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Sturmholz

Zehn Hektar Wald sind platt gemacht

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Josef Berchthold
am
04.12.2018

Die Aufarbeitung der Sturmschäden in Ohlstadt ist gefährlich und muss in Ruhe erfolgen.

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Für Ohlstadt ist es ein Jahrhundertereignis, der Rest unseres Landkreises wurde weitgehend verschont!“ So fasst Revierförster Robert Herz das Ausmaß des Föhnsturmes zusammen, der in der Nacht zum 30. Oktober über den Ort fegte und erhebliche Schäden anrichtete. Während es in den benachbarten Ortschaften nur wenig Schäden gab, legte der Sturm um Ohlstadt in kurzer Zeit rund 10 haWald um. Besonders getroffen hat es den „Bärenfleck“, das Waldgebiet zwischen Ohlstadt und dem Heimgarten. Die Aufarbeitung der Schäden wird in Bezug auf die Unfallverhütung schwierig, wie bei der Ortsversammlung der Waldbesitzervereinigung Ammer-Loisach zum Ausdruck kam. „Es handelt sich hier um Windwurf unter Spannung, der besonders gefährlich ist. Hier muss jeder Schnitt stimmen“, sagte Herz. Seine Empfehlung an die rund 80 anwesenden Waldbesitzer: „Lassen Sie die Profis ran!“ In flachen Lagen empfahl der Fachmann den Einsatz des Prozessors und im Berggebiet sollten Experten mit guter Ausrüstung die unter Spannung stehenden Stämme aufarbeiten. Außerdem werde im Dezember ein „Motorsägenkurs unter Spannungsbedingungen“ angeboten.

„Der Schadensschwerpunkt ist eindeutig in Ohlstadt“, bestätigt Thomas Grebenstein, der Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung (WBV) Ammer-Loisach, die für den gesamten Landkreis Garmisch-Partenkirchen zuständig ist. In Ohlstadt gab es in dieser Nacht etwa doppelt soviel Windwurf wie im gesamten restlichen WBV-Gebiet. In Bayersoien, Bad Kohlgrub oder Aidling habe der Wind nur „Förster gespielt“ und schwache Bäume gepackt, in Eschenlohe seien nur am Kirchbichl größere Schäden.
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Glück im Unglück sei der Zeitpunkt des Sturmschadens: Der Borkenkäfer sei im Ruhezustand und man habe bis ins Frühjahr Zeit, um die letzten Fichten aus dem Wald zu bringen. Deshalb erwartet Grebenstein auch keinen großen zusätzlichen Preisdruck: „Wir können die Menge unterbringen,“ so die positive Nachricht des Abends. Noch nicht abzuschätzen war, wie sich die Schäden, den das Sturmtief „Vaia“ in dieser Nacht auch in Österreich und Südtirol anrichtete, auf den Markt auswirken. „Die sicherste Art und Weise den Preis runterzubringen, ist Panik auszulösen“, warnte Grebenstein. „Ruhe bewahren“ sei das oberste Gebot in der Aufarbeitung und auch in der Vermarktung.

In Ohlstadt wird die Aufarbeitung durch die teilweise sehr kleinen Parzellen erschwert. Manche Flurstücke seien nur 15 m breit und einzelne Bäume liegen so auf dem Boden von drei verschiedenen Eigentümern. „Es ist wichtig, dass hier alle zusammenarbeiten“, appellierte Herz an die Waldbesitzer. Die Grenzermittlung im Bergwald sei schwer und werde durch die wie bei einem Mikado-Spiel umherliegenden Bäume erschwert. Hilfe bei der Grenzermittlung bieten das Forstamt und die Gemeinde an. Die WBV übernimmt für ihre Mitglieder auf Wunsch die Aufarbeitung und Vermarktung des Schadenholzes.

Sperrung ist wichtig

Viele Waldwege um Ohlstadt wurden nach dem Sturm gesperrt, doch nicht alle Bürger halten sich daran, wie in der Diskussion beklagt wurde. Teilweise seien sogar Familien mit ihren Kindern in das gefährliche Gebiet gegangen und bei der Gemeinde gab es Anrufe von Freizeitsuchenden, die sich eine rasche Öffnung der Wege wünschen, schilderte Bürgermeister Christian Scheuerer. Die Gemeinde warnt auch auf ihrer Internetseite in aller Deutlichkeit davor, die Wege zu benutzen. „Wir müssen den Leuten klar machen, dass die Sperrungen notwendig sind und sie sich daran halten müssen“, machte Thomas Grebenstein deutlich. Die Sperrungen seien ebenso wie die Absicherung der Flächen bei der Aufarbeitung wichtig, damit die Waldbesitzer im Schadensfall nicht haftbar gemacht werden können.
Von den Sturmschäden sind etwa 100 Waldbesitzer betroffen. Vom Waldprofi vor Ort bis hin zu Städtern, die noch nie eine Motorsäge in der Hand hatten, sei alles dabei, sagte Herz. Georg Zach, der Obmann des WBV-Ortsverbandes Ohlstadt, rechnet mit rund 400 m3 Schadholz. „Er lässt sich bei der Aufarbeitung helfen, obwohl er selbst ein Profi im Forst ist“, betont Robert Herz.
Richard Gaisreiter, der zweite Obmann des WBV-Ortsverbandes, kam glimpflich davon. Von seiner Waldfläche befindet sich nur ein kleiner Teil in den Hauptschneisen des Sturmes und es wurden etwa 50 m3 Stammholz gerissen. „Der Föhnsturm begann nachts um halb vier und dauerte etwa eine halbe Stunde“, blickt er auf die Nacht zum 30. Oktober zurück. Der Sturm kam von Südosten, was untypisch sei, vielleicht war deshalb der Schaden so groß. In Ohlstadt hofft man jetzt vor allem eines: dass die Aufarbeitung des Schadenholzes unfallfrei über die Bühne geht. JB
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