Login
Versammlung

Wolfsentnahme - gemeinsamen Weg finden

IMG_0169-Kreisbauerntag
Externer Autor
am
14.01.2019

Der Vorsitzende des Bund Naturschutz Richard Mergner spricht beim
BBV-Kreisbauerntag Bad Tölz-Wolfratshausen über Alm- und Landwirtschaft.Wolfsentnahme ist aus seiner Sicht bei „besonderen Problemen“ möglich.

Zum Kreisbauerntag Bad Tölz-Wolfratshausen hatte der Kreisverband in den Gasthof Peiß eingeladen. Kreisobmann Peter Fichtner freute sich, dass zahlreiche Bäuerinnen und Bauern und auch mehrere Ehrengäste zum Festabend kamen. So konnte er auch den Leiter des AELF Holzkirchen und Bereichsleiter Landwirtschaft, Landwirtschaftsdirektor Rolf Oehler, BBV-Direktor Walther Pittroff, die Geschäftsführerin der Geschäftsstelle München-Holzkirchen Dagmar Wagner und zahlreiche Repräsentanten von Gemeinden und Verbänden begrüßen.
An die 17 neuen Meister und eine neue Meisterin aus den Jahrgängen 2015 bis 2017 gerichtet, bekräftigte Fichtner: „Ihr seid unsere Zukunft, auf Euch kommt es an“. Er dankte den jungen Leuten für ihr Engagement in der Landwirtschaft und er lud sie zu einem Essen mit regionalen BBV-Vertretern und dem Bezirkspräsidenten von Oberbayern Anton Kreitmair ein, um aktuelle Themen und Herausforderungen zu diskutieren.
In ihrem Grußwort würdigte Leni Gröbmaier, 1. Bürgermeisterin der Gemeinde Dietramszell, die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft: „Ich bin froh, dass wir noch so viele Betriebe haben, welche die Gemeinde und die Umgebung so gut erhalten“.
Auf einen gesellschaftlichen Widerspruch wies 3. Landrat und Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Kreistag Klaus Koch in seinem Grußwort hin: „Dieser Widerspruch zwischen der Forderung nach billigen Lebensmitteln und hohen Auflagen für die Landwirtschaft muss aufgelöst werden. Wir müssen alle daran arbeiten. Alle sind aufgerufen, sich für regionale Produkte einzusetzen“.
Als Festredner hatte der Kreisverband Richard Mergner eingeladen. Er ist seit Mai dieses Jahres der Nachfolger des langjährigen Vorsitzenden Hubert Weiger des Naturschutzbundes in Bayern. Mergner sprach über die Partnerschaft zwischen Landwirtschaft und Naturschutz als eine Chance für eine grüne und gerechtere Agrarpolitik. „Die Probleme liegen darin, dass heute immer weniger Leute mit Landwirtschaft etwas anfangen können. Dabei gibt es nicht die Landwirtschaft, sondern ganz unterschiedliche Strukturen“, so Mergner.
Man brauche eine bodengebundene Landwirtschaft, die auch die Anforderungen der Gesellschaft berücksichtigt, wie zum Beispiel eine Reduzierung des Pestizideinsatzes, keine Massentierhaltung und Preise, welche den Wert der bäuerlichen Arbeit honorieren. „Die Landwirte müssen davon leben können, ohne die Umwelt zu belasten“, erklärte der Referent.
Notwendig sei auch eine andere Agrarpolitik, denn es könne doch nicht sein, dass man seit drei Jahren für ein Fleischlabel kämpft. „Jetzt kommt der Lebensmitteleinzelhandel und die Leidtragenden sind wieder die Landwirte“, sagte der Naturschutzbund-Vorsitzende. Und er appellierte an die Anwesenden, sich zu öffnen und zu versuchen, jeweils das Beste aus der konventionellen Landwirtschaft und den Biobetrieben herauszuholen.
Heiß diskutiert wurden auch der Wolf und die Probleme der Almwirtschaft. Georg Mair, 1. Vorsitzender des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern e.V. (AVO), appellierte an Mergner, dass der Bund Naturschutz mehr über die Probleme nachdenkt und dass wolfsfreie Weideschutzgebiete ausgewiesen werden. „Der Wolf muss nicht überall sein, denn die Folge wäre, dass die Weidewirtschaft eingestellt wird“, so der AVO-Vorsitzende.
Wenngleich Mergner die Probleme der Almwirtschaft gut versteht, so hält er von wolfsfreien Gebieten nichts, denn diese müssten überall sein, weil der Wolf durchzieht und große Strecken zurücklegt. Notwendig sei daher ein effektiver Herdenschutz und wenn es besondere Probleme gibt, sei auch eine Entnahme des Wolfes möglich.
„Ich halte eine getrennte Diskussion mit Fachleuten für sinnvoll. Wichtig sei auch, dass wir gemeinsam einen Weg finden“, sagte Naturschutzbund-Chef Mergner.

Am Ende bat der Kreisobmann von Miesbach Hans Hacklinger den Bund Naturschutz um Unterstützung beim Kampf gegen die von den Stadtwerken München eingeforderte Ausweitung des Wasserschutzgebietes im Landkreis Miesbach: „Wenn das Wasser in Ordnung ist, muss man es doch nicht weiter treiben. Wir können nicht mehr Bio machen“.

Auch interessant