Bratenstücke und Rouladen gefragt, während im Sommer Kurzbratenstücke und Steaks angesagt sind. Diese werden auf Kundenwunsch auf die richtige Stärke geschnitten und zum Teil mariniert. Es gibt eine bunte Auswahl an Möglichkeiten für deren Zubereitung auf dem Grill: Steaks aus Filet, Lende oder Hüfte. Zudem macht sich bei den Direktvermarktern selbstverständlich auch der Trend für besondere Zuschnitte bemerkbar. „Vor allem junge Leute fragen nach T-Bone-Steaks aus der Lende mit Filet, Flank-Steaks vom Bauch oder Ribeye-Steaks aus der Hochrippe. Solche Kundenwünsche müssen vorbestellt werden“, teilt Zenta Meßner mit.

Immer wieder was Neues

Darüber hinaus lässt sich die Hauswirtschaftsmeisterin etwas Besonderes einfallen. So sind selbst hergestellte Schweineschaschlik, Grillspieße, Käse-Schinken-Spieß, Lenden- und Räuberspieß – sowohl vom Schwein als auch vom Rind – im Sommer der Renner. „Ich bemühe mich, dass in meiner Theke immer wieder etwas Neues zu haben ist“, bemerkt sie. Im Angebot sind auch öfter Cordon bleu und gefüllter Braten. Die Ware, die am Ende eines Hofladentages übrig bleibt, wird vakuumiert und eingefroren – um sie über die Gästebewirtung im Moarbauern-Stüberl zu veredeln.

Der Raum wurde vor sechs Jahren in der früheren Autogarage eingerichtet und bietet aktuell 44 Plätze für diverse Veranstaltungen. Bei der Bewirtung sind neben Johann und Zenta Meßner Tochter Monika, ebenfalls Hauswirtschaftsmeisterin, mit ihrem Mann Michael eingebunden. Zudem helfen bei Bedarf bis zu acht Aushilfskräfte dazu. Die Tochter bildete sich darüber hinaus noch zur Erlebnisbäuerin weiter, was sie auf dem Hof in Form von Erlebnisbauernhof-Angeboten und Kindergeburtstagen umsetzt.

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