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Direktvermarktung

Bauernmärkte - regional, saisonal, bäuerlich

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Patrizia Schallert
am
17.07.2018

Bauernmärkte begeistern die Konsumenten, gleich ob auf dem Land oder in der Stadt.

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Bauernmärkte begeistern die Konsumenten, gleich ob auf dem Land oder in der Stadt. Auch der Verein „Sámakiringa-Bauernláden“ (der Akzent auf dem a bezieht sich auf die Aussprache im örtlichen Dialekt), der vor sechs Jahren seinen Standort auf dem Bauernhof der Familie Spitzer in St. Marienkirchen gefunden hat, wirbt erfolgreich mit dem Slogan „Regional – saisonal – bäuerlich“.

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Daniela und Josef Spitzer haben über die Direktvermarktung ihrer Schafmilchprodukte die Wertschöpfung auf ihrem Betrieb erhöht. Nach und nach konnten sie mehrere Berufskollegen für die Idee begeistern, einen gemeinsamen Bauernmarkt durchzuführen.

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„Das Echo in der Bevölkerung war äußerst positiv“, freut sich Spitzer. Das Angebot eines Vollsortiments an Lebensmitteln von Bauern aus der Gemeinde für das knapp 900 Einwohner zählenden St. Marienkirchen im Bezirk Ried im Innkreis in Oberösterreich war sowohl für die Verbraucher als auch für die bäuerlichen Produzenten eine Win-win-Situation. „Durch den Bauernmarkt konnten wir auch den Bekanntheitsgrad unseres Hofladens erhöhen.“ Die Familie Spitzer stellte ihren Betrieb vor 17 Jahren von Milchvieh auf Rindermast um und schaffte für die Beweidung ihrer Streuobstwiesen einige Waldschafe an (das Wochenblatt berichtete in Nr. 34/2017).

Schafmilch aufgrund der großen Nachfrage

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Aus dem Kauf von zwei Milchschafen im Jahr 2010 und der Herstellung von Schafmilchprodukten für den Eigenbedarf ist inzwischen ein Betriebszweig entstanden, mit dem die Spitzers eigentlich nicht gerechnet hatten. „Die Nachfrage nach unseren Produkten war so groß, dass die Schafherde mittlerweile auf 50 Lacaune-Muttertiere angewachsen ist, wir eine professionelle Hofkäserei eingerichtet und Platz für einen Hofladen geschaffen haben“, erklärt die Seminarbäuerin Daniela Spitzer. Inzwischen sind die „Häusl’s-Hof“-Produkte und der von der Familie initiierte Bauernmarkt eine Bereicherung für die Verbraucher in und um St. Marienkirchen.

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Der Markt auf dem Umstellungsbetrieb Spitzer findet jeden ersten Freitag im Monat von 14.30 bis 18 Uhr unter einem saisonalen Motto statt. Besonders beliebt sind in der Bevölkerung der Ostermarkt und der „Pflanzlmarkt“ im Frühling. Viele Kunden freuen sich aber auch auf den Gemüsemarkt im Herbst mit Wildspezialitäten. Nicht weniger beliebt ist der weihnachtliche Bauernmarkt vor Heiligabend. Nach dem Besuch der Märkte können sich die Kunden mit Kaffee, Kaltgetränken oder von den Bäuerinnen gebackenen Kuchen stärken.

Jeder kennt jedenauf dem Markt

„Unser Markt hat noch eine weitere Besonderheit“, sagt Vereinsobmann Spitzer. „Alle zwölf Mitglieder stammen aus der Gemeinde St. Marienkirchen – regionaler geht es nicht.“ Neun von ihnen sind aktive Landwirte, drei waren früher ebenfalls mit der bäuerlichen Urproduktion verbunden. Meist kenne jeder jeden, gleich ob Kunde oder Direktvermarkter, und das sei eine tolle Sache. In erster Linie möchten die Vereinsmitglieder der Bevölkerung aufzeigen, welche Vielfalt an Lebensmitteln von bäuerlichen Familien direkt vor Ort produziert wird. Das Angebot auf dem Freitagsmarkt ist groß, obwohl nicht alle Vereinsmitglieder am eigenen Hof eine Direktvermarktung betreiben, sondern nur für den Markt ein Produkt herstellen.

So gibt es auf dem Bauernmarkt nahezu alles, was das Herz begehrt. Der Bioziegenhof Wellinger liefert Dinkel-, Weizen- und Roggenmehl. Doch was wäre Mehl, wenn nicht Brot daraus gebacken würde? Frisch auf den Markt kommt es von Maria Bachinger und Renate Hörandner. Doch nur vom Brot allein will niemand leben. Belegt werden kann es mit Schafmilchprodukten von Daniela und Josef Spitzer vom „Häusl’s Hof“ oder Butter und Frischkäse aus Kuhmilch, hergestellt von Gerlinde Zweimüller, Ziegenwurst und –käse von Karin und Josef Wellinger, Speck und Wurst von „Berndl’s Hofladen“ der Familie Maria und Alois Wallaberger.
Aber nur „jausnen“ ist nicht jedermanns Sache, für Genießer beginnt ein gutes Essen mit einer Suppe, zu der Elisabeth Hörandner die Leberknödel beisteuert. Als Hauptgericht ein deftiger Braten vom Schwein aus dem Hof der Familie Wallaberger, ein Rindsschnitzel aus der Produktion vom Häusl’s Hof oder soll es lieber ein Biokitzfleisch vom Betrieb Wellinger sein? Das Angebot an Fleisch aus tiergerechter Haltung vom Bauern um die Ecke ist groß. Als Dessert passt ein Nachtisch aus frischem Joghurt von Andrea Buttinger.
Zum Essen gehört auch das Trinken. Da bieten sich auf dem Bauernmarkt die Säfte oder Most von Christine Scharsching oder ein Ribiselwein von Gabi Pumberger an. Zum Abschluss ein Likör von Andrea und Rudolf Buttinger oder ein Schnäpschen von Susanne und Josef Ornetsmüller? Und was wäre ein festliches Essen ohne einen schön gedeckten Tisch? Margit Schnötzlinger hat ein Händchen für die Gestaltung von jahreszeitlich passenden Gestecken.

Man muss lernen, sich selbst zu vermarkten

Nicht von Vereinsmitgliedern, aber von Bauern im Umkreis von rund 30 km stammen Öle, getrocknetes Obst, Gewürze, Eiernudeln und Wein. „Saisonal bedingt beziehen wir von unseren Berufskollegen im Innviertel gelegentlich Obst und Gemüse“, sagt Spitzer. Obwohl immer mehr Betriebe in den Ab-Hof-Verkauf einsteigen, bedauert der Vereinsobmann, dass viele Berufskollegen verlernt hätten, sich selbst zu vermarkten. „Wir Bauern müssen wieder mehr hinter unserer Arbeit und dem, was wir täglich produzieren, stehen. Allerdings ist auch ein Markt kein Selbstläufer.“

Ein wichtiges Marketinginstrument sei die Mundpropaganda. Daher erhält jeder Kunde bei seinem Einkauf einen Infozettel zum nächsten Bauernmarkt, außerdem verschickt der Landwirt am Tag vor dem Markt eine Nachricht an die eigens eingerichtete Stammkunden-SMS-Gruppe. „Potenzial an Neukunden hätten wir in der Gemeinde noch genug, aber wir freuen uns, dass viele auch von weiter her zu uns kommen.“

Was die Kunden zum Markt sagen

Elisabeth Hagler (Geiersberg): „Ich komme regelmäßig zum Bauernmarkt in St. Marienkirchen. Meine Familie liebt nicht nur das gute Bauernbrot, sondern auch die Schafmilchprodukte der Familie Spitzer. Mit ihr sind wir schon deshalb sehr verbunden, weil mein zehnjähriger Sohn Florian regelmäßig auf dem Hof mithilft. Er findet die Arbeit im Stall, das Füttern der Tiere und das Traktorfahren einfach toll. Für mich ist es selbstverständlich, unsere heimischen Bauern durch meinen Einkauf zu unterstützen. Weil ich jeden Landwirt persönlich kenne, der seine Produkte auf dem Markt verkauft, weiß ich, dass ich gute Qualität mit nach Hause nehme.“

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Helga Ornetsmüller (St. Marienkirchen): „Wir haben unseren Milchviehbetrieb bereits übergeben. Aber ich weiß, wie viel Arbeit ein Bauernhof macht. Umso mehr Hochachtung habe ich vor jedem Berufskollegen, der eine Direktvermarktung betreibt. Ich komme regelmäßig zum Bauernmarkt, weil ich die regionale Landwirtschaft unterstützen möchte. Ich habe festgestellt, dass es auch für andere Verbraucher immer wichtiger wird, zu wissen, wo ihre Lebensmittel herkommen. Das ist der Weg in die richtige Richtung.“

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Martina Wöllinger (St. Marienkirchen): „Ich halte den Bauernmarkt für eine gute Sache und besuche ihn regelmäßig. Es ist wunderbar, dass hier die Bauern aus unserem Ort ihre Produkte verkaufen. Es gibt doch nichts Schöneres, als zu wissen, woher die Lebensmittel kommen, mit denen ich täglich meine Familie versorge. Außerdem ist es sehr wichtig, dass die Bevölkerung hinter ihren regionalen Landwirten steht. Ich schätze nicht nur die hohe Qualität der Produkte, die auf dem Markt angeboten werden, sondern auch die freundliche Bedienung durch die Bäuerinnen und Bauern.“

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