Login
Betriebsentwicklung

Drei Standbeine, eine Erfolgsstory

GeroldWagner_20
Paul Kannamüller
am
04.06.2018

Wie sich Gerold Wagner aus Oberösterreich neuen Herausforderungen stellt.

Gaspoltshofen/OÖ Der Weg zum bäuerlichen Unternehmer vollzog sich bei Gerold Wagner in mehreren Schritten. Es begann damit, dass der ausgebildete Landwirt in den 90er-Jahren zunächst das Bauernhaus umgebaut und einige Jahre später das nicht mehr zeitgemäße Wirtschaftsgebäude weggerissen und neu aufgebaut hat.

GeroldWagner_40

Der etwa 300 Jahre alte Erbhof im oberösterreichischen Gaspoltshofen war früher einmal ein gemischter Betrieb, in dem Milchkühe und Mastschweine standen. Zu dem Voll-erwerbsbetrieb gehören 66 ha Ackerfläche, 4 ha Grünland und 10 ha Wald, was für österreichische Verhältnisse, vor allem im Vergleich zu den westlichen Bundesländern Salzburg, Tirol und Vorarlberg, zu einem eher größeren Anwesen zählt. Inzwischen ist es ein reiner Ackerbaubetrieb, wiewohl Wagner sich noch gut daran erinnern kann, wie er seine Kühe in den Anfangszeiten noch mit der Hand gemolken hat.

Kompostieranlage statt Kühe und Schweine

GeroldWagner_50

Die erste wegweisende Entscheidung als Landwirt hat Gerold Wagner dann Mitte der 90er-Jahre getroffen, als er schweren Herzens die Tierhaltung aufgab, weil die Stallungen nicht mehr zeitgemäß waren und der Landwirtschaftsmeister seine Zukunft eher in anderen Betriebszweigen sah. Beispielsweise im Kompostieren von Grün- und Schnittgut, was er als Dienstleister zunächst für drei Gemeinden erledigte. „Das Geschäftsmodell hat sich so allmählich entwickelt“, sagt Wagner, während er ein großes Hallentor öffnet, hinter dem sich sein stattlicher Fuhrpark offenbart. Praktischerweise wurde gleich nebenan eine Werkstatt eingerichtet, sodass kurze Wege im Falle einer Reparatur gewährleistet sind. Die Technik spielte auf dem Betrieb von Gerold Wagner schon immer eine große Rolle, die Sonnenkollektoren auf dem Dach sind ein Beispiel dafür.

GeroldWagner_30

Was relativ harmlos mit nur ein paar Aufträgen begann, wuchs sich dann im Laufe der Zeit zu einer professionellen Kompostieranlage auf einem großen asphaltierten Platz aus, inklusive Box für das Grüngut und ein Sammelbecken für Sickersäfte. „Am Anfang habe ich den Großteil des Kompostes selber verwendet“, schildert Wagner, „und ein bisserl was ab Hof verkauft“. Stolz ist er jedenfalls darauf, „dass ich meinen Dünger für die Felder selbst produziert habe.“

Allerdings gestaltete sich die Lage seiner Kompostieranlage mitten im Ort als „verzwickt“, was in erster Linie der Geruchsbelästigung geschuldet war, die sich bei einem solchen Geschäftsmodell aber kaum vermeiden lasse. Gaspoltshofen ist eine Gemeinde mit rund 3500 Einwohnern im Bezirk Grieskirchen und überwiegend bäuerlich geprägt. Besonderes Kennzeichen: viel Wald, der gepflegt werden will.

Biomasseheizwerk und Biogasanlage

Als umtriebiger landwirtschaftlicher Unternehmer ist Gerold Wagner immer auf der Suche nach Neuem und schloss eines Tages das Kapitel Kompostierung ab, um sich anderen Herausforderungen zu stellen. So war er anschließend knapp 20 Jahre Obmann und Geschäftsführer eines Biomasseheizwerks, an dem 32 Landwirte beteiligt sind. Wagner spricht von einer Erfolgsstory, weil es seinen Worten zufolge „eines der besten Heizwerke Oberösterreichs ist.“
Versorgt werden derzeit 130 Privatkunden und Firmen, das Leitungsnetz wurde auf mittlerweile 8 km ausgebaut. Die dafür notwendigen Hackschnitzel kommen aus Rest- und Käferholz, wovon auch die Waldpflege profitiere und was auch den Holzpreis stabilisiert.
Wagner betont, dass ihm bei seinen Unternehmungen auch immer der „ökologische Faktor“ wichtig war. Und so kommt er beinahe nahtlos auf die Biogasanlage zu sprechen, die seit 2006 Strom und Wärme liefert, wovon vier Landwirte profitieren. Gefüttert wird die Anlage mit Gülle, Mais, Mist und Reststoffen, was nach Angaben von Landwirtschaftsmeister Wagner ein steter und nachhaltiger Kreislauf sei. „Es ist eine Supersache“, sagt Wagner, „und für die beteiligten Landwirte ein zusätzliches Einkommensstandbein.“
GeroldWagner_10

Die Abwärme aus der Biogasanlage wird ins Bioheizkraftwerk eingespeist, was wiederum sehr gut zur Philosophie des nachhaltigen Wirtschaftens passt. Mit der Biogasanlage gibt es keine Geruchsprobleme, was dem engagierten Landwirt zur Erwähnung wichtig war.

Technik zur Regelung von Reifendruck

Vieles von dem, was Gerold Wagner anpackt, hat mit Technik zu tun, – und so nimmt es auch kaum Wunder, dass auch sein drittes „Standbein“ mit diesem Bereich zu tun hat. Es geht um eine landtechnische „Erfindung“, die vor allem positive Auswirkungen auf die Bodenökologie hat. Ob Schlepper, Häcksler oder Erntemaschinen – sie alle üben einen gewissen Druck auf den Boden aus, was diesem aber überhaupt nicht gut tut, erläutert Wagner. Etwas Linderung verschaffen da Reifendruckregelanlagen, die auf normalen Straßen für höheren, auf dem Feld dagegen für niedrigeren Luftdruck in den Reifen sorgen und damit auch den Boden schonen; besonders auch beim Güllefahren.
„Technik und Ökologie haben mich schon immer interessiert“, sagt der engagierte Landwirtschaftsmeister, der inzwischen seine eigene Firma gegründet hat, um in Zusammenarbeit mit einer norddeutschen Firma solche Reifendruckregelanlagen zu vertreiben. Auf Messen, Ausstellungen und an Landwirtschaftsschulen sei er inzwischen unterwegs, um einschlägige Vorträge über den „passenden“ Reifendruck zu halten. Seine Erfahrungen aus der praktischen Arbeit kämen dabei auch authentisch rüber, was er als Vorteil bei der Umsetzung seines neuen Betriebszweiges sieht.
An einem Objekt in seiner Maschinenhalle gibt Wagner einleuchtende Erklärungen dafür, dass man solche Reifendruckregelanlagen auch nachträglich noch montieren kann. Auf seine Initiative gehe es zurück, dass es dafür in Österreich aus dem Programm für ländliche Entwicklung auch Fördergelder gibt.
Auch interessant