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Bewirtschaftung

Mehr Artenvielfalt durch abgestufte Grünlandwirtschaft

Abgestufte Grünlandwirtschaft
LK Oberösterreich
am
29.07.2019

In der abgestuften Grünlandwirtschaft (AGW) findet ein bewusster Nährstofftransfer zwischen Magerstandorten und ertragsbetonten Wiesen statt.

Linz Österreichs bäuerliche Tierhalter brauchen Grünlandflächen zur Versorgung ihres Viehs mit eiweißreichem Grundfutter. Nach jedem Schnitt werden diesen Flächen durch Gülle oder Festmist die entzogenen Nährstoffe zurückgegeben. Böden, auf denen das nicht in ausreichendem Maße funktioniert, verlieren über die Jahre ihre Produktionskraft. Diese unterversorgten Standorte sind aber für den Naturschutz von großem Interesse.

Bewusster Nährstofftransfer

„In der Abgestuften Grünlandwirtschaft (AGW) findet ein bewusster Nährstofftransfer zwischen Magerstandorten und ertragsbetonten Wiesen statt. Dadurch können beide Ziele – optimale Futtererzeugung und artenreiche Wiesengesellschaften – erreicht werden“, erklärt Oberösterreichs Agrarlandesrat Max Hiegelsberger. Er plant, das Beratungsangebot in diese Richtung auszubauen. „Ob und wie das in der Gemeinsamen Agrarpolitik verankert werden kann, hängt von den laufenden Verhandlungen und der zukünftigen Ausgestaltung ab.“

„Das AGW-Konzept beruht darauf, dass die einem Betrieb zur Verfügung stehenden Grünlandflächen unterschiedlich intensiv bewirtschaftet werden. Ertragsbetonte Standorte bestehen neben nutzungsreduzierten. Neben der unterschiedlichen Anzahl an Nutzungen werden auch die Ernährung der Pflanzen durch die Rückführung von Nährstoffen und die Auswahl des Pflanzenbestandes auf den Flächen unterschiedlich gestaltet“, erläutert Landwirtschaftskammer-Präsidentin Michaela Langer-Weninger.

Charakteristische Pflanzen etablieren sich

Auf diese Weise können sich auf den nutzungsreduzierten Flächen wieder Pflanzenarten etablieren, die für die jeweiligen Böden, Höhenlage, Exposition und Schnittzahl charakteristisch sind. Die Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten nimmt wieder zu. Die Geschwindigkeit in der das passiert, wird maßgeblich vom natürlichen Nährstoffnachlieferungsvermögen der Böden beziehungsweise von deren Eignung zur Aushagerung bestimmt. Auf feuchteren, lehmigen Standorten kann dies unter Umständen sehr lange dauern. Trockene sandige Böden werden viel rascher zu einem „bunten“ Aspekt gelangen.

In den Jahren 2016 bis 2018 wurden der abgestufte Wiesenbau auf Modellbetrieben im Mühlviertel und den angrenzenden Bezirken im Rahmen eines EIB-Projektes erprobt. Aus den Erfahrungen wurde ein Handbuch als Anleitung zur Umsetzung für die Beratung sowie für interessierte Betriebe erstellt.

Eine klare Empfehlung für die Abgestufte Grünlandwirtschaft gibt es auch vom Umweltdachverband: „Wir begrüßen den abgestuften Wiesenbau als effiziente und naturverträgliche Maßnahme, die einen Teil unserer Wiesen wieder bunt aufblühen lässt, damit Insekten und bunte Vogelarten in unserer Kulturlandschaft erhalten bleiben“, so Geschäftsführer Gerald Pfiffinger.

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