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Berglandwirtschaft

Früher Auftreiben und höhere Tierzahl

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Paul Kannamüller
am
13.05.2019

LK Salzburg rät den Almbauern auf den Klimawandel zu reagieren.

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Salzburg Auch die Almbauern müssten sich dem Klimawandel anpassen und ihre Tiere künftig früher auf die Bergweiden treiben, „weil das Futter früher zu wachsen beginnt“. So könnten die Almen in Salzburg zwei bis drei Wochen früher bestoßen werden als noch vor etwa 20 Jahren, erläutert DI Rudolf Grabner von der LK Salzburg.

Es gebe zwar historisch bedingte Auftriebstermine, aber das Aufrechterhalten von Traditionen sei in diesem Falle nicht hilfreich, so der Agrarexperte. Die um bis zu zwei Grad höheren Durchschnittstemperaturen bewirkten ein früheres Wachstum, auf das die Almbauern auch mit einem früheren Auftrieb reagieren sollten.

Futter am Berg wächst schneller als im Tal

Ein besonderes Merkmal von Almfutter sei, „dass es sehr rasch wächst, wenn es warm wird“. Es wächst nach Angaben von Grabner sogar schneller als das Futter im Tal. Für die Almbauern hieße das, den verfrühten Aufwuchs unbedingt zu nutzen. Almfutter sei zu Beginn des Wachstums nährstoffreich und gut verdaulich. Wird es aber nicht abgefressen, dann werde es hart, rohfaserreich und immer ärmer an Nährstoffen. Ab August hätten die Tiere dann einen Nährstoffmangel, wachsen nicht mehr und müssen verfrüht heimgeholt werden.
Die Klimaveränderung verursache aber nicht nur ein früheres Wachstum, sondern auch, dass generell mehr Futter auf den Almen wächst, weil sich die Vegetationsperiode auf den Almen verlängere. Die Almbauern seien deshalb auch aufgerufen, ihre Tierzahlen anzupassen. Heute würden die meisten Almen mehr Tiere brauchen, stellt Grabner fest, „aber leider geht der Trend in die andere Richtung.“
Die Almexperten der Landwirtschaftskammer raten dazu, den Tieren auf den Almen „gekoppelte“ Weideflächen anzubieten. Damit werde verhindert, dass sich die Tiere Lieblingsplätze heraussuchen und weniger schmackhafte Almwiesen nicht beweidet werden. Bis Ende/Mitte Juli sollten alle Almflächen einmal abgefressen worden sein, so der Ratschlag.

Neue Luftbilder von Almenflächen

Für viele Almen in Österreich werden seit Mitte Jänner neue Luftbilder angefertigt, die Änderungen der Almfutterfläche mit sich bringen können. Betroffene Almbetriebe mit neuen Luftbildern werden von der AMA schriftlich über eine allfällige Referenzänderung informiert. In diesem Schreiben ist ersichtlich, auf welchem Feldstück bzw. welchem Polygon (Schlag) und in welchem Umfang es Abweichungen zur bisherigen Beantragung gibt. Eine aktualisierte Referenzfläche hätte jedoch keine verwaltungstechnischen Folgen und löse damit auch keine Rückforderungen bzw. Sanktionen für vorangegangene Jahre aus, wie es hieß.
Luftbilder seien die Basis für die Beurteilung der Beihilfefähigkeit landwirtschaftlicher Nutzflächen und maßgeblich für die Berechnung von Direktzahlungen, Ausgleichszulage und Alpungsprämie (ÖPUL). Die Aktualisierung der Luftbilder findet in Österreich alle drei Jahre statt. Die AMA ist beauftragt, die Referenzparzellen festzustellen, und muss dabei Änderungen gegenüber älteren Luftbildern einarbeiten. Die Referenzfläche stelle die maximale beihilfefähige Fläche dar. Gab es im Jahr 2018 eine Vor-Ort-Kontrolle, wurde das Ergebnis 1:1 als Referenz für das Jahr 2019 übernommen. Über den eAMA-Zugang können die aktualisierten Hofkarten im Invekos-GIS eingesehen werden. Paul Kannamüller

Almzahlen

In Salzburg wird mit etwa 85 000 ha fast die Hälfte der landwirtschaftlichen Nutzfläche als Almen und Bergmähder genutzt. Jährlich treiben die Bauern rund 88 000 Tiere auf die 1800 Salzburger Almen auf. Der Großteil sind Rinder (66 000), gefolgt von Schafen (18 000), Pferden (2500) und Ziegen (1700).

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