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Biuodiversität

Die Wiesen artenreicher machen

Wiesenschule-Wiese
AELF Holzkirchen
am
01.07.2019

Das Landwirtschaftsamt Holzkirchen informiert auf zwei Veranstaltungen

Wiesenschulung-AELF-Holzkirchen

Holzkirchen/Lks. Miesbach Das Thema Artenvielfalt hat nach Auffassung von Rolf Oehler, Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Holzkirchen, mit dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“ schlagartig eine ganz andere Bedeutung bekommen: Vielen sei dabei gar nicht bewusst, dass die Landwirtschafts- und Naturschutzverwaltung mit dem Kulap und dem Vertragsnaturschutzprogramm seit über 30 Jahren die Artenvielfalt auf Äckern und Grünland fördert.

Nur das Ergebnis zählt

Den besonderen Programmpunkt „Erhalt artenreicher Grünlandbestände“ erläuterte Fachberater Stefan Mayer im Rahmen der Infoveranstaltungen. Neu an diesem Programmpunkt ist, dass nicht bestimmte Maßnahmen oder Verbote Fördervoraussetzung sind, sondern ausschließlich das Ergebnis zähle. Dazu müssten bei der Kontrolle auf einer sogenannten B40-Fläche vier bzw. beim Naturschutzprogramm sechs seltene Arten vom Prüfer vorgefunden werden. Und die werden nicht gesucht, sondern müssen auf einer Diagonale im beiderseitigen Armbereich vorhanden sein. Voraussetzung dazu sei die Artenkenntnis. Diese wurde gleich zu Beginn an verschiedenen Wiesenblumen, sogenannten Kennarten wie z. B. Bachnelkenwurz, Margerite, Lichtnelke, vom Fachberater Josef Faas von der unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Miesbach erläutert. Anschließend konnten die Teilnehmer bei der Besichtigung der artenreichen, extensiv genutzten Grünlandfläche von Gerlinde Bichler in Tannried ihre Artenkenntnisse testen.
Es folgte eine zweite Veranstaltung des Amtes zur Artenanreicherung im Wirtschaftsgrünland. Dr. Sabine Heinz von der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Freising zeigte verschiedene Möglichkeiten auf, wieder mehr heimische Pflanzenarten im Wirtschaftsgrünland integrieren zu können.
Bei der sogenannten Mahdgutübertragung werden auf einer geeigneten Grünlandfläche Streifen gefräst und die alte Grasnarbe zerstört, um Lücken für neue Pflanzen zu schaffen. Auf einer artenreichen Spenderfläche wird der Aufwuchs geerntet und dieses Mahdgut auf die Streifen aufgebracht.
Die reifen Samen fallen aus dem Mahdgut auf den gefrästen Boden, können keimen und sich am neuen Standort etablieren. Über die Jahre verteilen sich die übertragenen Arten auf die gesamte Grünlandfläche.

Grünlandmähdrescher

Eine weitere Möglichkeit ist die Ansaat von regionalem Saatgut. Für die Gewinnung von autochtonen Blühsamen wird von der ProCommuno, einem Tochterunternehmen des Maschinenrings Miesbach, in Zukunft eine Art Mähdrescher fürs Grünland angeschafft werden. Wie mit einer Bürste werden reife Samen von der Wiese abgebürstet, so Hans Kirchberger von ProCommuno. Der bestehende Aufwuchs kann danach trotzdem noch gemäht und verwertet werden.
Um den künftigen „Grünlandmähdrescher“ auszulasten, ist Kirchberger immer auf der Suche nach artenreichen Flächen, um die Samen zu gewinnen. Wer solche Flächen hat und zu Verfügung stellen will, kann sich bei Hans Kirchberger melden.
Vom Erfolg einer Mahdgutübertragung konnten sich alle Teilnehmer auf einer Fläche von Landwirt Valentin Dietrich in Geilertshausen überzeugen. Der Landwirt berichtete von seinen Erfahrungen mit der Artenanreicherung im Grünland.

Im Jahr 2016 wurde auf der Fläche eine Mahdgutübertragung durchgeführt. Dr. Sabine Heinz, die das Projekt begleitete, zeigte sich zufrieden mit der Entwicklung der Fläche. Erste Arten haben sich bereits 1,5 m aus den Streifen in die restliche Grünlandfläche ausgebreitet. Der Erfolg war für alle Teilnehmer sichtbar. Landwirte, die Interesse an einer Mahdgutübertragung haben, können sich dazu beim Landwirtschaftsamt in Holzkirchen melden (Tel. 08024- 46039-0).

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