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Urlaub auf dem Bauernhof

Gäste mögen Luxus und Bio

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Patrizia Schallert
am
13.06.2018

Mit Urlaub am Bauernhof konnte der Betrieb im Vollerwerb weitergeführt werden

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Urlaub am Bauernhof auf Sterne-Niveau? Warum nicht? Der Biobetrieb der Familie Rabengruber in Haag am Hausruck bietet seinen großen und kleinen Feriengästen in bäuerlichem Ambiente nahezu alles was das Herz begehrt: Biowohlfühlzimmer und Ferienwohnungen, im Sommer locken ein Naturbadeteich und im Winter eine Sauna und ein Fitnessraum. Auf die kleinen Gäste warten ein großer Kinderspielplatz, ein Heulabyrinth und natürlich viele Tiere zum Streicheln, darunter Ziegen, eine Eseldame, ein Shetlandpony und Katzen. Wenn dann morgens die Kalbinnen muhen und der Hahn kräht, wird sich jeder Feriengast bewusst: Ich mache Urlaub auf einem Bauernhof.

Höchster Standard und großes Angebot

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Für sein Rundumpakt und seinen hohen Standard wurde der „Ölerhof“ vom Verein „Urlaub am Bauernhof“ (UaB) mit vier Blumen bewertet. UaB wird immer mehr zu einem Bindeglied zwischen Landwirtschaft und Tourismus und trägt für viele, meist kleinstrukturierte Höfe zur Existenzsicherung bei. Nirgendwo sonst können Erholungssuchende so intensiv am Leben der bäuerlichen Familien teilnehmen und ihre Leistungen für das Allgemeinwohl schätzen lernen. Auch die wirtschaftliche Bedeutung der UaB-Betriebe für die Region ist nicht von der Hand zu weisen. Als Mitglied von „Urlaub am Bauernhof“ ist der Ölerhof qualitätsgeprüft, die standardisierten Vorgaben für die Vier-Blumen-Bewertung werden regelmäßig kontrolliert.

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Die Altbauern Karoline und Ludwig Rabengruber hatten ihr Augenmerk stets auf die Betriebsschwerpunkte Rinderhaltung und Ackerbau gelegt. Nach dem EU-Beitritt Österreichs suchte das Landwirtepaar nach einer zusätzlichen Einkommensquelle, damit der Betrieb weiterhin im Vollerwerb geführt werden konnte. Das Konzept „Urlaub am Bauernhof“ sprach sie am meisten an, aber sie wollten nichts überstürzen und starteten deshalb vor 25 Jahren erst einmal mit einer einzigen Ferienwohnung. Bestärkt durch die große Nachfrage der Urlauber investierten die Rabengrubers schließlich in den Ausbau des alten „Troadkastens“ und erweiterten das Angebot auf 15 Gästebetten.

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Als Klaus Rabengruber vor sieben Jahren gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Bettina Voraberger den elterlichen Betrieb übernommen hatte, traf der heute 38-Jährige eine mutige Entscheidung. Er hängte seinen Job als Rettungssanitäter an den Nagel und erweiterte das Urlaubsangebot um neue Ferienzimmer und -wohnungen auf insgesamt 30 Betten. Unterstützt wird das Betriebsführerpaar immer noch tatkräftig von Klaus Rabengrubers Eltern. Der Jungbauer möchte der bäuerlichen Urproduktion ein größeres Augenmerk schenken, was jedoch arbeitstechnisch und zeitlich derzeit nicht möglich ist. „Ideen habe ich so einige im Kopf. Mal sehen, wie und wann sie sich verwirklichen lassen.“

Kollegen ermutigten zur Umstellung auf Bio

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Seit 2016 ist der Betrieb dem Verband Bio Austria angeschlossen. Gründe dafür hatte der Betriebsführer viele. „Mut gemacht haben mir vor allem zwei benachbarte Berufskollegen, die seit Jahren ökologisch wirtschaften“, blickt Rabengruber auf den wohlüberlegten Schritt zurück. Für ihn seien die beiden Landwirte schon immer ein großes Vorbild. „Außerdem wollte ich die Abhängigkeit vom Düngerzukauf auf meinem Betrieb beenden.“ Motiviert für die Umstellung auf Bio haben den landwirtschaftlichen Facharbeiter auch seine seit Jahren erfolgreichen Versuche in der mechanischen Beikrautregulierung.

Nicht unerheblich beteiligt an der Entscheidung seien aber auch die UaB-Gäste gewesen. Ihr Interesse an Rabengrubers Außenwirtschaft und Tierhaltung sei groß gewesen, noch größer war dann die Verwunderung über die nicht biologische Wirtschaftsweise. „Das hat uns sehr nachdenklich gemacht. Ich selbst war ja nie ein Biofanatiker, aber mit gewissen Methoden der konventionellen Landwirtschaft wie dem Abreifeschutz hatte ich schon immer ein Problem.“ Heute ist der Betriebsführer zufrieden und glücklich über die Umstellung auf den ökologischen Landbau und hat sie noch keine Minute bereut.

Rindermast auf Stroh und gute Vermarktung

Die Neuausrichtung auf Bio machte einige Veränderungen auf dem Hof notwendig. So wich die Haltung von 30 Maststieren im Boxenlaufstall auf Vollspalten der Einstellung von 15 Fleckvieh-Mastkalbinnen auf Stroh mit einer befestigten, eingestreuten Auslauffläche. Nach Erreichen des Schlachtgewichts werden die Tiere über Bio Austria oder die Österreichische Rinderbörse abgesetzt. Neben den freilaufenden Legehennen, die täglich für die Eier am Frühstücksbüffet der Gäste sorgen, tummeln sich zwei Ziegen, eine Eselin und ein Shetlandpony auf dem Hof – sehr zur Freude der Kinder, die hier mit ihren Eltern den Urlaub genießen. Das Streicheln der Tiere ist für sie eine willkommene Abwechslung zum großzügigen Spielplatz mit Kletter-, Rutsch- und Schaukelmöglichkeiten.
Auf 30 ha Ackerfläche werden Triticale, Hafer, Gerste, Weizen und Ackerbohnen angebaut, Kleegras und Gräser vermehrt. „Hier ist die Nachfrage sehr gut, aber die Unkrautbekämpfung auf den Vermehrungsflächen ist eine große Herausforderung“, stellt Rabenbauer fest. Das Getreide wird an eine regionale Biomühle verkauft. Mit seinen zahlreichen Blühflächen schafft der Biobetrieb nicht nur eine Blumenpflückmöglichkeit für die Urlaubsgäste, sondern leistet auch einen Beitrag für den Erhalt der Insektenvielfalt. Außerdem bieten die Blühstreifen am Feldrand einen Lebensraum für zahlreiche Wildtiere. Die bunte Farbenpracht liefert Nektar für Insekten, die Samen sind Nahrung für die Vögel. „Das Summen der Bienen und Herumflattern der Schmetterlinge sind eine Bereicherung für die Urlauber, schön anzuschauen und geben uns das Gefühl, zum Naturschutz beizutragen.“

Moderne Räume für Firmenseminare

Ein weiteres Standbein des Ölerhofs ist die Vermietung von zwei 50 m² und 80 m² großen Seminarräumen mit allem, was an modernem Equipment nötig ist. Durch den Bauernhof als Tagungsort ist der Betrieb dem Trend „Zurück zur Natur“ erfolgreich nachgekommen. Die Firmen möchten mit ihren Schulungen zunehmend „raus auf’s Land“, hat Rabenbauer festgestellt. „Hier lässt sich besser als in der Stadt mit Outdoor-Aktivitäten ein willkommener Ausgleich für die Tagungsteilnehmer schaffen.“ Auf Wunsch wird den Tagungsteilnehmern neben gesunden Pausensnacks, kalten und warmen Getränken auch ein Mittag- oder Abendessen angeboten, das meist von einem Catering geliefert wird.
Als Ökobetrieb ist der Ölerhof natürlich bestrebt, den Gästen auch biologische Lebensmittel anzubieten. „Wegen der großen Vielfalt unseres Frühstücksbuffets ist das aufgrund fehlender Lieferanten jedoch nicht komplett umsetzbar“, erklärt der Betriebsführer. Als Alternative setzt er deshalb auf regionale Produkte. „Ich halte es für besser, den Konsum heimischer Lebensmittel anzukurbeln, auch wenn sie konventionell produziert wurden, anstatt Bioprodukte aus dem Ausland zu beziehen. Weite Transportwege hinterlassen einen ökologischen Fußabdruck, der nicht zu unterschätzen ist.“

Kombination von Bio und UaB bewährt sich

Als Mitgliedsbetrieb von Bio Austria und „Urlaub am Bauernhof“ ergeben sich für den Ölerhof viele Vorteile in der Vermarktung. Mit den jährlich 4000 bis 5000 Nächtigungen in ihren 30 Betten sind die Rabengrubers sehr zufrieden. Vor allem Firmen bringen ihre Geschäftsreisenden gerne auf dem Ölerhof unter. „Trotz der guten Buchungszahlen darf man sich nicht ausruhen“, sagt Bettina Voraberger, die ihren Beruf als Kindergärtnerin aufgegeben hat, um sich voll in den gemeinsamen Betrieb einzubringen. Die modernen Zimmer und Appartements seien immer zuerst ausgebucht, wobei der Preis offenbar keine Rolle spiele. Weil die Ansprüche der Urlauber immer größer werden, hat das Landwirtepaar die Renovierung der älteren Zimmer in den Blick genommen. „Wer sich den Trends und Anforderungen im Beherbergungsgewerbe verschließt, bleibt auf der Strecke.“

Betriebsspiegel

Familie: Klaus (38), Bettina (32), Ludwig (74), Karoline (65).

Fremdarbeitskräfte: Für die Beherbergung Teilzeitarbeitskräfte

Flächen: 10 ha Grünland, 30 ha Ackerfläche mit Hafer, Gerste, Weizen, Triticale, Ackerbohnen, Saatgutvermehrung von Rotklee bis Grassamen, 7 ha Wald.

Tiere: 15 Fleckvieh-Mastkalbinnen auf Stroh, 2 Ziegen, 2 Minischweine, 1 Shetlandpony, 1 Eselin, einige Hühner und viele Katzen.

Besonderheiten: Mit vier Blumen ausgezeichneter Urlaub am Biobauernhof-Betrieb, zwei Seminarräume, die vielfach von bäuerlichen Organisationen angemietet werden.

Betriebsspiegel

Familie: Klaus (38), Bettina (32), Ludwig (74), Karoline (65).

Fremdarbeitskräfte: Für die Beherbergung Teilzeitarbeitskräfte

Flächen: 10 ha Grünland, 30 ha Ackerfläche mit Hafer, Gerste, Weizen, Triticale, Ackerbohnen, Saatgutvermehrung von Rotklee bis Grassamen, 7 ha Wald.

Tiere: 15 Fleckvieh-Mastkalbinnen auf Stroh, 2 Ziegen, 2 Minischweine, 1 Shetlandpony, 1 Eselin, einige Hühner und viele Katzen.

Besonderheiten: Mit vier Blumen ausgezeichneter Urlaub am Biobauernhof-Betrieb, zwei Seminarräume, die vielfach von bäuerlichen Organisationen angemietet werden.

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