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Selbstschutz

Von der Kunst des Nein-Sagens

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Anette Gerhold
am
11.04.2018

Oberländer Bäuerinnen lernen, drohende Überlastung abzuwenden

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Schnifis/Vorarlberg Die Wertschätzung politischer Vertreter, hilfreiche Tipps der Referentin und ein wohltuender Austausch untereinander lockten fast 130 Bäuerinnen in den Laurentius-Saal nach Schnifis zum Oberländer Bäuerinnentag.
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„Unsere tägliche Arbeit ist darauf ausgerichtet, den Menschen Perspektiven zu geben“, erklärte Bürgermeister Walter Rauch (Dünserberg) in seinem Grußwort die Besonderheiten der Kleinregion Dreiklang, die aus den Gemeinden Schnifis, Düns und Dünserberg besteht. Die Region ist touristisch gut aufgestellt, was vielen Betrieben als notwendiger Zuerwerb dient.

Nein sagen als Schutz vor Überlastung

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Kleine Kinder sind im Nein sagen oft richtig gut. Irgendwann verlieren sie diese Fähigkeit, die eigenen Grenzen zu behaupten. Sie wissen instinktiv, dass sie allein nicht überlebensfähig und auf die Gunst der Großen angewiesen sind. Es genügt ja manchmal schon, wenn die Mutter das Gesicht verzieht; dann fangen die Kinder an, ihr Verhalten danach zu richten. „Aus diesem Verhalten, das damals richtig war, weil sich die Eltern immer um die Kinder gekümmert haben, sind Spuren im Gehirn entstanden“, erklärte Gastreferentin Katharina Auerswald.
„Auf diese Spur springt man automatisch, wenn man in einer Situation ist, in der man unsicher ist oder es sich nicht mit einem Mitmenschen verscherzen will. Die gute Nachricht: Da es sich um ein erlerntes Verhalten handelt, kann auch ein neues Verhalten gelernt werden, um nicht wieder in die alten Muster zu verfallen. Zunächst müsse man sich bewusst machen, dass Nein sagen bedeutet, gut für sich zu sorgen. Es bedeute nicht, egoistisch zu sein oder niemandem helfen zu wollen. Man muss aber erst mal herausfinden, wie andere einen dazu bringen, immer wieder auf diese alte Spur zu springen.“ Manche schaffen es mit einem Kompliment, andere mit der Mitleidstour, wieder andere drohen, damit man Aufgaben übernimmt, die man eigentlich nicht übernehmen wollte.
Wird man um die Erledigung einer zusätzlichen Aufgabe gebeten und spürt im Innern, dass man nicht die Kapazität, die Zeit oder die Energie hat, dann sollte man laut Auerswald sagen: „Stopp, langsam“. Dem Gegenüber kann man die eigene Haltung mit einem sozialverträglichen Satz wie „Darüber muss ich zuerst mal nachdenken, ich gebe später Bescheid“ oder „Ich muss zuerst mal in meinem Terminkalender nachsehen“ beibringen. Es sei jedenfalls kein erwachsenes Verhalten, zu jeder Anfrage ja zu sagen, ohne die entsprechenden Ressourcen an Zeit und Energie zu haben. Wer nicht selber zur Ruhe komme, dem drohe ein Zusammenbruch.
„Eigene Grenzen setzen und Ressourcen wahren, kann man trainieren“, regte die Referentin an. Erst anzufangen, wenn man sich in einer schwierigen Situation befindet, sei zum Scheitern verurteilt. Wenn man weiß, dass bestimmte Situationen kommen werden, kann man sich einen bestimmten Satz formulieren und zunächst alleine trainieren.
Wenn man dann im Entscheidungsfall wirklich Nein sagt, kommt es darauf an, stehen zu bleiben, weiter zu atmen und nicht zu lachen oder zurückzuweichen, also nicht mit anderen Gesten die eigene Aussage entschärfen. Wenn Körperhaltung und Mimik dem nicht entsprechen, reagiere die Umgebung immer auf die Körpersprache. „Deshalb ist es ganz wichtig, an dieser Stelle die Kongruenz zu wahren zwischen dem, was man sagt und dem, was man mit Mimik und Körpersprache ausstrahlt.“
„Das ist ein besonderer Bäuerinnentag“, betonte Landesrat Ing. Erich Schwärzler, „weil man gespürt hat, wie sehr die Arbeit der Bäuerinnen mit der Region verbunden ist.“ Auch Bundes- und Landesbäuerin Andrea Schwarzmann würdigte die Arbeit ihrer Berufskolleginnen und ermunterte sie zu einem Nein zur rechten Zeit, um die Freude am Bäuerinsein und die eigenen Energien zu behalten. Anette Gerhold
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