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Fleischrinder

Hochlandrinder - sanfter Umgang mit bulligen Zotteln

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Patrizia Schallert
am
22.06.2018

Hochlandrinder sind die Leidenschaft von Familie Pirchner aus Bucheben

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Auf dem Frohngütl-Hof in Bucheben bei Rauris im Pinzgau grasen die Schottischen Hochlandrinder bis an die Terrasse des Wohnhauses. Mit ihren imposanten Hörnern wirken sie auf den ersten Blick einschüchternd, aber Theresia und Bernhard Pirchner gehen mit ihnen um, als wären es Schafe oder Ziegen. „Wer mit den Rindern von klein auf einen intensiven Kontakt pflegt, sie täglich striegelt und sich ständig in der Herde bewegt, braucht keine Angst vor ihnen zu haben“, versichert das Betriebsführerpaar.

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Der Frohngütl-Hof auf 1100 m Höhe wird mit seinen nur 3,5 ha Eigen- und 4 ha Pachtfläche im Nebenerwerb geführt. Vor 23 Jahren hat Theresia Pirchner mit ihrem Mann Bernhard ihren elterlichen Betrieb mit zwei Milchkühen und einigen Schafen übernommen. Im Haupterwerb führt das Landwirtepaar seine Hochdruckreinigungsfirma „ATÜ Maschinen Pirchner“. Seit 1993 ist der Hof biozertifiziert. „Anfangs sind wir ganz auf die Schafhaltung umgestiegen, aber damit waren wir nicht glücklich“, blickt die Biobäuerin zurück. So sattelte die Familie ein weiteres Mal um, diesmal auf Schottische Hochlandrinder.

Viel Geld für ihre Zotteltiere

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Für zwei Mutterkühe, zwei Kälber und einen Stier mussten die Pirchners tief in die Tasche greifen. „Damals lagen die Zottl stark im Trend und wir mussten 270 000 Schilling für die kleine Herde bezahlen.“ Die Berufskollegen hätten die beiden für verrückt erklärt und ließen die Tiere wegen ihrer großen Hörner zunächst nicht auf die Gemeinschaftsalm. „Dabei vertragen sich die gutmütigen Zottl doch ausgezeichnet mit anderen Rinderrassen“, betont Theresia Pirchner. Nur weil sie die größeren Hörner haben, seien sie nicht automatisch ranghöher.

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Im Laufe der Zeit hat sich das Betriebsführerpaar immer mehr mit der Hochlandrinderzucht beschäftigt, sich jede nur erdenkliche Literatur beschafft, andere Züchter kontaktiert und regelmäßig Schauen besucht. Weil sie nicht wussten, wie sie die Kondition und den Zuchtwert ihrer Tiere einschätzen sollten, nahmen die Pirchners im Jahr 2000 mit einer Kuh und ihrem Kalb erstmals an der Bundesfleischrinderschau in Stadl-Paura/Oberösterreich teil. „Ich war schon Tage vorher nervös, obwohl sich die Kuh im Ring wie ein Lamm verhalten und sich prima führen lassen hat“, sagt Bernhard Pirchner. Er und seine Frau waren dann auch sehr überrascht, als „Denisa“ mit ihrem Kuhkalb „Denny vom Frohngütl“ auf Anhieb Gruppenreservesiegerin wurde.

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Seither nahmen die Pirchners immer wieder an Schauen teil. Ihr größter Erfolg gelang ihnen 2008 auf der Hochlandrinder-Bundesschau in Maishofen/Salzburg, wo die 21 Monate alte „Pia vom Frohngütl“ zum Champion gekürt wurde. Aufgrund der regelmäßigen guten Platzierung auf Schauen hat sich der kleine Zuchtbetrieb im Raurisertal mit seinen fünf Mutterkühen samt Nachzucht, einem Stier und zwei Ochsen in Züchterkreisen einen klangvollen Namen gemacht. Seine äußerst ruhigen und zahmen Hochlandrinder sind inzwischen sehr gefragt.

Jedes Tier hat seinen eigenen Charakter

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Als die Familie Pirchner mit ihrer Zucht begann, sei es noch äußerst schwierig gewesen, zahme Tiere kaufen zu können. „Aber es gibt eben Züchter und Tiervermehrer, das ist der Unterschied“, bedauert der Betriebsführer. Weil jedes Tier seinen eigenen Charakter hat, sei es sehr wichtig, sich mit ihm zu befassen. Sein Anspruch ist: „Eine Herde muss so ruhig und gelassen sein, dass jederzeit ein Fremder mit uns auf die Weide kann und sich die Rinder von ihm anfassen lassen.“

Hochlandrinder an die Hand des Menschen zu gewöhnen sei im Grunde recht einfach, weil sie „unglaublich gierig auf das Striegeln sind“. Damit ließen sie sich noch besser als mit Futter locken, zumal trockenes, altes Brot zu den Leibspeisen der „Frohngütl-Zottl“ zählt. Ansonsten fressen die Tiere neben dem Gras auf der Weide nur Heu.

Keine menschliche Hilfe beim Kalben

Weil die Schottischen Hochlandrinder auf dem Betrieb Pirchner 365 Tage im Jahr auf der Weide oder im eingestreuten Unterstand verbringen, sind sie sehr robust. „In der Zucht legen wir großen Wert auf gesunde, leichtkalbende und langlebige Tiere“, betont Theresia Pirchner. Damit die Leichtkalbigkeit erhalten bleibt, wird auf Kälber mit einem möglichst geringen Geburtsgewicht geachtet. „Je weniger ein Kalb wiegt, desto problemloser und leichter verläuft die Geburt“, erklärt Bernhard Pirchner. „Die Hochlandrinderzüchter sind aber ohnehin gewohnt, dass die Mutterkuh dabei keine menschliche Hilfe braucht.“

Nach der Geburt sollte das Kalb sehr frohwüchsig sein und hohe Tageszunahmen zeigen. Das sei natürlich nur mit Mutterkühen möglich, die sehr viel gute Milch geben. Auf dem Betrieb Pirchner erfolgt deshalb eine 200-Tage-Wiegung der Kälber, die aufzeigt, welche Milchmenge und -qualität die Mutter liefert. „Außerdem sind wir sehr bemüht, typvolle Hochlandrinder zu züchten und ihre guten Eigenschaften zu erhalten.“

Schottische Hochlandrinder sind intelligent, aufmerksam und haben einen ruhigen Charakter. Sie sind zwar gute Futterverwerter, aber nicht mastfähig, weil das Fleisch sehr langsam wächst und erst dadurch seine hervorragende Qualität bekommt.

Highlandbeef zeichnet sich durch sein vorzügliches Aroma aus, ist sehr fein- und kurzfaserig, gut marmoriert und enthält trotzdem wenig Fett. Deshalb sei es auch gut für die Diätküche geeignet.

Bei den Tieren bis zum Schuss

Für die Zucht verkauft der Betrieb hauptsächlich weibliche Tiere. Die männlichen Rinder werden meist kastriert und als Ochsen im Alter von drei Jahren mit 500 bis 530 kg geschlachtet. Die Schlachtung erfolgt auf einem kleinen Betrieb im nahen Wörth. Bereits Wochen vorher werden die Tiere an das Aufladen und Fahren mit dem Hänger gewöhnt. „Außerdem lassen wir bis zum Bolzenschuss keines allein“, betonen Theresia und Bernhard Pirchner. „Das sind wir unseren Tieren schuldig. Ein stressfreies Schlachten gibt es nur, wenn die Tiere bis zum Schuss ihre Bezugspersonen um sich haben.“

Das Fleisch vermarktet die Familie in Mischpaketen ab Hof. Der Preis spiele für die Kunden keine Rolle. Für die meisten sei klar, dass das Fleisch eines drei Jahre lang gefütterten Rindes teurer sein müsse als das von Tieren, die ihr Schlachtgewicht schon mit eineinhalb Jahren erreichen.

Beim Verkauf ihrer Zottl an Neueinsteiger achtet das Betriebsführerpaar auf die Begleitung und Beratung der Berufskollegen in der Haltung und Zucht. „Sollten Probleme oder Fragen auftauchen, ist es mir lieber, der Betroffene ruft einmal zu viel an als zu wenig“, sagt Theresia Pirchner. Darüberhinaus können sich die Kunden sicher sein, handzahme und führige Tiere gekauft zu haben.

Viel Engagement für ihre Rinder

Als leidenschaftliche Züchter steckt das Betriebsführerpaar viel Herzblut und Zeit in die Rasse „Schottisches Hochlandrind“. Bernhard Pirchner engagiert sich beim Rinderzuchtverband Salzburg als Vorsitzender im Rasseausschuss Schottisches Hochlandrind und als Vizeobmann im Fleischrinder-Fachausschuss.

Seine Frau Theresia wiederum ist Obfrau im Verein der Salzburger Hochlandrinderzüchter sowie Vorstandsmitglied und Kassiererin im Bundesverein Arge Österreichischer Hochlandrinderzüchter. „Diese Arbeiten muss schließlich auch jemand machen“, sind sich die beiden einig.

Außerdem organisieren die Pirchners jährlich ein Treffen aller Salzburger Hochlandrinderzüchter. Diese „Salzburger Zottl-Treffen“ haben im Terminkalender der Züchterkollegen einen festen Platz.

Patrizia Schallert
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