Login
Betriebskonzepte

Biolegehennen statt Milchkühe

Bioeier Familie
Gerhard Poschacher
am
12.11.2018

Familie Oberger entschied sich aus Wirtschaftsgründen für eine Umstellung

Oberger_10
Schwarzenbach/NÖ Die Entscheidung war mutig und hat sich gelohnt. Bioeier oder Milchkühe waren die betriebswirtschaftlichen Alternativen auf dem Hof von Michael Oberger (40) in der nur rund 500 Einwohner zählenden Gemeinde Schwarzenbach im niederösterreichischen Pielachtal. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Monika Hafenscher (45) wurde 2015 ein Biolegehennenstall für 6000 Hennen gebaut. Auslöser dafür war der niedrige Milchpreis in den Jahren zuvor und die marktwirtschaftlichen Schwierigkeiten nach dem Ende der EU-Quotenregelung.
20_betrieb_oberger_6

Im Jahre 1996 übernahm Michael Oberger den Betrieb, baute einen Laufstall und zählte mit einer durchschnittlichen Milchleistung von fast 8700 kg bei einer Quote von 412 000 kg (2014) zu den Spitzenbetrieben in der Region. „Den ersten Dämpfer bei der Milch haben wir schon 2008 bekommen“, betont der Betriebsführer, was ihn dazu bewog, dem Arbeitskreis „Unternehmensführung“ der Landwirtschaftskammer Niederösterreich beizutreten.

IMG_9583bearbeitet

Auf 503 m Seehöhe werden in der Buckligen Welt 21 ha Acker-und Grünland und 6,5 ha Wald sowie 39 ha Pachtflächen bewirtschaftet und 2007 auch ein Fernheizwerk errichtet. Neben Legehennen stehen noch 52 Fleckvieh-Zuchtkalbinnen im Stall.

Die ganze Familie hilft zusammen

Oberger_1
Michael Oberger und seine Partnerin Monika Hafenscher haben mit ihrer Patchworkfamily den Entschluss, auf die Produktion von Bioeiern umzustellen, auch deswegen nicht bereut, weil diese Wirtschaftsweise mit weniger körperlichen Anstrengungen verbunden ist. Die Auswertung von Buchführungsergebnissen ergab, dass sich die Milchproduktion nicht mehr rechnete. So wurde die Idee mit den Biolegehennen diskutiert und schließlich umgesetzt.
Nach anfänglicher Skepsis ist Monika Hafenscher über die betriebswirtschaftliche Entscheidung froh und fungiert mit großer Begeisterung neben ihrem Partner Michel Oberger als „Spartenleiterin Geflügel.“ Er ist Betriebsführer, Vater Franz zeichnet für die Zuchtkalbinnen verantwortlich, weil es darum geht, das Grünland vernünftig zu verwerten. Monika Hafenscher, gelernte Apothekenhelferin, ist gerne Bäuerin und arbeitet seit der Geburt der gemeinsamen Tochter Marlene ausschließlich auf dem Betrieb.
Die Investitionskosten für den Stall, der für zwei Herden mit je 3000 Hennen unterteilt ist, betrugen rund 830 000 €. Mit der Vermarktung über „Schlögl-Ei“ ist die Familie zufrieden. Der Deckungsbeitrag beträgt etwa 11 €/Henne/Jahr, sodass der Stall in etwa 20 Jahren abbezahlt wäre.
Die Legehennen haben 6 ha Auslauf und einen überdachten Außenscharrraum. Die Nester liegen auf einem Förderband und sind mit Dinkelspelzen ausgekleidet, für die Hennen jederzeit zugänglich. Auf dem Förderband werden die Eier zur Sammelstelle gebracht, mit der Betriebsnummer bedruckt und zwei Mal pro Woche von „Schlögl Ei“ abgeholt. Unter der Biomarke „Zurück zum Ursprung“ (Hofer) finden die Eier den Weg zum Konsumenten. Michael Oberger und Monika Hafenscher sind optimistisch und gehen davon aus, dass die Nachfrage nach Bioeiern weiter ansteigen wird.

Nervige Kontrollen machen viel Arbeit

Den „Welteitag 2018“ nahm Monika Hafenscher im Rahmen eines Pressegesprächs der Zentralen Arbeitsgemeinschaft österreichischer Geflügelzüchter (ZAG) zum Anlass, um auf die Belastungen durch zahlreiche, unkoordinierte und nervige Kontrollen mit erheblichem zeitlichen Aufwand zu verweisen.
Bis zu sieben Behörden oder Institutionen tummeln sich jedes Jahr auf ihrem Hof. Darunter der Amtstierarzt, die Agrarmarkt Austria, Vermarktungspartner, die Bio-Kontrollstelle und Personen, die über artgerechte Tierhaltung entscheiden. Es gibt keinen Bereich in der Tierhaltung, der besser kontrolliert ist als die Geflügelhaltung.
Lebensmittelsicherheit, Hygiene, Besatzdichte und zahlreiche Bestimmungen in den Bereichen Tiergesundheit auf der Grundlage von EU-Verordnungen sind dafür verantwortlich, weiß Veterinärmediziner Stephan Hintenaus im „ZAG-Journal“ zu berichten.
Neben dem dichten Netz aus amtlichen und privatrechtlichen Kontrollen gewinnt das Thema Eigenmarken und Labels des Lebensmitteleinzelhandels immer mehr an Bedeutung. Biobäuerin Monika Hafenscher wundert sich auch darüber, warum ihr Stall von verschiedenen Organisationen ausgemessen wird, einmal mit und einmal ohne Hühner, und warum sich diese nicht gegenseitig informieren. Für Veterinärmediziner Stephan Hintenaus sind ganz im Sinne der Geflügelwirtschaft Bestrebungen zu unterstützen und Strategien zu finden, um die Kontrollwut einzudämmen und bestehende Bestimmungen zu vereinheitlichen.

Betriebsspiegel

Patchworkfamilie: Michael & Monika, Michael (23), Markus (20), Marlene (10).

Fläche: 21 ha Eigenbesitz Acker/Grünland, 6,5 ha Wald, 39 ha Pacht.

Arbeitskräfte: Oberger Michael (43), Betriebsführer; Hafenscher Monika (48), Legehennenhaltung, Büro; Erna (66) und Franz Oberger (81).

Viehbestand: 6000 Biolegehennen, 45 Fleckvieh Zuchtkalbinnen

Vermarktung: Kalbinnen werden ab Hof an Milchbetriebe verkauft, Biofreilandeier werden von Schlögl-Ei unter der Marke „Hahn im Glück“ vermarktet.

Besonderheiten:Fernheizwerk seit 2007, Umstellung auf Biolandwirtschaft 2015.

Auch interessant