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Baumaßnahmen

Wertvolle Flächen gehen verloren

Dieser Artikel ist zuerst im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt erschienen.

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von am
13.03.2017

Rosenheim - Der BBV-Kreisverband Rosenheim sieht nur Nachteile durch die Pläne der Bahn zum Brennerbasistunnel.

Demo Rosenheim
Mit einem Schlepperkorso durch Rosenheims Innenstadt machten auch zahlreiche Landwirte ihrem Unmut gegen die Bahn-Pläne Luft. © Paul Kannamüller

Einen kompletten Neustart des Planungsprozesses für die umstrittenen Bahntrassen zum Brennerbasistunnel (Nordzulauf) hat Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt am vergangenen Montag in Rosenheim zugesagt. „Wir wollen den Dialog“, sagte Dobrindt unter den schrillen Pfiffen und Buhrufen von rund 1700 demon­strierenden Bürgern, die sich aus der gesamten Region vor dem Rosenheimer Landratsamt versammelt hatten, um ihrem Unmut über die kursierenden Bahnpläne Luft zu verschaffen. Dabei wurden dem Bundesverkehrsminister 12 350 Unterschriften gegen neue Gleise übergeben und der BBV-Kreisverband Rosenheim überreichte ein Positionspapier. Eindrucksvoll „begleitet“ wurde der Protest von einem Schlepperkorso durch Rosenheims Innenstadt zum Landratsamt, an dem sich gut 30 Landwirte beteiligten.
Seit im Oktober „völlig überraschend“ erste Skizzen der Bahn von etwaigen Korridoren für Gleisplanungen auftauchten, fühlten sich vor allem die Menschen östlich von Rosenheim regelrecht hintergangen. Sie befürchten, dass eine neue Gleistrasse für Hochgeschwindigkeits- und Güterzüge durch ihre Gemeinden gebaut werden könnte. Die bisherige Strecke verläuft westlich des Inns via Rosenheim nach München. Dobrindt kündigte an, gemeinsam mit allen Bürgern und Gemeinden in der gesamten Region die Grundlagen für eine Trassenplanung erarbeiten zu lassen. Dies werde seiner Erfahrung nach mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Damit würde es auf deutscher Seite mit großer Sicherheit keinen fertigen neuen Zulauf geben, wenn der Brennerbasistunnel nach derzeitiger Planung im Jahr 2026 eröffnet wird.
Insbesondere die Menschen in den Gemeinden östlich des Flusses und der Stadt Rosenheim bezweifeln jedoch, dass ein drittes und viertes Gleis zum Brenner überhaupt notwendig ist. Sie und auch viele Bürgermeister der Region fordern deshalb einhellig nachvollziehbare Prognosen zur Verkehrsentwicklung. Neue Gleise nur für schnellere Verbindungen zwischen Salzburg und Innsbruck dürfe es auf keinen Fall geben, betont auch BBV-Kreisobmann Josef Bodmaier. „Und wenn der Brenner-Nordzulauf umgesetzt wird, fordern wir ultimativ eine Tunnellösung.“ Denn hier sei der oberirdische Flächenverbrauch am geringsten, zudem könne man auf Ausgleichsflächen verzichten. „Wir Landwirte haben nur Nachteile bei diesem Bauvorhaben, weil unsere Flächen und damit unsere Existenzgrundlage verloren gehen“, heißt es in dem Positionspapier, das von Kreisobmann Josef Bodmaier und Kreisbäuerin Katharina Kern unterzeichnet wurde.
Heftig kritisiert wird vom örtlichen Bauernverband vor allem auch die mangelnde Informationspolitik von Seiten der Politik und der Deutschen Bahn. „Wir halten es für zwingend notwendig, dass wir in die Planung von Anfang an mit einbezogen werden.“ Bislang jedenfalls sei die Informationspolitik „besorgniserregend“, so der Bauernverband. Kaum nachzuvollziehen sei etwa auch, dass Naturschutz- und FFH-Flächen von öffentlichen Planvorhaben weitestgehend verschont würden und stattdessen „vorrangig unsere wertvollen Wirtschaftsflächen überplant werden“. Es dränge sich hier der Eindruck auf, „dass unsere Belange als Grundstückseigentümer oft nicht ernst genommen und respektiert werden“. Grundsätzlich weist der BBV darauf hin, dass die Region durch den Ausbau der A8 „verkehrstechnisch jetzt schon überbeansprucht ist“. Schließlich befürchte man, dass durch neue Schienentrassen auch viele Besucher dieser beliebten Tourismusregion abgeschreckt werden könnten.
Beim Bauernverband inRosenheim geht man davon aus, dass sich der Umgriff der Gesamtplanung auf rund 1000 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche erstreckt. Davon betroffen wären nach Lage der Dinge mehrere hundert Landwirte, so Kreis­obmann Bodmaier. Vom Landwirtschaftsministerium erwarte man übrigens, „dass es sich offen auf unsere Seite stellt und sich nicht einer öffentlichen Positionierung entzieht“.

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