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Ernte 2017

Erdäpfelernte heuer ganz im Zeichen der Trockenheit

Kartoffeljahr
pd
am
01.09.2017

Pölten - Enorm trocken präsentierte sich das heurige Anbaujahr. Ausfälle und geringere Erträge waren die Folge.

Bewässerung war für heimische Erdäpfelbauern heuer der erklärte Schlüsselfaktor. Doch bei nicht einmal 20 Prozent der Erdäpfelflächen ist bewässern möglich. Die Trockenheit führte somit zu großen Ausfällen und geringen Erträgen. Dennoch können Konsumenten auch heuer wieder auf gewohnte Qualitäten zählen, wie Franz Wanzenböck, Obmann der Interessensgemeinschaft Erdäpfelbau, zu berichten weiß: „Natürlich hat sich die Trockenheit auf unsere Erträge ausgewirkt. Viele Bauern mussten schwere Verluste verbuchen. Aufgrund der leichten Flächenausweitung werden wir aber in der Lage sein, den heimischen Markt trotzdem wieder ganzjährig mit unseren ausgezeichneten Erdäpfeln versorgen zu können.“

Sortenvielfalt so groß wie noch nie

Ist man zwar heuer von Höchsterträgen weit entfernt, tut dies der Qualität keinen Abbruch. Vielmehr hat die Witterung einmal mehr vor Augen geführt, dass Handlungsbedarf besteht. Vor allem in den heimischen Züchtungen sehen die Verantwortlichen eine große Chance für die Zukunft. „Es ist wichtig, heimische Sorten zu haben, die standrotangepasst gezüchtet werden. Zum Beispiel hat sich heuer wieder gezeigt, dass Sorten wie die in Meires gezüchtete ‚Ditta‘ mit Trockenheit weit besser zu Recht kommen als Sorten, die aus anderen Ländern mit mehr Niederschlägen und geringeren Temperaturen stammen “, erklärt IGE-Obmannstellvertreter Karl Scharitzer. Große Hoffnungen setzt man hierbei in Österreichs einziger Erdäpfelzuchtstation mit Sitz im Waldviertler Ort Meires. Gegen die landläufige Meinung ist die Sortenvielfalt heutzutage größer als jemals zuvor. Alleine in Österreich sind rund 50 eingetragene Erdäpfelsorten zu verzeichnen.

Bewässerung als Chance gegen den Klimawandel

Ohne Bewässerung sind viele Erdäpfelbestände über den Sommer regelrecht verdurstet. Nicht nur für die Landwirtschaft, sondern auch für die verarbeitende Industrie ist eine kontinuierliche Versorgung mit Erdäpfeln wesentlich. Die Stärkeindustriekartoffeln wachsen überwiegend im Waldviertel. Der Kartoffelstärkemarkt hat sich in letzter Zeit sehr gut entwickelt. Aufgrund der trockenbedingt schlechten Erträge kann jedoch nicht die Menge eingefahren werden, die erwartet wurde. Man rechnet derzeit mit einer Verfügbarkeit von maximal 60-70% der ursprünglich geplanten Menge. „Es ist daher nötig, Ernteversicherungen weiter auszubauen. Im Waldviertel ist Bewässerung derzeit nicht möglich, es muss daher geprüft werden, ob es auch für diese Region künftig Chancen gibt, die Wasserversorgung sicherzustellen“, so Alfred Sturm, Obmann der Österreichischen Stärkekartoffelvereinigung“.

Bei der Chips und Pommesproduktion setzten man bereits vermehrt auf Standorte mit Beregnungsmöglichkeit um die Versorgung sicherzustellen. „In viele traditionelle Erdäpfelanbaugebiete, in denen nicht bewässert werden kann, stellt sich nun aber die Frage, ob die Produktion langfristig Sinn macht, da die Jahre mit extremer Trockenheit zunehmen“, erläutert AMA-Verwaltungsratsvorsitzender Franz-Stefan Hautzinger. Eine Machbarkeitsstudie soll nun klären, ob Bewässerung in Zukunft für so manche Gebiete Entlastung bringen

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