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Direktvermarktung

Ganz auf Mohn spezialisiert

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Walter Neugebauer
am
09.08.2018

Vielfältige Vermarktung und ständige Werbung sind die Basis für den Erfolg

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Margarete und Andreas Gressl haben sich ganz dem Mohn verschrieben: Sie bauen ihn an, verarbeiten ihn auf ihrem Betrieb und vermarkten ihn in vielfältiger Form ab Hofladen und über ihren Onlineshop. Durch geschickte Werbung machen sie immer wieder auf sich aufmerksam. So kommen zahlreiche Besucher zur Betriebsbesichtigung und zum Einkaufen.

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Zur Mohnblüte Anfang Juli zieht der Mohnhof der Familie Gressl besonders viele Besucher an. Immer wieder sieht man Leute, die fotografieren oder einfach nur bewundernd über die Blütenpracht hinweg auf den Hof schauen. Der alte Erbeinöd, wie man ihn hier im Waldviertel nennt, liegt inmitten seiner Felder in Ottenschlag-Haiden im Bezirk Zwettl in Niederösterreich.

Tonnenweise Mohn zum Verarbeiten

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Andreas Gressl bewirtschaftet 31 ha. Auf gut einem Drittel davon (13 ha) baut er jährlich Mohn an. Weitere Feldfrüchte sind Hafer und Roggen sowie Heu von einer Wiese, das er verkauft. Zusätzlich hat er Anbauverträge mit Mohnbauern in der Umgebung. Bei durchschnittlich 800 bis 1000 kg/ha ist das eine erhebliche Menge, die von der Familie Gressl verarbeitet und vermarket wird. Alles morphinarme Sorten, streng nach der österreichischen Sortenliste. Hauptsorte ist der Graumohn, daneben Weiß- und Blaumohn. Auf der Webseite www.mohnhof.at informiert der Betrieb über die besonderen Eigenschaften und Verwendungsmöglichkeiten.
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Der Mohn wird bei 8 % Feuchte (wie Raps) mit umgebauten Mähdreschern geerntet, auf dem Hof grob gereinigt und in Bigbags oder Holzkisten gelagert. „Hat er noch einen höheren Feuchtegehalt, dann müssen wir ihn trocknen“, sagt Gressl. „Das mache ich aber nicht gern und nur im Notfall, denn das gibt Qualitätsstufe zwei, weil das Samenkorn schrumpft und das schöne Aroma verloren geht. Es geht nichts über die Ausreife auf dem Feld.“

Mohneis als beliebte Spezialität

Die Feinreinigung erfolgt kurz vor der Verarbeitung, also dem Pressen zu Öl, dem Quetschen oder dem Verkauf der Körner in Viertel-, Halb- und Kilopackungen. „Den gequetschten Mohn, bei dem das Aroma gut herauskommt, liefern wir in Verschlusssackerln an Verbraucher, Gastro- und Bäckereibetriebe sowie Eishersteller. Mohneis ist bei uns eine beliebte Spezialität“, sagt Gressl und weist darauf hin, dass der gequetschte Mohn innerhalb von drei Tagen verarbeitet werden muss. Etwa 50 % der gesamten Mohnernte wird auf dem Betrieb zu Mohnöl gepresst und in Flaschen abgefüllt. Eine besondere Spezialität der Familie Grassl ist Mohnpesto. Ebenso gern gekauft werden Mohnzelten, die am Hof gebacken werden.

Vielfältige Wege der Vermarktung

Die Vermarktung des Mohns ist gut verteilt: Ein Drittel wird ab Hof an viele Einzelkunden oder an Busgruppen verkauft, die jährlich in über 150 Bussen anreisen. Ein Drittel geht an Wiederverkäufer wie Feinkostgeschäfte oder Museumsläden wie den von Franz Höfer in den Kloster-Schul-Werkstätten Schönbach (20 km westlich von Ottenschlag). Und ein Drittel wird an Supermärkte wie Spar geliefert. Der Internet-Verkauf über den Onlineshop nehme ständig zu, auch nach Deutschland, informiert Gressl. Seit drei Jahren schickt Andreas Gressl seine Erzeugnisse nach Bayern zum Bauernmarkt beim Möbelhaus Biller (zwischen Moosburg und Landshut/Ndb,), wenn dort der Europäische Bauernmarkt abgehalten wird. Sein Waldviertler Kollege Franz Höfer, Leiter der Kloster-Schul-Werkstätten Schönbach, der dort eigene Weidenkörbe und Seifen verkauft, nimmt sie mit. Höfer bleibt von Freitag bis Sonntag dort und legt 700 km zurück. Ein enormer Aufwand.

Lohnt sich das? „Durchaus, wenn ich nicht selbst hinfahren muss“, sagt Gressl, „denn dort werden meine Produkte mit verkauft und es wird für mich geworben. Meine Prospekte werden verteilt und Spezialitäten wie Mohnnudeln und Mohnzelten angeboten. Das kommt gut an. Die eine oder andere Besuchergruppe kommt dann auch zu uns oder bestellt in unserem Onlineshop.“
Auf den Europäischen Bauernmarkt in Plauen/Vogtland (Sachsen) fährt er selbst. Mohn und Mohnöle seien dort sehr gefragt. Er habe festgestellt, dass die Ostdeutschen mit Mohn mehr anfangen können, denn dort sei früher viel Mohn angebaut worden. Auch auf dem Bauernmarkt in Helmstadt/Niedersachsen sei er schon gewesen und auch auf der Grünen Woche in Berlin.

Film im Mohnmuseum und dann Verkostung

„Werbung ist für uns sehr wichtig“, sagt Andreas Gressl, „auch die besten Produkte verkaufen sich nicht von allein. Darauf haben wir uns eingestellt.“ Das zeigt das Erscheinungsbild des Einzelhofes inmitten der Mohnfelder und die moderne Homepage, die mit einladenden Farbbildern illustriert ist und neben den Produkten auch viele Rezepte liefert. Zum Beispiel, wie man Mohnnudeln oder die Waldviertler Zelten zubereitet.
Auch wie die Familie Gressl ihren Betrieb den Besuchern vorstellt, spricht für sich. Kommt zum Beispiel einer der zahlreichen Busse, dann erzählt Andreas Gressl den Besuchern im Mohnmuseum im ersten Stock, wie das bei ihm so läuft: Dass er und seine Frau Margarete im Betrieb arbeiten und auch seine Mutter Hermine und sein Sohn Bernhard mithelfen, wo sie können. Seine Töchter Barbara und Theresa packen ebenfalls zu, wenn sie neben ihrer beruflichen Tätigkeit Zeit haben. Daneben sind drei Frauen als Aushilfskräfte sowie eine Praktikantin beschäftigt. Und dass er etwa 90 Prozent der Feldarbeit selbst macht.
Dann zeigt ein Film, wie Mohn angebaut, geerntet und verarbeitet wird. Wie Mohnöl gewonnen und verwendet wird. Hier im Mohnmuseum finden die Besucher auch alte Arbeitsgeräte der Mohnbauern, viele Hinweise auf die Geschichte des Mohnanbaus im Waldviertel und schließlich eine Sammlung von über 900 alten Mohnmühlen. Da lacht das Herz jeder Hausfrau über 70, die die Geräte noch aus der Praxis kennt. Kinder sind begeistert von einer begehbaren Mohnkapsel.
Nach der Verkostung der Mohnöle, Mohnzelten und Mohnschokoladen im Mohnshop im Erdgeschoss können die Besucher einkaufen. Die Auswahl ist groß. Leider können sie aber nicht zusehen, wie im Keller der Mohn gepresst, wie das Öl gewonnen und in Flaschen gefüllt wird und diese etikettiert werden. Hier wird auch der Mohn gequetscht und verpackt. Und leider können sie auch nicht zuschauen, wenn Sabine Dornhackl und Sarah Fichtinger Mohnzelten formen und backen. Goldbraun und duftend, zum Reinbeißen.

Mohn-Wissen

Im Waldviertel wurden 2018 rund 1200 ha Mohn angebaut, in Österreich insgesamt etwa 2000 ha.

Das erste österreichische Mohnmuseum der Familie Gressl ist immer einen Ausflug wert.

Mohnzuzler: Etwas Mohnkörner oder gequetschten Mohn in einen Lappen geknotet, hat man früher als eine Art Schnuller den Kleinkindern „zur Beruhigung“ gegeben. Besucher kommen da immer wieder darauf zu sprechen. Andreas Gressl erzählt, dass früher Romafamilien zu diesem Zweck grünen Mohn genommen hätten, in dem mehr Morphin enthalten war. Und deshalb habe man zu jemandem, der nicht so hell auf der Platte war, gesagt: „Du hast etwas zu viel Mohnzuzler erwischt.“

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