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Studie

IG Holzkraft fordert Politik zum Handeln auf

Holzkraftwerk
Externer Autor
am
09.10.2017

Wien - Vor dem Hintergrund auslaufender Tarif-Vergütungen heimischer Energielieferanten unterstreicht die IG Holzkraft, die Interessenvertretung der Betreiber von Ökostromanlagen auf Basis fester Biomasse, die Bedeutung von heimischen Holzkraftwerken für den Wirtschaftsstandort Österreich.

Wie eine von IG Holzkraft in Auftrag gegebene Studie der Österreichischen Energieagentur zeigt, wurden in Österreich seit Inkrafttreten der Ökostromvergütung im Jahr 2002 bis zum Jahr 2015 durch Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen auf Basis fester Biomasse volkswirtschaftliche Effekte in der Höhe von 6,5 Mrd. Euro erzielt. Basierend auf dieser Studie analysierte Bioenergy 2020+ die positiven Effekte der Holzkraftwerke mit folgendem Ergebnis: "Ein Euro für Ökostrom aus Holzkraftwerken kommt dem Steuerzahler doppelt zurück", so der Autor der zweiten Studie, Christoph Strasser vom außeruniversitären Forschungszentrum Bioenergy 2020+. Ein durchschnittliches Holzkraftwerk auf Basis fester Biomasse erhalte etwa 13 Cent/kWh Stromvergütung, dieser würden wiederum positive Effekte zwischen 20 und 37 Cent/kWh gegenüberstehen.

Würden die Holzkraftwerke aufgrund ungünstiger rechtlicher und wirtschaftlicher Bedingungen nun zusperren, zeigen Szenarien der Österreichischen Energieagentur bis ins Jahr 2019, dass die Erlöse in diesem Jahr um 206 Mio. Euro (-98% zu 2015) und die Wertschöpfung um 269 Mio. Euro (-98%) sinken würden. Zudem müssten 3 Mio. t CO2-Äquivalente ersetzt werden und eine massive Gefährdung von rund 6.400 Arbeitsplätzen insbesondere im Gewerbe (58%) würde folgen, erläuterte Studien-Verfasser Lorenz Strimitzer von der Österreichischen Energieagentur. Dagegen würde bei einem Szenario, bei dem die Stromerzeugung aus Holzkraftwerken auf 3 TWh erhöht wird, die Anzahl der Beschäftigten auf knapp 10.000 Vollzeitäquivalente steigen, so Strimitzer weiter.

"Mit den Studien wollen wir endlich das Vorurteil ausräumen, dass Strom aus Biomasse teuer ist", betonte Hans-Christian Kirchmeier, Vorsitzender der IG Holzkraft. "Unsere Werke sichern etwa 6.400 Arbeitsplätze zum überwiegenden Teil im regionalen Gewerbe und generieren positive monetäre Effekte, die etwa doppelt so hoch sind wie die notwendige Unterstützung." Kirchmeier appellierte an die politischen Vertreter, für entsprechende Rahmenbedingungen zu sorgen, um die verfügbaren Potenziale der Stromerzeugung aus Biomasse nutzen zu können. "Wir stehen vor der absurden Situation, dass unsere Importabhängigkeit steigt und unsere heimischen Anlagen durch mangelnde gesetzliche Regelungen vor dem Zusperren stehen. Das Gegenteil sollte der Fall sein. Nutzen wir die uns zur Verfügung stehenden Potenziale, könnten wir die Importabhängigkeit reduzieren und die Arbeitsplätze in der Biomasse-Branche auf 10.000 aufstocken", so Kirchmeier.

In Österreich sind laut dem Österreichischen Biomasse-Verband 133 Biomasse-KWK-Anlagen (Holzkraftwerke) mit einer elektrischen Engpassleistung von 314 MW im Rahmen des Ökostromregimes in Betrieb. Die Holzkraftwerke würden jährlich zirka 2 Mrd. kWh Ökostrom in das öffentliche Stromnetz einspeisen, das dem Jahresstrombedarf von etwa 600.000 Haushalten entspreche. Zusätzlich zum wertvollen Ökostrom lieferten die KWK-Anlagen jährlich auch noch zirka 4,5 Mrd. kWh erneuerbare Wärme. Damit könne der Import von ungefähr 450 Mio. l Heizöl/Jahr ersetzt werden. "Die Holzkraftwerke sind 365 Tage im Jahr rund um die Uhr mit voller Leistung verfügbar, auch in kalten windstillen Winternächten, wenn der Energiebedarf besonders hoch ist", weist der Österreichische Biomasse-Verband hin.

Die Studienergebnisse der Österreichischen Energieagentur basieren auf Auswertungen von Befragungen der Anlagenbetreiber. Es wurden etwa Investitionskosten, betriebswirtschaftliche Kennzahlen, Arbeitsstunden, Brennstoffverbrauch et cetera ermittelt. In der Studie von Bioenergy 2020+ wurden neben dem Börsenwert des Stroms auch die Einnahmen für den Staatshaushalt und die vermiedenen Kosten bewertet. Konkret waren dies Einnahmen aus Steuern, Sozialversicherungsabgaben, Lohnnebenkosten und vermiedene Arbeitslosen- sowie CO2-Schadens-Kosten.

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