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Betriebsführung

Heuer noch Steuern sparen

Getreidelager in Gebäude
Dr. Christian Urban LBG
am
05.12.2018

Das heurige Jahr nähert sich mit großen Schritten seinem Ende. Höchste Zeit, um noch die eine oder andere steuermindernde Maßnahme zu setzen. Steuerberater Christian Urban gibt Tipps für buchführende Betriebe und Vollpauschalierer.

Wenn in einem Jahr besonders hohe Gewinne erzielt werden, weil vielleicht weniger investiert wurde, verlangt der Fiskus seinen Anteil.

Was tun bei besonders großen Gewinnen?

Tipps für buchführende Betriebe („Bilanzierer“): Dem Landwirt wird – falls er heuer einen überdurchschnittlichen Gewinn erwartet – empfohlen (wenn möglich und wirtschaftlich (!) vertretbar) die Auslieferung von landwirtschaftlichen Produkten samt Abrechnung ins Jahr 2019 zu verschieben. Dadurch wird die Steuerbemessung für realisierte Gewinne und damit auch die Steuerzahlung um ein Jahr verschoben. Im Jahresabschluss sind Vorräte von landwirtschaftlichen Produkten (z. B. Mastschweine) grundsätzlich nur mit den bisher angefallenen Kosten zu aktivieren. Die Gewinnspanne wird erst mit der Auslieferung der landwirtschaftlichen Produkte realisiert. Anzahlungen von Kunden werden nicht ertragswirksam gebucht, sondern sind eine Verbindlichkeit gegenüber dem anzahlenden Kunden. Natürlich schlägt sich der zeitlich verschobene Gewinn dann wirtschaftlich auch erst in der Erfolgsrechnung im nächsten Jahr nieder.
Bei Einzelunternehmen und Mitunternehmerschaften (GesbR, OG, KG) mit natürlichen Personen als Gesellschafter sind auch die Auswirkungen auf die Einkommensteuer-Progression (25 – 55 %) und einen allfällig investitionsbedingten Gewinnfreibetrag zu beachten. Der Zeitpunkt der Lieferung soll für eine allfällige Prüfung durch die Finanzverwaltung sorgsam dokumentiert werden.
Tipps für Einnahmen-Ausgaben-Rechner: Bei Einnahmen-Ausgaben-Rechner gilt für den Zeitpunkt der Erfassung der Einnahmen und Ausgaben das Zufluss-Abfluss Prinzip.
Durch vorgezogene Ausgaben kann grundsätzlich der Gewinn des Jahres 2018 noch reduziert werden. Dies ist sinnvoll, wenn 2018 ein höherer Gewinn als im Durchschnitt der Jahre zu erwarten ist. Es darf aber nicht übersehen werden, dass dadurch der Gewinn des Jahres 2019 erhöht wird. Auch gilt es zu beachten, dass insbesondere Beratungs-, Fremdmittel-, Miet- und Vermittlungskosten gleichmäßig auf den Zeitraum der Vorauszahlung verteilt werden müssen, außer sie betreffen lediglich das laufende und das folgende Jahr.
Regelmäßig wiederkehrenden Einnahmen und Ausgaben (z. B. Löhne, Mieten, Versicherungsprämien, Zinsen) werden rund um den 31. 12. (15 Tage Zurechnungsfrist) unabhängig vom Zahlungszeitpunkt steuerlich dem wirtschaftlichen Zeitraum, in dem sie anfallen, zugeordnet.

Möglichkeiten der Abschreibung nutzen

Tipps für Einnahmen-Ausgaben-Rechner und Bilanzierer:
  • Halbjahresabschreibung für Anschaffungen bis zum 31. Dezember nutzen. Wenn die Anschaffung und Inbetriebnahme von abnutzbaren Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens noch in der zweiten Jahreshälfte 2018 erfolgt, kann eine steuerliche Halbjahresabschreibung in Anspruch genommen werden und der Aufwand dieses Jahres noch erhöht werden.
Beispiel: Landwirt A kauft am 13. Dezember 2018 einen Traktor für 100 000 €. Er nimmt den Traktor am 17. Dezember 2018 in Betrieb. Der Traktor wird über 10 Jahre abgeschrieben. Der Landwirt darf im Jahr 2018 noch 5000 € abschreiben.
  • Geringwertige Wirtschaftsgüter: Geringwertige Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens mit einem Einzel-Anschaffungswert von bis zu 400 € können im Jahr 2018 steuerlich sofort abgeschrieben werden.
Beispiel: Landwirt B kauft am 18. Dezember 2018 einen Laptop für 399 €. Er kann den Aufwand noch im Jahr 2018 in voller Höhe als Betriebsausgabe absetzen.

Ein Optionsantrag kann Vorteile bringen

  • USt-Optionsantrag für 2018: Falls im Laufe des heurigen Jahres höhere Investitionen (z. B. Kauf eines Mähdreschers, Neubau einer Maschinenhalle) getätigt wurden, sollte die Vorteilhaftigkeit eines Optionsantrages berechnet werden. Dabei muss ein Zeitraum von fünf Jahren betrachtet werden, da der Landwirt im Falle einer Option zur Regelbesteuerung auch für diesen Zeitraum gebunden ist.
Es wird daher empfohlen für den genannten Zeitraum zu berechnen, ob die zu erwartenden rückbezahlten Vorsteuern die zu bezahlenden Umsatzsteuern insgesamt übersteigen. Dabei ist zu beachten, dass Umsätze von land- und forstwirtschaftlichen Produkten, die im Rahmen der Pauschalierung grundsätzlich mit 13 % USt (Verkauf an andere Unternehmer) zu fakturieren sind, im Rahmen der Regelbesteuerung je nach Produkt verschieden mit einem Umsatzsteuersatz von 10 % (z. B. Eier) oder 13 % (z. B. Wein) oder 20 % (z. B. Sägerundholz) zum Ansatz kommen.
Außerdem sollten die Landwirte darauf achten, dass die Rechnungen richtig ausgestellt sind. Das bedeutet beispielsweise, dass die Rechnung für den Traktor – wenn der Betrieb von einer Gesellschaft nach bürgerlichem Recht (z. B. Landwirte-Ehepaar) geführt wird – auch auf die richtige Bezeichnung (z. B. Franz und Maria Berger) lautet.
Falls aufgrund der Investitionen ein Optionsantrag über den fünfjährigen Beobachtungszeitraum Vorteile bringt, ist darauf zu achten, dass ein Optionsantrag für 2018 bis spätestens 31. 12. 2018 dem Finanzamt übermittelt werden muss. Es gilt zu beachten, dass bei Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens (z. B. Maschinen und Geräte, Gebäude), die erst nach dem 31. 12. 2013 in Verwendung genommen werden, bei einer Rückkehr in die Umsatzsteuerpauschalierung eine Vorsteuerberichtigung vorzunehmen ist. Der Berichtigungszeitraum beträgt bei Maschinen und Geräten vier bzw. bei Grundstücken 19 Jahre. Noch längere Berichtigungszeiträume können sich durch Betriebsübergaben ergeben. Außerdem ist für Vorräte, die zu einem Vorsteuerabzug berechtigt haben und am Tag der Rückkehr zur Umsatzsteuerpauschalierung im Betrieb vorhanden sind, eine Vorsteuerberichtigung durchzuführen.
Durch diese Änderungen ist die Umsatzsteueroption weniger attraktiv geworden. Es gilt jedoch auch zu beachten, dass es bei einem Wechsel von der Pauschalierung in die Regelbesteuerung ab 2015 zu einer positiven Vorsteuerrückrechnung kommen kann, die für den Landwirt wiederum Vorteile bringt. Aufgrund der Komplexität der Thematik wird eine Beratung durch einen Steuerexperten empfohlen.

Pauschaliert oder Buchführung?

  • Freiwillige Buchführung oder Einnahmen – Ausgaben Rechnung: Pauschalierte Landwirte, die heuer größere Investitionen getätigt haben, sollten – insbesondere unter dem Aspekt der Steuerbegünstigung des Gewinnfreibetrages überprüfen, ob eine freiwillige Einnahmen – Ausgaben – Rechnung oder eine freiwillige doppelte Buchführung für sie vorteilhaft ist. Es muss in diesem Zusammenhang aber bedacht werden, dass aufgrund der Vorschriften der Pauschalierungsverordnung der optierende Landwirt innerhalb von fünf Jahren nicht mehr zur Pauschalierung zurückkehren darf. Außerdem gilt es zu beachten, dass bei einem Wechsel von der Vollpauschalierung in eine vollständige Einnahmen-Ausgaben-Rechnung im Regelfall ein Übergangsverlust und bei einem Wechsel von der Teilpauschalierung zur doppelten Buchführung im Regelfall ein Übergangsgewinn entsteht.

Die Grenze für die Pauschalierung

Landwirte müssen die Pauschalierungsgrenzen beachten. Maßgeblich für die Art der Gewinnermittlung im Jahr 2018 ist der Einheitswert und die Fläche der reduzierten, selbst bewirtschafteten Flächen am 31. 12. 2017 und grundsätzlich die Zahl der erzeugten und/oder gehaltenen Vieheinheiten im Durchschnitt der drei letzten Jahre.

Die Vollpauschalierungsgrenze liegt bei einem Einheitswert in Höhe von 75 000 €. Außerdem dürfen die selbst bewirtschafteten reduzierten landwirtschaftlichen Nutzflächen 60 ha und die Zahl der erzeugten oder gehaltenen Vieheinheiten 120 für die Inanspruchnahme der Vollpauschalierung nicht übersteigen. Falls der Landwirt voraussichtlich 2018 die Grenzen übersteigt, aber auch 2019 in der Vollpauschalierung verbleiben möchte, soll er noch 2018 – sofern nicht andere Gegebenheiten dagegensprechen – eine entsprechende Verringerung der Aktivitäten (z. B. Zurücklassen von Pachtflächen, Verringerung des Viehbestandes) vornehmen.

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