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Klimawandel

Baumartenwahl wird immer wichtiger

Mischwald_54
Externer Autor
am
25.06.2018

Salzburger Waldverband: Forstwirtschaft mit hoher Wertschöpfung

Rudolf Rosenstatter_35

Der Klimawandel beschäftigt zunehmend auch die hiesigen Waldbauern. Forstexperten melden sich zu Wort und verweisen auf die Baumartenzusammensetzung, die mit der Erderwärmung immer wichtiger wird. Insbesondere die Fichte werde in tieferen Lagen in arge Bedrängnis kommen, heißt es in einem Fachbeitrag des Waldverband-Mitteilungsblattes. Vor allem die Schäden durch den Borkenkäfer dürften drastisch zunehmen, weshalb Forstleute davon ausgehen, dass der Zuwachs je nach Standort um bis zu 50 Prozent sinken kann. Nach jeder Nutzung sollten sich Waldbesitzer daher gut überlegen, welche Baumarten sie auf die Freifläche setzen. Falsch aber wäre es, ab sofort die Baumartenzusammensetzung „radikal zu ändern“. Am wichtigsten seien die Wasserhaushaltsverhältnisse am jeweiligen Standort, weil sie in Zukunft bei sinkenden Niederschlägen entscheidend seien.

Wer vorausschauend denke, der pflanze am besten Baumarten der natürlichen Waldgesellschaften, dazu gehörten Eiche, Rotbuche und Tanne, die mit trockeneren Bedingungen besser zurechtkommen. In jedem Fall sollten Mischbaumarten forciert werden, die dem Klimawandel durch hohes Anpassungsvermögen standhalten.
Auch künftig werde Nadelholz „wichtig für unsere Wirtschaft sein“, deshalb müsse für viele Gebiete der Spruch gelten: So viel Nadelholz wie möglich und so viel Laubholz wie nötig. Insbesondere aber in tieferen Lagen sollte der Nadelholzanteil nicht zu hoch sein, heißt es in der Expertise des Waldverbandes. Allerdings werde sich die Baumartenwahl in Zukunft nicht nur auf heimische Arten beschränken können, wie von Umweltschützern immer wieder gefordert wird.
Im Waldverband Salzburg verweist man darauf, dass die „Wertschöpfungskette Holz“ in Salzburg rund 1,2 Mrd. € Produktionswert pro Jahr erwirtschafte. Die hohe Veredelung des nachwachsenden Roh- und Werkstoffes Holz sei dabei die Basis für eine hohe Exportquote „mit dem Effekt einer hohen inländischen Wertschöpfung“.
In der Salzburger Holz- und Forstwirtschaft seien mehr als 12 000 Beschäftigte in mehr als 1400 Unternehmen tätig, so Geschäftsführer Franz Lanschützer. Den größten Exportanteil in der Wertschöpfungskette erwirtschafte die Säge- und Holzindustrie, wobei 90 Sägewerke über 1,2 Mio. m3 Holz einschneiden und am Standort Salzburg auch Holzwerkstoffe und Zellstoff für den internationalen Markt erzeugen. Insbesondere die zahlreichen Holzbau- und Tischlereibetriebe sorgen für regionale Arbeitsplätze vor allem in den ländlichen Regionen, heißt es.
Große Hoffnungen setzt man beim Waldverband auf die neue Forstministerin Elisabeth Köstinger, mit der man die Zusammenarbeit stärken und gemeinsame Initiativen entwickeln will. Als Herzstück der Zusammenarbeit gilt etwa die Umsetzung der Waldstrategie 2020+ oder die Schaffung von „klimafitten Wäldern“. Für den Bundes- und Salzburger Waldbauernobmann Rudolf Rosenstatter wird dabei auch das Bauen mit Holz eine zentrale Rolle spielen.
Auf einer Linie mit dem Waldverband sei man auch, was die Ausgewogenheit von Eigentumsrechten, der nachhaltigen Nutzung des Waldes sowie seiner anderen Wirkungen hinsichtlich Wohlfahrt, Erholung und Biodiversität betrifft. Ziel der hiesigen Forstpolitik müsse sein, die vielfältigen Ansprüche an den Wald zu „harmonisieren“, wie es heißt.
Hingewiesen wird beim Waldverband aber auch auf stark widersprüchliche Ziele, die es bei der Waldbewirtschaftung gibt. Auf der einen Seite steht der vermehrte Schutz des Waldes, auf der anderen Seite die verstärkte Verwendung von Holz als Werkstoff und Energieträger. Als Kernstück der europäischen Forstpolitik gelte weiterhin die Verabschiedung der Waldkonvention, deren Verhandlungen seit 2016 ins Stocken geraten seien. Hier erhofft sich Waldbauernobmann Rosenstatter unter der Ratspräsidentschaft Österreichs in der zweiten Jahreshälfte neue Impulse.
Stolz ist man beim Waldverband Salzburg auf den forstlichen Nachwuchs, der beim Landesforstwettbewerb 2018 wieder einmal sein Können unter Beweis stellte. Am Ende hatte in der Gruppe unter 20 Jahren Andreas Nussbaumer die Nase vorn, gefolgt von Thomas Altmann und Johannes Bruckmüller. Im Feld der über 20-Jährigen TeilnehmerInnen gewann Bernhard Stadler vor Franz Wintersteller und Florian Holzinger. Für den Wettbewerb stellte der Waldverband Salzburg PEFC-zertifiziertes Holz und Fachpersonal zur Verfügung. Paul Kannamüller
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