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Almbegehung

Der Wolf ist Thema Nummer eins

Almbegehung
Silvia Schlögel
am
14.09.2017

Unterammergau/Lks. Garmisch-Partenkirchen - Eine liebgewonnene Tradition ist die alljährliche Almbegehung im Landkreis Garmisch-Partenkirchen, die anstelle eines Bauerntages jedes Jahr auf einer anderen Alm inklusive Wanderung stattfindet. Dieses Jahr ging es wieder einmal in das Ammertal nach Unterammergau.

Trotz der schlechten Wetterprognose konnte Alois Kramer, stellvertretender Kreisobmann aus Krün, rund 180 Landwirte, viele Ehrengäste und Interessierte begrüßen. Er trug die Anliegen der Almbauern und der gesamten Landwirtschaft im Oberland den politischen Ehrengästen vor. Dabei ging es auch um die Düngeverordnung und die derzeitige Diskussion um Nitratgehalte im Trinkwasser. Kramer brachte es auf den Punkt: „Bei uns liegt der durchschnittliche Nitratgehalt bei nur 3,8 Milligramm, wir sind also ein Garant für sauberes Wasser und eine intakte Umwelt.“

„Bei einer ordentlichen Bewirtschaftung, wie sie auf unseren Fluren und Almen stattfindet, wird Humus aufgebaut und der bindet schließlich CO2, doch das hört man in den Medien nie“, stellte er weiter fest. „Und jetzt haben wir auch noch den Wolf am Hals“, rief er ins Publikum. „Wir haben eine Fürsorgepflicht gegenüber unseren Tieren. Würde sich der Wolf so verhalten, wie man uns weismachen will, dann hätten wir auch kein Problem. Doch wenn ich von einem französischem Landwirt höre, der mit 800 Schafen im Sommer in die Berge zieht und mit 400 wieder zurückkehrt, dann ist das Idyll der unberührten Landschaft nicht mehr da.“ Der kräftige Applaus der Anwesenden bestätigte die Sorge der Landwirte.

Auch Verkehrsminister Alexander Dobrindt nahm zum Thema Wolf Stellung: „Es gibt Regionen bei uns, wo er einfach keinen Platz hat. Weideflächen auf Almen müssen wolfsfreie Zone bleiben.“

Landrat Anton Speer, selbst Nebenerwerbslandwirt, richtete seine Worte an Minister Dobrindt und somit direkt nach Berlin: „Wir brauchen eine Agrarpolitik, die den Erhalt möglichst vieler Betriebe bewirkt.“ Für die Anbindehaltung müsse es einen Kompromiss geben und die Förderung im Rahmen des Vertragsnaturschutzes sei als Entschädigung für die harte Arbeit auch dringend notwendig. Speer warnte außerdem davor, sich nach der momentanen Absage für einen Nationalpark Ammergebirge schon zurückzulehnen. Sollten die beiden anderen Regionen, die im Gespräch sind, abgelehnt werden, dann sei das Ammergebirge ganz schnell wieder auf dem Tisch. „Wir brauchen beides nicht: weder Naturpark noch Wolf.“

Nach der Wanderung zum August-Schuster-Haus ging es auch bei Georg Mayr, dem Vorsitzenden des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern, ums Thema Wolf: „Ein bisserl Wolf geht halt nicht und die Politik hat noch überhaupt kein Konzept, was passiert, wenn es soweit kommt.“ Außerdem sprach er den Flächenverlust durch das Zuwachsen der Almen an. Dr. Stefan Gabler, Leiter des AELF Weilheim, zeigte die neuen Angebote des Amtes auf.

Nach einem intensiven Meinungsaustausch ging es wieder zurück zur Alm im Langental. Dort äußerte sich Ulrike Müller, Mitglied des Europäischen Parlaments und agrarpolitische Sprecherin der Fraktion mit Liberalen und Demokraten in Brüssel, zu verschiedenen Themen, so auch zum Wolf. Sie habe eine Studie initiiert, die klären soll, wie sich die Ausbreitung des Wolfes auf die Landschaft und den Tourismus einer Region auswirkt.

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