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Vermarktung

Landwirte brauchen Verbündete

Gruppe
Franz Gaubitzer
am
01.07.2019

Qualität und Herkunft sollen bei Verbrauchern Kaufentscheidung bestimmen.

Einen leichten Rückgang um rund 11 000 ha Getreidefläche zeigte die heurigen Ernte-Pressefahrt der Landwirtschaftskammer Österreich. Sommergerste und Hartweizen (Durum) haben mit mehr als 23 % stark an Fläche eingebüßt, ein Plus gab es dagegen bei Wintergerste sowie Roggen und vor allem bei Körnermais.

Der erwartbare Rückgang der Rapsfläche wurde von LK Österreich Präsident Josef Moosbrugger, dem Obmann des Ausschusses für Pflanzenschutz der LK Österreich und Präsident der LK Burgenland, Dipl.-Ing. Niki Berlakovich sowie dem Präsidenten der LK Niederösterreich, Johannes Schmuckenschlager, auf das Verbot effizient wirksamer Pflanzenschutzmittel zurückgeführt. Auch der Schädlingsdruck wachse enorm. Diese Entwicklung zeige sich ganz deutlich an der Körnererbse, die auf eine Fläche von weniger als 5000 ha zurückgefallen sei.

Getreide wurde 2019 auf einer Fläche von 550 042 ha angebaut, dazu kommen 211 630 ha Körnermais sowie 184 000 ha Raps, Körnererbse, Sojabohne, Sonnenblume, Ölkürbis und Zuckerrübe. „Landwirte gehen ohne geeignete Werkzeuge in der Kulturführung dieses zu hohe Risiko nicht mehr ein“, betonten die Vertreter der Landwirtschaftskammer. So hätten vor allem in Niederösterreich und im Burgenland Derbrüssler und Erdfloh bei Zuckerrüben Schäden verursacht. Obwohl rund 80 % des Ernteertrages vom Wetter abhängig seien, rechnet man mit einer leicht unterdurchschnittlichen Ernte – abhängig vom Standort.
„Die Landwirtschaft steht vor immer größeren Herausforderungen. Der zunehmende Klimawandel und die damit einhergehende oft massenhafte Vermehrung von Schädlingen führen zu großen Schäden in der Landwirtschaft“, beklagte Johannes Schmuckenschlager, der bedauerte, dass der Konsument „bei Lebensmitteln wie etwa Brot immer seltener die Herkunft erkennen kann.“ Deshalb sei es den Vertretern der Bauernschaft ein großes Anliegen, die Herkunftskennzeichnung auch bei Grundprodukten wie Getreide noch stärker darzustellen; z. B mit Hilfe das AMA-Gütesiegels. Die Bauern lieferten ein heimisches Rohprodukt bester Qualität, das aber auf dem Weg durch die Verarbeitung bis ins Regal sein Gesicht verliere.
Nicht zuletzt führten nationale Alleingänge und der Wegfall von Wirkstoffen dazu, die österreichische Produktion gegenüber den Nachbarländern immer weniger konkurrenzfähig zu machen. „Die Kernaufgabe unserer Bauern ist es aber, die Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln zu gewährleisten. Österreichs Landwirte setzen daher Pflanzenschutzmittel unter Einhaltung weltweit höchster Standards ein, um ihre Ernte zu sichern“, erklärte Schmuckenschlager. Zur Unterstützung habe man die „LK Strategie Acker-Grünland“ erarbeitet, in der auch der Bereich Pflanzenschutz behandelt werde.
Gerade die sehr vielfältige heimische Landwirtschaft brauche angesichts des Klimawandels eine volle Werkzeugkiste für ihre Arbeit, betonte Schmuckenschlager und kam auf die aktuelle politische Entwicklung zu sprechen: „Wenn man ein Pflanzenschutzmittel nicht haben will, dann sollte man es nicht nur auf dem Acker verbieten, sondern auch aus den Regalen im Lebensmittelhandel nehmen!“
In dieselbe Kerbe schlug auch Niki Berlakovich, der auf die negativen Auswirkungen internationaler Handelskonflikte und den wirtschaftlichen Schaden, den Spekulanten bei Weltmarktpreisen für Getreide oder Soja anrichten, hinwies. In diesem Zusammenhang kam er auch auf das Handelsabkommen der EU mit dem „Mercosur“ – Argentinien, Brasilien, Paragay und Urugay – zu sprechen, wo das Szenario drohe, dass hochwertige heimische Lebensmittel mit gentechnisch veränderten, mit Glyphosat behandelten und unter Hormoneinsatz hergestellte Waren auf dem europäischen Markt in Konkurrenz treten müssen.
„Markenprogramme, Tierwohl und der Biomarkt gewinnen für die österreichische Produktion immer mehr an Bedeutung. Gerade im Biobereich liegt Österreich jetzt schon an der europäischen Spitze. Wir müssen daher eine nachhaltige Entwicklung dieses Marktsegmentes sicherstellen. Tatsache ist jedoch, dass derzeit Bio-Umstellungsgetreide nur zu den geringeren konventionellen Preisen vermarktet werden kann. Daher brauchen wir die Konsumenten als Partner, die mit ihrem Griff ins Regal den Markterfolg mitbestimmen“, forderte Berlakovich.
Mindestens ebenso wichtig bei Lebensmitteln seien Regionalität und Innovation, denn die Konsumenten würden bevorzugt zu regionalen Produkten greifen, unabhängig ob aus konventioneller oder biologischer Produktion. „Gleichzeitig bieten die Bauern mit innovativen Spezialitäten eine immer breiter werdende Vielfalt an und stoßen damit bei den Kunden auf große Zustimmung“, zeigte er sich überzeugt.
Auf die wesentlichen drei Ziele der von der LK Österreich und den LKs erarbeitete „LK Strategie Acker-Grünland“ kam Josef Moosbrugger zu sprechen: die Versorgungssicherheit mit heimischen Lebensmitteln nachhaltig sicherzustellen, dem Klimawandel zu begegnen und auf die kommende GAP optimal vorzubereiten. „Antworten gegeben wurden dabei auf die Herausforderungen in den Bereichen Innovation, Nachhaltigkeitskriterien, Biolandbau, Bioenergie und -ökonomie, Vermarktung, Eiweiß- und Zuckerstrategie, Pflanzenschutz, Klimawandel. All diese Ergebnisse bilden nun die Leitlinien für unsere künftige Arbeit und helfen so wesentlich mit, den Bauern Perspektiven auf dem Weg in die Zukunft aufzuzeigen.“
Moosbrugger weiter: „Das Grünland trägt einen wesentlichen Teil zur Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln bei. Die Eiweißfutterpflanzen sind ein hochqualitatives Futtermittel und essentieller Baustein der Eiweißstrategie. Auch der Anbau von Sojabohnen hat gezeigt, was alles möglich ist, wenn sich Forschung, Züchtung und Beratung in Österreich um eine Kultur bemühen. Um die einzigartige Eigenschaft von Leguminosen, Nährstoffe aus der Luft binden zu können, besser zu nutzen, bedarf es noch weiterer Bemühungen.“

Forschung und Züchtung seien auch im Kampf gegen den Klimawandel zwei wesentliche Faktoren und gerade der Klimawandel verlange von der Wissenschaft rasch geeignete Antworten für die Praxis, sprach er ein weiteres aktuelles Feld an. Auch hier erwarte er sich von der EU klare Entscheidungen. Denn für die Landwirtschaft bedeuteten Alleingänge immer eine Wettbewerbsverzerrung: „Bei uns verbotene Mittel oder Produktionsmethoden können den Handel nicht daran hindern, der heimischen Landwirtschaft schärfste Konkurrenz zu machen, indem er billige Lebensmittel aus Ländern mit weniger oder tieferen Standards in die Regale legt.“

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