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Direktvermarktung

Kleinen Hof auf Vordermann gebracht

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Patrizia Schallert
am
23.07.2018

Der moderne Stall ermöglicht Biobäuerin Stefanie Rehrl die Weiterführung des elterlichen Milchviehbetriebs im Nebenerwerb. Mit dem Ausbau des Ab-Hof-Verkaufs soll die Wirtschaftlichkeit verbessert werden. Die Nachfrage ist da.

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Auf dem Biobauernhof der Familie Rehrl-Hatheier geben sich Stadt und Land die Hand. Wenn die Einwohner im Viertel Maxglan der Großstadt Salzburg frische Eier oder Milch direkt vom Bauern kaufen wollen, können sie das vor ihrer Haustür tun. „Die Menschen schätzen die hohe Qualität und die hohen Standards, unter denen unsere Lebensmittel erzeugt werden“, sagt Stefanie Rehrl. Eine Grundeinsicht in den Wert regionaler Produkte ist bei der Stadtbevölkerung also vorhanden. Woran es noch hapert, ist die Einsicht, dass Landwirtschaft manchmal auch Lärm und Gerüche produzieren kann und bäuerliche Flächen keine Spielwiesen für Hunde sind.

Enger Kontakt zum Verbraucher

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„Ein Stadtbauernhof hat jeden Tag offene Türen, das hat zwar Vorteile für die Direktvermarktung, aber auch Nachteile für den Alltag am Hof“, sagt Betriebsführerin Stefanie Rehrl. Sie bedauert vor allem, dass die Bevölkerung die landwirtschaftlichen Nutzflächen oft nicht als Eigentum der Bauern sieht, ohne zu fragen in den Stall geht oder die gesundheitsschädlichen Folgen von Hundekot im Rinderfutter unterschätzt. Auch das unkontrollierte Füttern der Tiere durch Passanten sei ein immerwährendes Problem. „Ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass bei Konflikten die Kommunikation mit dem Verbraucher, eine fachlich kompetente Aufklärung und Information zielführender sind anstatt zu resignieren und nur zu schimpfen“, betont Rehrl, die seit 2014 als Ortsbäuerin der Stadt Salzburg tätig ist und sich die Öffentlichkeitsarbeit für Landwirtschaft auf die Fahne geschrieben hat.

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„Wir müssen die Verbraucher da abholen, wo sie sind, weil viel Wissen um die bäuerliche Urproduktion verloren gegangen ist.“ Wer offen auf die Konsumenten zugeht, stelle bald fest, dass der überwiegende Teil der Bevölkerung durchaus Verständnis für die Belange der Landwirtschaft aufbringt. „Unser Beruf hat in der Gesellschaft einen höheren Stellenwert als manche Kollegen glauben.“

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Erst kürzlich habe eine Spaziergängerin Stefanie Rehrl angesprochen und betont, wie froh und dankbar sie sei, dass der Schlagerbauer-Hof weitergeführt wird. Ursprünglich war nicht Stefanie Rehrl für die Übernahme des elterlichen Betriebs vorgesehen, sondern ihr Bruder. Weil dieser nach langer Krankheit verstarb und ihre Geschwister kein großes Interesse an der Landwirtschaft bekundeten, wendete sich das Blatt für die ehemalige Studentin für Wirtschaft und Recht. Stefanie Rehrl pachtete als jüngstes von vier Kindern vor fünf Jahren den elterlichen Betrieb mit seinen zwölf Milchkühen in Anbindehaltung. Dass ihr Lebensgefährte Gerhard Hatheier die bäuerliche Urproduktion sehr schätzt, machte die Entscheidung leichter.

Mit Fertigstall weniger Arbeit, mehr Tierwohl

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„Aber schnell wurde uns klar, dass die schwere und zeitaufwendige Arbeit im Stall in keinem Verhältnis zur Wirtschaftlichkeit stand“, sagt die landwirtschaftliche Facharbeiterin. Sollten sie den Hof übernehmen, um ihn im Nebenerwerb weiterzuführen, mussten sie sich also etwas einfallen lassen. Auch die Lage in Stadtnähe und der damit verbundene enge Kontakt zum Verbraucher bewogen das künftige Betriebsleiterpaar schließlich dazu in einen tierwohlgerechten, modernen Laufstall für das Milchvieh zu investieren.

Rehrl und Hatheier entschieden sich für das Hartmann-System. „Wegen der kurzen Bauzeit und dem geringen Aufwand bei der Errichtung bekam das Fertigstallsystem unseren Zuschlag“, sagt Hatheier. Die Liegeflächen, Laufgänge, Koteinwurfschächte, Barrenwände und die Aufkantung für die Außenwände wurden als Fertigteile geliefert und mit moderner Lasertechnik auf das vorbereitete Schotterbett verlegt. „Es war schon faszinierend, wie schnell und präzise der Unterbau fertig war“, erinnert sich der landwirtschaftliche Facharbeiter und Elektrotechnikingenieur. Im selben Tempo sei es weitergegangen. Der Hallenaufbau des Kaltstalls erfolgte mit Leimbindern, die sowohl für die Säulen als auch die Dachkonstruktion eingesetzt wurden. Die Wandelemente sind aus gehobelter Lärchenschalung gefertigt, die Stalleinfahrten mit kostengünstigen und funktionellen Rollrohrtoren ausgestattet.

Viel investiert und auf Biolandbau umgestellt

An der Panoramaseite des Stalls sind auf der Milchviehseite Curtains angebracht, auf der Jungviehseite im Norden in Richtung des bebauten Siedlungsgebiets Schiebefenster. Für hohen Tierkomfort sorgen die Betonmulden, in denen sich die Einstreu aus Stroh und kohlensaurem Kalk wie eine Matratze einbettet. Zum Tierwohl gehört auch ein für jede Altersgruppe eigener ganzjähriger Auslauf. Die Betonarbeiten im süd- und nordseitigen Auslauf sind soweit vorbereitet, dass jederzeit ein Breitschieber für die Auslaufreinigung montiert werden kann. Für den Lauf- und Fressgang wurde ein MaxiGrip-Fertigteilboden gewählt. „Die feine Oberflächenstruktur und die abgeschrägten seitlichen Kanten bieten der Kuh sicheren Halt ohne Verletzungsgefahr“, erklärt Hatheier. Der 1,30 m breite Futtertisch ist mit einer Epoxidharzbeschichtung versehen. Bei der Entmistung kommt ein Breitschieber zum Einsatz, dessen Abwurfschächte sich in einem Gebäudevorsprung befinden. Aus Platzgründen wurde ein 5er-Side-by-Side-Melkstand gewählt. Das Abwasser des Melkstands ist kanalisiert und dient als Spülleitung zum nächsten Schacht. „Das Stallneubauprojekt ist rundum gelungen“, sagt das Betriebsführerpaar. Die Netto-Investitionskosten beliefen sich auf 450 000 €.
Im Jahr des Stallneubaus entschloss sich die Familie Rehrl-Hatheier auch zur Umstellung auf den ökologischen Landbau, der sich schon wegen des 6,5 ha umfassenden arrondierten Grünlands anbot. „Weitere 6,5 Hektar Grünland befinden sich in Grödig beim aufgelassenen elterlichen Betrieb meiner Mutter“, sagt Rehrl. Außerdem hat der Schlagerbauerhof vom Stift St. Peter 8 ha Grünland am Krauthügel gepachtet. Den Sommer verbringen die Kalbinnen – im Durchschnitt sind es sechs Tiere – auf der Sattelalm im Tennengau. Vor dem Auftrieb und nach dem Abtrieb beweiden sie die Wiesen in Grödig und auf dem Krauthügel.

Städter kaufen Milch, Eier und Fleisch direkt

Die 23 Milchkühe und ihre Kälber bleiben am Hof. Im Sommer wird dem Fleck- und Braunvieh und einer Schwarzbunten zusätzlich zur Weide Heu vorgelegt, im Winter Grassilage und Heu. Kraftfutter setzt das Betriebsführerpaar nur ganz wenig ein, auch wenn die durchschnittliche Milchleistung bei 6000 kg liegt. „Wir wollen keine Hochleistungskühe, sondern legen mehr Wert auf Langlebigkeit, Zutraulichkeit und Führigkeit“, betont Rehrl. „Deshalb kaufen wir auch nie wieder Kälber von einem Großbetrieb. Die Tiere waren ungemein gestresst und es hat ewig gedauert, bis wir sie in die Herde integrieren konnten und Ruhe im Stall herrschte.“
Der Großteil der Milch wird an die Molkerei Salzburg Milch geliefert, der Rest ab Hof verkauft. „Bei uns kommt die Kundschaft zu den Melkzeiten noch ganz traditionell mit der Milchkanne oder der Milchflasche“, freut sich die Biobäuerin. Neben den Eiern der 30 Legehennen wird auch das Kalbfleisch ab Hof verkauft. Jährlich schlachtet ein Berufskollege auf seinem Bioschlachthof in Kuchl zwei männliche, manchmal auch weibliche Kälber vom Schlagerbauerhof. „Inzwischen haben wir einen Landwirt in Grödig gefunden, der einen Teil unserer Kälber mästet“, sagt Rehrl. Sie ist froh zu wissen, wo ihre Tiere hinkommen. „Ich halte nicht viel von Kälbertransporten ins EU-Ausland und will mir gar nicht ausmalen, was die Tiere dabei alles erleiden müssen.“

Direktvermarktung soll ausgebaut werden

Schritt für Schritt möchte die Familie noch mehr in die Direktvermarktung einsteigen und künftig auch eigenes Rindfleisch vermarkten, weil die Nachfrage in der Stadt und Umgebung nach hochwertigem Fleisch aus der Region sehr groß sei. „Im Lebensmittelüberfluss hat der Verbraucher allerdings verlernt, dass manche Nahrungsmittel nur saisonal zur Verfügung stehen. Hier müssen wir noch viel mehr Aufklärungsarbeit leisten. Das gelingt am besten in persönlichen Gesprächen, wie sie beim Ab-Hof-Verkauf oder auf Bauernmärkten stattfinden.“
Stefanie Rehrl hat die Übernahme des elterlichen Betriebs noch keine Minute lang bereut, obwohl der Druck durch die ständigen Milchpreisschwankungen sehr hoch sei. „Dass Gerhard arbeiten gehen muss, zehrt oft an den Nerven. Es lässt sich nie wirklich planen, wie viel Milchgeld auf das Konto kommt.“ Die Biobäuerin kritisiert den Wachstums- und Profitwahn in allen landwirtschaftlichen Produktionsbereichen. „Der Drang nach immer größer und immer mehr ohne Rücksicht auf die Natur wird uns allen eines Tages auf den Kopf fallen.“

Ausgleich im Singen im Duo mit der Schwester

Einen Ausgleich zu Familie und Betrieb findet die 32-Jährige beim Singen. Schon als Kind hat Rehrl mit ihrer Schwester Katharina auf Hochzeiten und Geburtstagsfesten gesungen. Das Geschwisterpaar hat sich unter seinem Künstlernamen „Schlager Sis“ mit dem offiziellen Lied der Landeshauptstadt „Salzburg Song“ und dem Lied „Hoamat is des …“ einen Namen gemacht. Starallüren hat die Biobäuerin deswegen aber keine. „Das Singen war, ist und soll ein Hobby bleiben.“

Betriebsspiegel

Familie: Stefanie (32), Gerhard (36), Lisa (5), Moritz (3), Xaver (8 Monate), Pauline (64).

Flächen: 20 ha Grünland, 2,5 ha Wald.

Vieh: 23 Fleckvieh-Milchkühe, 6 Kalbinnen, 30 Legehennen.

Milch: 6000 kg, Fettgehalt 3,94%, Eiweißgehalt 3,39 %.

Vermarktung: Bioeier, Biokalbfleisch ab Hof und noch ganz traditionell Biomilch mit der Milchkanne oder Milchflasche.

Besonderheiten: Biobauernhof im Nebenerwerb im Salzburger Stadtteil Maxglan, nur 2000 m Luftlinie vom Stadtzentrum entfernt, Gesangskarriere der Betriebsführerin mit ihrer Schwester Katharina unter dem Künstlernamen „Schlager Sis“.

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