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Beutegreifer

Diskussion um Wolf wird schärfer

Schafe-Tirol_smb
ots
am
29.07.2019

Umweltschützer und LK Österreich liegen nach neuen Rissmeldungen aus Tirol im Clinch.

Wien/Innsbruck Die Diskussion um die Rückkehr von großen Beutegreifern wie Wolf un Bär wird schärfer. Nachdem den jüngsten Wolfsrissen in Salzburg (wir berichteten) hat der WWF Österreich vergangene Woche die dortigen Abschussforderungen durch Agrarlandesrat Josef Schwaiger scharf kritisiert. Die Umweltschutzorganisation sprach von einer „rechtlich höchst zweifelhaften Wildwest-Politik“. Sollte die zuständige Bezirkshauptmannschaft den Entnahmeantrag bewilligen, werde der WWF rechtliche Schritte dagegen prüfen.
Ein Sprecher der Organisation sagte: „Ein Freibrief für Abschüsse auf Basis willkürlich gewählter Risszahlen widerspricht dem EU-Naturschutzrecht Bei streng geschützten Arten wie dem Wolf ist jeweils im Einzelfall zu prüfen, ob nicht gelindere Mittel wie Herdenschutz oder der Einsatz von Hunden zum Ziel führen. Das wurde in Salzburg nicht ernsthaft versucht.“
Zwar müssten die Sorgen der Weidetierhalter ernst genommen werden, aber Herdenschutz mit der Büchse sei der falsche Weg, so der Sprecher. Zum einen fehlten aber DNA-Proben, die die Wolf als Täter zweifelsfrei identifizierten. Zum anderen sei seit den Rissen im Mai nichts getan worden, um den Herdenschutz im Gebet um Großarl wirksam zu verbessern.

Moosbrugger: Wolf und Almvieh geht nicht

Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, sieht hingegen keinen Weg für ein Nebeneinander von Wölfen und Schafen. Er betonte: „Der von manchen Seiten geforderte Herdenschutz ist bei der Kleinstrukturiertheit der heimischen Betriebe und insbesondere bei extremen Standorten der Schafalpung absolut unpraktikabel.“ Das gelte auch für andere große Beutegreifer wie den Bären.
Moosbrugger erklärte, dass Alm- und Weidewirtschaft für ein hohes Maß an Tierwohl, Naturnähe und höchste Qualität der entstehenden Lebensmittel stünden. Auch Tourismus, Freizeitwirtschaft, Volkskultur und Biodiversität profitierten von dieser über Jahrhunderte gewachsenen Landwirtschaftsform und der Offenhaltung der Landschaft. Wenn all das auf Dauer sichergestellt werden solle, müssten auch Entnahmen als zulässige Maßnahme akzeptiert werden. Mittlerweile sei der Wolf in Europa mit über 20 000 Individuen keine bedrohte Art mehr.

Neue Risse durch Wölfe und Bären in Tirol

Am Mittwoch dieser Woche meldete unterdessen das Amt der Tiroler Landesregierung die Ergebnisse mehrerer DNA-Untersuchungen in der Gemeinde Oberpfuss, dem Pitzal und im Außerfern. Demnach seien die vier toten Schafe in Oberpfuss eindeutig von einem Wolf gerissen worden. Noch ausständig seien die Ergebnisse der weiteren DNA-Proben von gerissenen Tieren auf der Inzinger und der Flaurlinger Alm. Diese würden in ein bis zwei Wochen vorliegen.
Bei den drei im Juni gerissenen Schafen im Pitzal sowie dem Rotwildkadaver im Außerfern wurde jeweils ein Bär als Verursacher genetisch nachgewiesen. Ob es sich in beiden Fällen um denselben Bären handelt, sei aus dem Untersuchungsergebnis nicht abzulesen.
Seit den letzten gemeldeten Rissen Mitte letzter Woche habe es aus dem Gebiet zwischen Sellrain und Inntal keine weiteren Schadensmeldungen gegeben. Auch gab es keine konkreten Hinweise auf einen großen Beutegreifer in Form von Aufnahmen aus Wildkameras. Jene Schafe, die kürzlich im Pitztal tot aufgefunden wurden, seien bereits stark verwest. Eine DNA-Analyse sei hier nicht mehr möglich.

Bei der Bezirkshauptmannschaft ging ebenfalls am Mittwoch ein Antrag auf Entnahme von Beutegreifern nach dem Jagdgesetz ein. Klaus Wallnöfer, Vorstand der Abteilung landwirtschaftliches Schulwesen, Jagd und Fischerei, sagte dazu: „Die Behörde agiert hier in einem sehr engen rechtlichen Rahmen mit strengen Prüfmaßstäben, da es sich bei großen Beutegreifern um geschützte Tierarten handelt. Wir werden den Antrag prüfen.“

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