Login
Rechtstreit

Wildschutzzaun - Clinch um ein Drahtgeflecht

Wildschutzzaun Streit
Roland Lory
am
27.11.2017

Ein Bauer in Uffing errichtet einen Wildschutzzaun, der Jagdpächter zieht deswegen erbost vor Gericht.

Wirtschaftliche Schäden durch Wildschweine können zum Teil enorm hoch ausfallen. Wo die Schwarzkittel aufkreuzen, hinterlassen sie bekanntlich oft eine Schneise der Verwüstung. Nicht nur auf dem Getreidefeld, sondern auch auf Weideland und auf Lichtungen.

In Uffing gibt es derzeit einen Streit, weil ein Landwirt einen Zaun errichtet hat. Mit dem rund 1 m hohen Drahtgeflecht will er eine 3,5 ha große Wiese, die ihm zum Teil gehört und die er partiell gepachtet hat, vor Wildsauen schützen.

Dem dortigen Jagdpächter passt das gar nicht. Daher ist er vor Gericht gezogen. Er verklagte den Freistaat Bayern, weil er das Verhalten des Landratsamts Garmisch-Partenkirchen missbilligt. Bereits im Oktober 2016 hatte die Rechtsanwaltskanzlei des Mannes beantragt, dass das Landratsamt als Untere Jagd- und Untere Naturschutzbehörde gegen die zunehmenden Wildschutzzäunungen einschreitet.

Der Jagdpächter findet, dass es sich um Sperren handelt, die Kreisbehörde sieht es anders. Die Einzäunung könne „relativ problemlos überstiegen werden“, teilte Franziska Klein vom Büro des Landrats mit. Eine Sperre im naturschutzrechtlichen Sinn liege nicht vor. Eine Anzeige sei daher nicht erforderlich gewesen und eine Beseitigungsanordnung nicht veranlasst.

Kläger sieht Zaun als Sperre für alle Tiere

Streit Wildschutzzaun

Der Jagdpächter reichte daraufhin Klage ein. Er findet, dass die Biodiversität in Mitleidenschaft gezogen wird, das heißt: die biologische Vielfalt. Im vorliegenden Fall wären das Hase, Fuchs, Dachs und Rehwild sowie Rot- und Schwarzwild. „Die Tiere können die Wiese nicht mehr betreten“, beklagt der Jagdpächter. „Wenn das Schule macht, haben wir hier in Oberbayern ein Problem.“

Er will verhindern, dass ein Präzedenzfall geschaffen wird. „Ich bin jagdlich sehr eingeschränkt“, betonte der Kläger beim Augenschein des Verwaltungsgerichts München mit anschließender Verhandlung. Da kein Wild mehr auf die Wiese gelangen könne, nehme der Verbiss im Umfeld der Grünfläche zu. Zudem verwies er auf das Recht auf das freie Betreten der Natur.

Bruno Haas, der bei dem Gerichtstermin die Untere Naturschutzbehörde vertrat, betonte hingegen, dass Wild sehr wohl das Drahtgeflecht überwinden könne. Der Landwirt, der die Konstruktion errichtet hat, zeigte Schäden an Bäumen. Für Haas „ein Indiz, dass Rotwild reinkommt“.

In der Frage, ob es sich bei dem Zaun um eine Sperre handelt, stimmte das Gericht dem Jagdpächter tendenziell zu. „Es ist nicht jeder in der Lage, hier ohne Weiteres drüberzuklettern“, betonte der Vorsitzende Richter Johann Oswald. Von dem Zaun gehe auch „eine bestimmte psychologische Wirkung aus“. Der Zugang für die erholungssuchende Bevölkerung müsse in weiterem Umfang möglich sein, als es aktuell der Fall ist. „Wir sehen nicht so recht, dass eine Sperre erforderlich ist, um das Grünland zu schützen."

Haas verwies hingegen auf „massive Wühlschäden“ durch die Schweine. Belege konnte er jedoch nicht präsentieren. Oswald bewog dies zu der Frage: „Warum hat man uns das nicht vorgelegt? Es fehlt der Nachweis, dass das der Fall ist.“

Haas ging daraufhin auf die Wildsau-Problematik im Raum Uffing generell ein. Es gebe „viele Nachweise“, was Schäden anbelangt. Und auf der besagten Wiese sei mit „erheblichen Schäden“ zu rechnen. Es handle sich in dem betreffenden Gebiet um eine „Sondersituation“, wo der Wildschweindruck sehr groß sei. Was Haas auch betonte: „Der Landwirt darf seine Kulturen schützen.“

Das Gericht schlug am Ende vor, das Verfahren für erledigt zu erklären. Das Landratsamt solle den Jagdpächter innerhalb von zwei Monaten „ordentlich verbescheiden“. Der Kläger bestand allerdings auf einer gerichtlichen Entscheidung. Dessen Anwalt erweiterte die Klage bei dem Termin sogar noch: Er beantragte, den Zaun zu beseitigen. Oswald stufte diesen Schritt als „nicht sachdienlich“ ein. Sein Kollege Michael Fromm gab dem Kläger zu verstehen, dass er den ganzen Zaun „wahrscheinlich nicht wegkriegen“ werde. Es deutete sich an, dass der Zaun in der aktuellen Form wohl nicht stehen bleiben kann.

Auch interessant