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Borkenkäfer

Die Gefahr lauert unter der Rinde

Beseitigung von Schadholz ist wichtig bei Borkenkäferbefall.
Paul Kannamüller
am
17.08.2017

Innsbruck - Wie man Borkenkäferbefall erkennt und sich daraufhin verhalten sollte. Weiter ein Holzmarktbericht.

Bei Borkenkäferbefall schnell handeln.

Der Borkenkäfer sorgt derzeit beiderseits der bayerisch-tirolerischen Grenze für ein unfreiwilliges „Beschäftigungsprogramm“. Jedenfalls spricht man von einem arbeitsreichen Sommer, der auch bei Tiroler Sägewerken für Mehrarbeit sorgt. Denn große Mengen des Käferholzes würden nun auch über die Grenze geliefert und in Tirol verarbeitet. Die derzeitige Entwicklungsgeschwindigkeit des Buchdruckers sei eine der höchsten der vergangenen zehn Jahre, heißt es aus der Tiroler Landwirtschaftskammer. Das regional sehr ausgeprägte Niederschlagsdefizit in Kombination mit geringer Winterfeuchtigkeit habe die Borkenkäferanfälligkeit der Bestände deutlich erhöht, heißt es. Eine kontinuierliche Kontrolle sowie rasche  Aufarbeitung von frisch befallenen Bäumen wird deshalb dringend empfohlen.

 

Bohrmehl am Stammfuß als Indiz

Als ein Indiz für einen Borkenkäferbefall gilt oftmals Bohrmehl, das sich am Stammfuß der betroffenen Bäume befindet. Bleibt die Witterung wie vorhergesagt warm und trocken, dann ist nach Angaben der Experten bereits in diesen Augusttagen mit dem Ausflug der zweiten Generation zu rechnen. Durch die zeitlich ausgedehnte erste Schwärmwelle überlagerten sich im heurigen Jahr die Schwärmflüge der Folgegenerationen und Geschwisterbruten und ließen sich daher zeitlich nicht mehr auseinanderhalten. Das bedeutet, dass aktuell ein hoher Befallsdruck besteht und nahezu permanent mit frischem Stehendbefall zu rechnen sei.
Die Entwicklungssituation beim Kupferstecher sei im heurigen Jahr mit der des Buchdruckers nahezu analog. Nun gelte es, frisch befallene Bäume zu erkennen und rasch zu entfernen.
Die Trockenheit des heurigen Jahres habe den Borkenkäferbestand nach Angaben der Landwirtschaftskammer „dramatisch“ anwachsen lassen. Für Waldbewirtschafter gehe es nun um Schadensbegrenzung, wie Forstexperte Karl Schuster erklärt. Am gefährlichsten seien zwar die Fichtenborkenkäfer, Buchdrucker und Kupferstecher. Es könnten jedoch auch andere Baumarten wie beispielsweise Kiefer oder Tanne mit anderen Borkenkäferarten betroffen sein. Die Schäden seien insofern leicht erkennbar, weil sich die Kronen zu verfärben beginnen. Diese und die angrenzenden Bäume seien umgehend aus dem Wald zu entfernen. Geschieht dies nicht, wird der Schaden in einigen Wochen „um vieles höher sein und die damit verbundene Arbeit ebenso“. Es wird daher dringend empfohlen, den Wald nach gefährdeten Bäumen zu durchforschen und diese umgehend aus dem Wald zu bringen. Zurzeit verschicke die Behörde viele Aufarbeitungsbescheide; den Weisungen und Empfehlungen der Behörde sei umgehend Folge zu leisten und befallene Stämme auf nachbarlichen Flächen bei Untätigkeit des Besitzers der Behörde anzuzeigen.

Untätigkeit gefährdet gute Nachbarschaft

Bei Borkenkäferbefall schnell handeln.

Sollte aufgrund der landwirtschaftlichen Ernte zu wenig Zeit für „diese wichtige Waldarbeit“ sein, könne man Bekannte, Verwandte und Nachbarn um Hilfe bitten oder Unternehmer damit beauftragen. Untätigkeit bei „dieser ernsten Lage“ gefährde nicht nur Nachbarwälder, sondern auch gute Nachbarschaftsbeziehungen. Notfalls könnten die Behörden die Aufarbeitung auch in Auftrag geben und dann die Kosten in Rechnung stellen, heißt es.
Auch frisch geschlägertes Holz sowie Hackholz müsse umgehend aus dem Wald gebracht und mindestens 500 m vom Waldrand entfernt gelagert werden, da 80 bis 90 Prozent der Borkenkäfer nicht weiter fliegen. Kann man das Holzlager nicht entfernen, wird eine Entrindung einzelner Stämme oder eine Behandlung mit Insektiziden empfohlen oder man deckt sie mit Insektizidnetzen (Storanet) ab.
Hackholzhaufen aus der Winternutzung seien jetzt zwar nicht mehr fängisch, sollten aber generell nicht am Waldrand gelagert werden. Nur durch diese gezielten Maßnahmen könne ein großes Schadensjahr verhindert werden, heißt es aus der Landwirtschaftskammer. Für Fragen stünden auch Forstberater der Bezirksbauernkammern zur Verfügung.
Indessen weist das Bundesforschungszentrum für Wald darauf hin, dass dem Ausmaß des Klimawandels vor allem durch eine nachhaltige Waldbewirtschaftung begegnet werden könne. Die Baumartenauswahl spiele in Zukunft eine wesentliche Rolle für die Anpassungsfähigkeit des Bestandes. Mit der Erhöhung der Temperaturen könnten sich aber auch die Wechselbeziehungen von Bäumen und Schadorganismen verändern.
Vom Trockenstress der Bäume könnte natürlich besonders auch der Borkenkäfer profitieren sowie auch neue Schadorganismen auftreten, die durch das geänderte Klima einwandern und sich etablieren. Waldbesitzer werden daher aufgerufen, neue Befallsmuster oder neu auftretende Schädlinge zu melden.
Da man von einer weiteren positiven Wirtschaftsentwicklung im Euro-Raum ausgeht, sieht die österreichische Sägeindustrie nach wie vor gute Absatzmöglichkeiten auf den Schnittholzmärkten. Infolgedessen sei die Nachfrage nach frischem Nadelsägerundholz bei unterschiedlicher Bevorratung rege, heißt es.
Fallweise könne es sogar zu Engpässen bei Rundholzfrächtern kommen. Grundsätzlich jedoch würden bereitgestellte Sortimente rasch abgeführt und zügig übernommen. Dies gilt derzeit auch für angefallenes Schadholz, verursacht durch Unwetter oder Käferholz. Kaum Bewegung sei derzeit am Energieholzmarkt zu verzeichnen.
Derzeit herrscht jahreszeitlich bedingt laut Marktexperten  wenig Dynamik.

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