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Österreichischer Milchpifel

Ergebnisoffener Milchdialog

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Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
21.06.2016

Wien - Viel ist nicht herausgekommen beim Milchdialog. Es ist gut, wenn Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter neue Gelder in Aussicht stellt und wenn die Länder sich finanziell einbringen wollen.

Simon Michel-Berger

Wie viel freilich davon bei den Bauern ankommt, steht auf einem anderen Blatt. Die Erleichterungen bei der Sozialversicherung haben Arbeiterkammer und Gewerkschaften schon abgelehnt. Vielleicht setzt sich die ÖVP durch, vielleicht nicht so ganz. Apropos – warum hat der Vizekanzler Zeit, der Nationalmannschaft Glück in Frankreich zu wünschen aber nicht, um den Bauern seine Hilfe zuzusichern?
Aber wo bleibt bei allem Dialog die Besinnung auf das, was Österreich selber tun kann? Die EU ist in der Verantwortung – aber eben auch die Bauern, die Molkereien und der Handel. Gerade die Milchverarbeiter machen es sich leicht und setzen auf eine AMA-Absatzförderung, die sie rettet wie die Kavallerie die Siedler im Western. Warum wird im Strategiepapier des Ministeriums nur in ganz zarten Ansätzen an die Lieferbeziehungen zu den Molkereien gedacht?
Der durchschnittliche Milchpreis in Österreich liegt bei rund 28 Cent je Liter. In Norddeutschland sind es ungefähr 20 Cent. Aber die genossenschaftliche Molkerei Berchtesgadener Land in Bayern hält seit Anfang des Jahres 35 Cent im konventionellen Bereich – und hat, um dies zu schaffen, auch ihre Milchbauern dazu überredet Mengendisziplin zu halten.
Gerade heute muss nachgedacht werden, wie sich die Lieferbeziehungen künftig gestalten lassen und wie die Menge in den Verträgen stärker Einzug halten kann. Es gibt vorsichtige Anzeichen, dass der Milchmarkt sich langsam dreht. Wenn die Preise wieder gut sind, sind alle zu sehr anderweitig beschäftigt, um sich des Themas anzunehmen. Bis die nächste Krise kommt und man sich fragt, warum man nicht früher gehandelt hat.

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