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Agrar-Familie 2017

Zusammenhalt macht stark

Agrarfamilie
Ludwig Holly
am
27.09.2017

Was man durch Zusammenhalten alles erreichen kann, zeigt Familie Sedlmair in Puchschlagen (Lks. Dachau). Sie haben einen Milchviehbetrieb mit rund 260 Kühen, den zwei Brüder zusammen mit den Eltern managen.

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Zwei Söhne wollen Bauer werden! Garnicht so einfach, aber bei Familie Sedlmair funktioniert das: Mathias (32) und Simon (30) kommen bestens miteinander  und mit den Eltern Anni und Simon Sedlmair aus. Beide Söhne haben eine fundierte landwirtschaftliche Ausbildung und beide wollten den elterlichen Betrieb weiterführen. Es kam zu keinem Konflikt, sondern zu einer Lösung, die alle zufrieden stellt: Im Jahr 2015 gründeten sie die „Fleckviehzuchtbetrieb Sedlmair GbR“, in die alle Familienmitglieder eingebunden sind.
Damit aber drei Familien vom Betrieb leben können, musste dieser aufgestockt werden. An der alten Hofstelle im Zentrum von Puchschlagen war dafür kein Platz.  Und so  beschloss man, in rund 800 m Entfernung auf der grünen Wiese einen hochmodernen Milchviehbetrieb zu errichten. Dort hatte der Vater von Simon Sedlmair senior vor vielen Jahren bereits Flachsilos gebaut. Später kam dann auch noch eine Maschinenhalle hinzu.
Hier entstand dann nach einer intensiven Planungsphase und nur achtmonatiger Bauzeit ein moderner Milchviehbetrieb, der im März 2013 in Betrieb genommen wurde. Im geräumigen, hellen und luftigen Boxenlaufstall stehen rund 260 laktierende Fleckviehkühe. Schon beim Betreten des Stalles erkennt der Besucher, dass die Tiere hier viel Bewegungsfreiheit haben und sich sichtlich wohlfühlen. „Es ist das Wohn- und Schlafzimmer der Tiere“, sagte Seniorchefin Anni Sedlmair.
Getrennt davon und über einen Treibgang mit dem Kaltstall verbunden, befindet sich die Melkhalle. In diese fällt viel Licht über die große Glasfront auf der Ostseite und schafft eine freundliche Atmosphäre. „Durch die große Glasfront im Melkbereich, sowie die offenen Stalltüren ist unser Betrieb auch für den Verbraucher vollkommen transparent“, so Anni Sedlmair.
Zum Melken werden die Kühe über den Treibgang in den separaten Warte- und Separationsbereich vor dem Melkstand geschleust. Ein mit Druckluft betriebener Kuhtreiber mit einer Spannweite von 16 m nimmt fast die gesamte Breite des Warteraumes ein.

Viel Technik, aber kein Melkroboter

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Um den Arbeitsaufwand zu vermindern haben die Bauherren an alles gedacht. Um zum Beispiel den Futtertisch durch Überfahren des Treibganges nicht zu verschmutzen, wurde eigens eine Hebebrücke eingebaut. Diese verlängert während des Fütterns den Futtertisch. Während der Melkzeit wird sie nach oben geschwenkt, damit die Tiere über den Treibgang in die Melkhalle gelangen können. Das außerhalb der Reichweite der Kühe liegende Futter muss auch nicht mehr manuell zurückgeschoben werden. Dies übernimmt alle zwei Stunden automatisch der „Stallboy“, ein Futteranschieber.
Ein automatischer Spaltenroboter  fährt durch die Gänge im Stall und hält die Laufflächen sauber und trocken. Im Stall herrscht immer gute Luft, und Verschmutzungen werden größtenteils vermieden, weil im Liegebereich der Tiere entstaubtes und entkeimtes gehäckseltes Stroh eingestreut wird. Die Gülle wird zur 75 kW Biogasanlage gepumpt, die sonst kein anderes Substrat bekommt.
Einen Melkroboter sucht man vergebens, denn gemolken wird in einem  Fischgrätenmelkstand mit 18 Melkplätzen auf jeder Seite. „Wir melken gerne und wir wollen alle Tiere immer im Blick haben, um sie zu kontrollieren, deshalb kam für uns nichts anderes in Frage“, erklärte Di­plom-Agraringenieur Simon Sedlmair junior, einer der drei Betriebsleiter.
Die Milch fließt von den Melk­ständen über einen Wärmetauscher, wo sie auf 13 Grad herunter gekühlt wird. Bevor sie dann in einen außerhalb des Gebäudes stehenden 25 000-
Liter-Tank gepumpt wird, erfolgt eine weitere Abkühlung auf 4,5 Grad in einem elektrischen Kühlaggregat. Um Wasser zu sparen, geht das Kühlwasser des Wärmetauschers in die Tränkebecken, und das Warmwasser des Kühlaggregats mit rund 50 Grad wird zum Reinigen verwendet.
An jedem zweiten Tag wird die Milch abgeholt und zur Molkerei Gropper in Bissingen-Donauwörth geliefert. Seit dem  1. September dieses Jahres hat der Betrieb das Tierschutz-Label für Milchkühe des „Deutschen Tierschutzbundes e.V.“. Dafür gibt es 3 Cent pro Liter Milch zusätzlich. Ein weiterer Cent pro Liter wird bezahlt, weil ausschließlich gentechnikfreies Futter eingesetzt wird. Gefüttert werden Mais- und Grassilage, Stroh und Getreide. Über die Kraftfutterstationen, die über zwei Außensilos mit verschiedenen Kraftfuttersorten versorgt werden, kann jedes Tier entsprechend der Leistung  eingestellt werden. Der Betrieb bewirtschaftet rund 100 ha, von denen etwa 30 ha Eigenfläche sind.

Klare Arbeitsbereiche – klare Absprachen

Ein Schlüssel zum harmonischen Miteinander ist, dass jedes Familienmitglied seinen eigenen Arbeitsschwerpunkt hat. Vater Simon Sedlmair kümmert sich um die Kälberaufzucht und die Büroarbeit. Außerdem hat er einige Ehrenämter, zum Beispiel stellvertretender BBV-Kreisobmann in Dachau.  Sohn Simon ist für das Herdenmanagement verantwortlich und Landwirtschaftsmeister Mathias für die Fütterung und die Außenwirtschaft. Wenn notwendig, helfen auch Sohn An­dreas und Tochter Annemarie sowie die Schwiegertöchter Moni (Frau von Mathias) und Agnes (Frau von Simon). Jeder kennt den Bereich der anderen und so kann jeder auch in Urlaub gehen, weil immer ein Betriebsleiter vor Ort ist.
„Der Betrieb baut voll und ganz auf die Familien. So müssen wir keine Fremdarbeitskräfte, außer einem Azubi oder einem Praktikanten, beschäftigen. Die Stärke unseres Betriebes ist der Familienzusammenhalt“, erklärte Simon Sedlmair junior.  
Mutter Anni hilft beim Melken und außerdem vermittelt sie als Erlebnisbäuerin seit über zehn Jahren viel Wissen über die Landwirtschaft an Grundschulklassen. Aber auch Gymnasiasten, Senioren und Vereine kommen auf den Hof, um einen Einblick in die Arbeit der Bauern zu erhalten. Seniorchefin Anni Sedlmair ist mit viel Herzblut, mit großer Begeisterung und viel Engagement bei der Sache: „Wir meinen, dass die Öffentlichkeitsarbeit mit den Kindern und den Verbrauchern immer bedeutender wird, weil immer weniger wissen, wie die Landwirte die Nahrungsmittel produzieren“. Unterstützt wird sie von ihrer Tochter Annemarie und den beiden Schwiegertöchtern Moni und Agnes.

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