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Direktvermarktung

Ein Herz für Direktvermarktung

Familie Poeltl
Patrizia Schallert
am
15.01.2018

Schweine, Saft und Schokolade: Familie Pöltl produziert eine Vielfalt an Lebensmitteln. Beim Verkauf steht Direktvermarktung hoch im Kurs.

Pöltl

Um die Wertschöpfung ihres Betriebs zu erhöhen, setzen viele kleinere Bauernhöfe auf die Direktvermarktung. So auch Familie Pöltl aus Schönau im steirischen Pöllauer Tal. Aber sie ist noch einen Schritt weiter gegangen und hat vor 23 Jahren gemeinsam mit anderen Landwirten in der Marktgemeinde Pöllau einen Bauernladen eröffnet (siehe Wochenblatt 47/2017). „Dort können wir unsere Produkte optimal anbieten, einen noch größeren Kundenkreis ansprechen und die Verbraucher für regionale Lebensmittel aus unseren bäuerlichen Familienbetrieben gewinnen“, sagt Alois Pöltl.
Seinen Betrieb hat Pöltl zwar bereits an seine Tochter Andrea übergeben, aber das hält ihn nicht davon ab, sich bei der Hofarbeit und für den Bauernladen zu engagieren. Als „Gutes vom Bauernhof-Gütesiegel“-Betrieb legt Familie Pöltl großen Wert auf die Erzeugung von Qualitätsprodukten. Der Erfolg zeigt sich in den zahlreichen Auszeichnungen, die sie bei den Steirischen Landesverkostungen oder den Alpe-Adria-Verkostungen erhalten hat. „Gefreut haben wir uns über jede einzelne Medaille und Auszeichnung“, sagt der landwirtschaftliche Facharbeiter. „Aber die bedeutendste Prämierung war der Landessieg in der Kategorie Kernobst mit dem Hirschbirnenbrand, der aus unserem Leitprodukt, der Pöllauer Hirschbirne, erzeugt wird“, blickt er zurück.
Auch wenn ihr Hof kein Biobetrieb ist, versucht die Familie so naturnah und nachhaltig wie möglich zu wirtschaften. „Eine Umstellung auf den ökologischen Landbau ist durch die Lage unseres Betriebs mit seiner kleinen Schweinemast im Ortskern von Schönau kaum machbar“, erklärt Pöltl.

 

Eigene Energie

schweinestall

Einen großen Beitrag zum Klimaschutz leistet der energieautarke Betrieb mit seinen zwei Photovoltaikanlagen, die vor sieben Jahren installiert wurden. Sie produzieren jährlich insgesamt 18 000 kW/h Strom. Aus einer der beiden Anlagen wird der Strom direkt in das Netz der „Energie Steiermark“ eingespeist. „Mit 27 Cent je Kilowattstunde wird uns ein guter Preis vergütet“, erklärt Pöltl. Die zweite Anlage dient dem Eigenbedarf. Der Reststrom wird abgeliefert, allerdings zu einem Preis von nur 12 ct/kWh.
Als Alois Pöltl den elterlichen Betrieb vor 30 Jahren übernommen hatte, war der Hof auf Milchwirtschaft und eine kleine Schweinezucht mit Mast ausgerichtet. Die Ernte aus den hofeigenen Obstbäumen deckte lange Zeit nur den Bedarf der Familie.
Heute stehen im eingestreuten Stall lediglich noch rund 20 Mastschweine, denen eine hofeigene Mischung vorwiegend aus Gerste und Mais vorgelegt wird. Die Ferkel bezieht die Familie von einem Berufskollegen aus der Nachbarschaft.
Die Schlachtung erfolgt auf einem kleinen Betrieb, der nur drei Minuten vom Pöltl-Hof entfernt liegt. „Der kurze Transportweg bedeutet weniger Stress für die Tiere und das ist uns sehr wichtig“, betont der 65-jährige Landwirt. „Die Reifung des Fleisches und seine Veredelung zu Selchfleisch, Wurstwaren und Aufstrichen erfolgt auf unserem Betrieb.“ Zum Pöltl-Hof gehören 6,5 ha Acker- und 3 ha Grünland, davon sind 1,8 ha als Streuobstfläche ausgewiesen.
Dort stehen rund 50 Apfel- und Birnbäume. Außerdem hat die Familie einige Nutzungsvereinbarungen für Obstbäume, vor allem Hirschbirnenbäume von anderen Besitzern.

 

Handverlesenes Obst

Von den Apfelbäumen werden überwiegend der Steirische Maschanzker,
Bohnapfel, Kronprinz und der Ilzer Rosenapfel geerntet. „Das Obst sammeln wir händisch und verarbeiten es zu Säften, Most und Essig. Aus den Hirschbirnen stellen wir auch Gelee her, Obstschaumwein, Cider und Schokolade lassen wir extern produzieren.“ Je nach Apfel- oder Birnensorte brennt die Familie reinsortige Edelbrände in Abfindung.
Auf den Ackerflächen werden Mais und Gerste für die Schweinemast angebaut. Der Roggen dient für die Brotproduktion und die Kürbisse zur Herstellung von Kürbiskernöl. „Für eine gute Fruchtfolge bauen wir Alternativfrüchte wie Hanf, Leindotter oder Lupinen an“, erklärt Pöltl. Der Waldbesitz mit einer Fläche von 7,6 ha wird aufgrund des steilen und felsigen Geländes ausschließlich zur Gewinnung von Energieholz für die eigene Hackgutheizung genutzt.

Vier Blumen

Familie Poeltl

1992 kam es auf dem Pöltl-Hof zur ersten großen Veränderung. Die Familie richtete im Dachgeschoss ihres Bauernhauses zwei jeweils 80 m² große Ferienwohnungen ein. Die Urlauber aus dem Wiener Raum, aus Deutschland oder Ungarn schätzen nicht nur den Komfort in den mit vier Blumen ausgezeichneten Ferienwohnungen, sondern auch ihre Nähe zum Stubenbergsee, zur steirischen Thermenregion und die vielfältigen Wandermöglichkeiten im Naturpark Pöllauer Tal. Dorthin begleitet „Bauer Luis“ als Naturparkführer die Hausgäste auf Anfrage auf verschiedenen Touren. Als Mitglied des Vereins „Urlaub am Bauernhof“ wird der Betrieb alle vier Jahre nach standardisierten Vorgaben in den Bereichen Bauernhof-, Ausstattung- und Servicequalität überprüft, erklärt Pöltls Ehefrau Waltraud. Für die Vermietung hat sie eigens den „Zertifikatslehrgang Urlaub am Bauernhof“ absolviert. In der Steiermark ist der Besuch dieses Lehrgangs zwar nicht verpflichtend, um Mitglied beim Verein zu werden. Allerdings müssen bei den Qualitätskontrollen Fort- und Weiterbildungen nachgewiesen werden.
Ein Eckpfeiler in der Betriebsentwicklung war 1994 der Einstieg in die Direktvermarktung. „Mit kreativen Ideen für qualitativ hochwertige Produkte wollen wir den Bestand unserer kleinen Landwirtschaft sichern“, sagt Pöltl. „Die Qualität erreichen wir nur durch das Arbeiten im Einklang mit der Natur. Dabei liegt uns vor allem der Erhalt der Streuobstwiesen am Herzen. Besonders die Hirschbirne hat eine jahrhundertelange Tradition in unserem Tal.“
Pöltl bedauert, dass die Bürokratie in allen Bereichen der Landwirtschaft „ins Unermessliche gestiegen ist, fast verbringe ich mehr Zeit im Büro als auf dem Acker“. So seien viele Gesetze und Verordnungen an Schreibtischen anstatt in der Praxis entstanden, deshalb sei die Umsetzung meist schwierig und mühsam. Neben der Belieferung des „Pöllauer Bauernladens“ und einiger „Bauern­ecken“ – beispielsweise im örtlichen Lagerhaus – verkauft die Familie ihre Produkte auch ab Hof oder versendet sie österreich- und deutschlandweit.

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