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Öffentlichkeit

Landwirtschaft aus erster Hand

Ilse-Hager_B
Anette Gerhold
am
22.10.2018

Am Bäuerinnen-Aktionstag erklären Bäuerinnen heimische Produkte in Schulen

Dornbirn/Vorarlberg Rund um den Welternährungstag am 16. Oktober) findet der Bäuerinnen-Aktionstag in Österreich statt. Ziel ist es, den Kontakt zwischen den Bäuerinnen und den ortsansässigen Volksschulen, Kindern, Eltern, Lehrerinnen und Lehrern herzustellen und zu pflegen. In Vorarlberg gaben Bäuerinnenorganisation und Schulbehörde in der Volksschule Edlach den Startschuss zu der Aktion, die in 111 Schulklassen durchgeführt wurde und 1700 Volkschüler erreichte.

Bei den Kindern muss man anfangen

„Im Rahmen der Bäuerinnen-Aktionstage setzen wir seit mehr als zehn Jahren alljährlich im Herbst einen Schwerpunkt im Dialog mit Verbrauchern. Vor allem der Kontakt zu den Konsumenten von morgen ist uns Bäuerinnen ein großes Anliegen“, betonte Bundes- und Landesbäuerin Andrea Schwarzmann. In den letzten drei Jahren konnten rund 2200 Bäuerinnen bundesweit in mehr als 1100 Volksschulen rund 100 000 Schülerinnen und Schüler erreichen und ihnen eine Landwirtschaft zum Anfassen präsentieren. Heuer lautet das Motto „Vom Küken zum Ei“, wobei es um die heimische Qualität beim Essen geht, angefangen von der Haltungsform bis hin zur Eikennzeichnung.
Organisiert wurde der Aktionstag von der Geschäftsführerin der Bäuerinnenorganisation, Pamela Gumpinger: „Der Bäuerinnen-Aktionstag in Volksschulen ist eine gute Ergänzung zu den bestehenden Projekten der Landwirtschaft, wie zum Beispiel Schule am Bauernhof. Gut aufbereitet macht es den Kindern Spaß, sich mit Lebensmitteln und deren Herkunft auseinanderzusetzen und spielerisch zu lernen, dass die Milch ursprünglich nicht aus dem Regal und das Schnitzel nicht aus der Küche kommt.“

Ortsbäuerinnen haben eine wichtige Rolle

Großes Engagement beweisen dabei die jeweiligen Ortsbäuerinnen. Theresia Winder vom Beerenhof Winder und Ortsbäuerin Ilse Hager versorgten die Erstklässler mit einer schmackhaften Jause und Informationen übers Vorarlberger Ei. „Konsumenten soll bewusst werden, dass sie durch jede Kaufentscheidung eine Produktionsart unterstützen. Mit bewussten Kaufentscheidungen kann jeder die regionale und nachhaltige Landwirtschaft unterstützen. Wir Bäuerinnen möchten einen Einblick in unsere Arbeit geben und aktiv daran mitgestalten, welches Bild über unseren Berufsstand entsteht“, verdeutlichte die Ortsbäuerin ihre grundsätzliche Haltung.
Davon ist Bauer Michael Natter aus Bezau überzeugt. Der Praktiker aus der Geflügelwirtschaft hob hervor, dass die Geflügelhaltung in Vorarlberg wieder eine größere Rolle spielt seit die Käfighaltung verboten wurde. Inzwischen können 50 % des Vorarlberger Bedarfs wieder mit Eiern aus dem eigenen Land gedeckt werden. Der Konsument ist auch bereit, für das Produkt mehr auszugeben, weil er weiß, was dahintersteckt.
Auf seinem Betrieb gibt es seit 1994 Hühner, mittlerweile 2300 Stück. Die gesamte Eiproduktion wird direkt vermarktet, Abnehmer sind Gastronomie, Einzelhandel, Privatpersonen, teilweise verarbeitende Industrie (Bäckerei, Konditorei).
Angelika Walser möchte den Aktionstag nicht missen. „Das ist für uns ein ganz wichtiges Angebot, weil es wirklich lernen fürs Leben ist. Die Kinder lernen, woher die Produkte kommen und welcher große Aufwand dahintersteckt, bis das Produkt auf dem Teller landet. Zudem lernen sie die Leute persönlich kennen“, so die Fachinspektorin für Ernährung und Haushalt beim Landesschulrat für Vorarlberg. „Es ist nicht nur Wissen aus dem Schulbuch, sondern sie lernen Bäuerin und Bauer kennen. Das ist ganz in unserem Sinn, wir schätzen diese Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer und den Bäuerinnen sehr und hoffen, dass es noch lange so sein wird.“

Kennzeichnung in der Gastronomie nötig

Abschließend wies Schwarzmann auf die Verwendung von Eiern beim Essen in Kantinen, Betriebsrestaurants und anderen Einrichtungen der öffentlichen Verpflegung, wo man nicht erkennen kann, ob Käfigeier aus anderen Ländern in der Speise enthalten sind. „Österreichs Eier werden unter Einhaltung höchster Tierschutzstandards produziert. Überall dort, wo der Konsument die Wahl hat zu entscheiden, wird er zu heimischen Produkten greifen.“

In der Außer-Haus-Verpflegung und in der Verarbeitung sei derzeit noch keine verpflichtende Kennzeichnung der Herkunft und Haltungsform beim Ei vorgesehen. Es zähle hier nur der Preis. Die Umsetzung einer klaren Information über Herkunft und Haltungsform wäre wünschenswert und notwendig für Verbraucher, die Eier aus Österreich konsumieren wollen. Dazu gibt es auch die bundesweite LK-Initiative „Gut zu wissen“, die eine Herkunftskennzeichnung in der Gemeinschaftsverpflegung bei Fleisch und Eiern zum Ziel hat (www.gutzuwissen.co.at).

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