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Vorarlberg Milch

Milchpreis und Umsatz angestiegen

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Anette Gerhold
am
18.06.2018

Drin ist, was drauf steht: 100 Prozent Milch aus dem Ländle kommt bei den Kunden an und sorgt für steigende Nachfrage. Dazu schreitet das Generationenprojekt mit Neubau von Käselagerung und -abpackung voran.

Nach zwei schwierigen Jahren konnte die Vorarlberg Milch im Wirtschaftsjahr 2017 wieder einen sehr positiven Abschluss erreichen.

Das Unternehmen mit der über 70-jährigen Geschichte setzt auf hochwertige Milchprodukte. Einer der Grundpfeiler der Produktphilosophie ist die ausschließliche Verarbeitung von Milch aus Vorarlberg, seit Jahrzehnten lautet die klare Botschaft daher 100 % Ländle Milch. „Das unterscheidet die Vorarlberg Milch von vielen anderen, auch Mitbewerbern“, betont Geschäftsführer Mag. Raimund Wachter bei der traditionellen Pressekonferenz im Vorfeld der Generalversammlung. Entsprechende Prüfungen und Kontrollinstrumente, etwa das Ländle Gütesiegel, bestätigen, dass drin ist, was draufsteht.
Produziert werden nur Spezialmilchsorten: gentechnikfreie Milch, Heumilch und Biomilch. Dies müsse hervorgehoben werden, weil die Vorarlberg Milch immer wieder mit Billigprodukten, speziell aus Deutschland, verglichen werde. „Da redet man von Werksmilch oder Industriemilch. Das gibt es bei der Vorarlberg Milch definitiv nicht. Wir sind nicht im Massensegment, wir stellen Premiumprodukte mit einer ganz klaren regionalen Herkunft her.“

180 000 Liter Milch täglich verarbeitet

Die Zahl der Milchlieferanten ist aktuell bei 460, was einen leichten Rückgang von drei Prozent darstellt. Grund ist der „normale“ leichte Rückgang bei der Zahl der Landwirte. Die Mitarbeiterzahl ist mit 121 sehr konstant. Die jährliche Milchanlieferung liegt bei 65 Mio. kg, das ist eine Steigerung von 3,6 % im Vergleich zum Vorjahr. Greifbarer ist die Zahl von 180 000 l/Tag, die am Standort in Feldkirch nicht nur verarbeitet, sondern veredelt werde.
Im Jahr 2017 wurden 26,7 Mio. € Milchgeld ausbezahlt. Fast 27 Mio. € Wertschöpfung werden dadurch für die Landwirte erreicht. Im Vergleich zu 2016 wurden somit rund 4,5 Mio. € mehr ausbezahlt. Der durchschnittliche Milchpreis lag im Jahr 2017 bei 40,6 ct inkl. Mwst. Damit komme der Milchpreis nach den zwei schwierigen Jahren 2015/16 jetzt wieder auf ein vernünftiges Niveau.
Der aktuelle Milchpreis lag im Mai 2018 bei gentechnikfreier Milch bei 36,2 ct/kg inkl. Mwst., bei Heumilch bei 44 ct und bei Biomilch bei 49,1 ct. Damit findet sich der Preis ziemlich auf dem Vorjahresniveau beziehungsweise leicht darunter. Generell liegt die Vorarlberg Milch etwa 30 % über dem deutschen Milchpreis und ungefähr 10 % über dem der österreichischen Nachbarn.
Der Warenumsatz lag im Jahr 2017 bei 50 Mio. €, damit wurde erstmals die 50-Mio. €-Hürde geknackt. Das ist eine Steigerung von 8,6 % zum Vorjahr. Mit dieser Steigerung liegt die Vorarlberg Milch über dem Branchenschnitt. Etwa 72 % der Produkte wurden im Inland verkauft, 28 % exportiert. Kernländer für den Export im Käsebereich sind Deutschland, Benelux, Skandinavien, Norditalien und neu auch Spanien.
Das Betriebsergebnis war mit einem Bilanzgewinn von 140 700 € positiv. „Das ist summa summarum auch die Kernaussage über das Wirtschaftsjahr 2017: das Milchgeld konnte glücklicherweise aufgrund der Marktgegebenheiten wieder positiv entwickelt werden, andererseits ist ein erfolgreiches Umsatzwachstum durch die Akzeptanz unserer Milchprodukte gegeben“, freut sich die Führungsspitze über die starke Marke, die die Kunden schätzen und gerne kaufen.

Tierwohl-Richtlinien zu Jahresbeginn verankert

Beim viel diskutierten Thema Tierwohl hat die Vorarlberger Molkerei Maßnahmen gesetzt. Seit Beginn des Jahres 2018 sind die neuen Tierwohlrichtlinien in der Milchlieferverordnung verankert. Eine dauernde Anbindehaltung ist untersagt, verpflichtend sind mindestens 120 Tage Auslauf, Weide oder Alpung. „Das sind neue, zukunftsweisende Schritte gegenüber den Konsumenten, um die Wünsche zu erfüllen, die auch immer wieder kundgetan werden“, so Wachter.
Kontrolliert werden die Maßnahmen durch agroVet, eine unabhängige Kontroll- und Zertifizierungsstelle. Zudem sind alle Landwirte Mitglied beim Tiergesundheitsdienst, was nicht selbstverständlich ist. Sie werden mindestens einmal jährlich von einem Tierarzt betreut, kontrolliert und beraten. Maßstäbe setzt die Vorarlberg Milch als erste Molkerei auch im Bereich Umwelt. Mit Beginn des Jahres ist der Einsatz von Glyphosat auf Acker- und Grünlandflächen verboten.

Generationenprojekt als Highlight

Bereits bei der letzten Generalversammlung wurde das aktuelle Bauvorhaben vorgestellt. Planstart und Spatenstich waren zeitgerecht, die wichtigsten Inhalte sind unverändert. Danach wird eine neue Bruttogrundfläche von etwa 7800 m2 geschaffen. Schwerpunkte liegen im Bereich Käsekeller, Käseabpackung und Hochregallager. Dies zeigt, dass die Entwicklung noch mehr in Richtung Käsekompetenzzentrum geht.
Der Käsekeller wird künftig eine Reifekapazität von 3600 t erhalten. Im Hochregallager werden 13 000 Paletten Platz haben. Die Investitionssumme beträgt 25 Mio. €. Mit der Fertigstellung wird im Frühjahr 2019 gerechnet. „Dieses Bauvorhaben ist für die Vorarlberg Milch nicht nur ein Meilenstein, sondern ein klares Signal für das Bekenntnis für die Vorarlberger Landwirtschaft“, bekräftigt der Geschäftsführer.
Woher kommt der Optimismus, dass das Generationenprojekt auch erfolgreich wird? Aktuell konnte die Vorarlberg Milch wieder tolle Auszeichnungen in Sachen Käsekompetenz erreichen. Bei der Käsekaiser Gala in Spielberg errang die Molkerei drei Käsekaiser für die Ländle Produkte Räßkäse, Weinkäse und Klostertaler. Eine weitere Bestätigung bekam der Ländle Klostertaler bei den World Cheese Awards in London, dem größten Käsewettbewerb weltweit mit etwa 3000 eingereichten Produkten aus 35 Ländern, wo er mit der Auszeichnung SuperGold unter die 50 besten Käse der Welt kam.

Genussprodukt statt Brotbeschwerer

Zu den Produktneuheiten gehört der Ländle Arlberger, ein Heumilchkäse mit fünf Monaten Reifezeit. Der Schnittkäse enthält 55 % Fett i.Tr., was Wachter mit den Worten kommentierte: „Wir sind keine Diätmolkerei, sondern eine Genussmolkerei.“ Der Konsument soll mit Genuss und Charakter überzeugt werden. Wenn der neuen Käsekreation Aromen gerösteter Erdnüsse oder Maroni zugeschrieben werden, zeigt das auch, dass die Käsesprache bunter wird. Käse sei schließlich kein Brotbeschwerer, sondern ein Genussprodukt. Das Heumilch-Gütesiegel garantiert dabei höchste Qualität aus Vorarlberg. Ganz neu in den Regalen der Supermärkte ist auch die Schokomilch in der 1-l-Familienpackung. Das neue Produktkonzept für den Familienfrühstückstisch orientiert sich hier am Convenience-Gedanken.
Der Obmann der Vorarlberg Milch, Reinhard Summer, bestätigte, dass im Jahr 2017 sowohl für die Genossenschaft, als auch für die Milchlieferanten ein sehr erfolgreiches Jahr war. Mit dem Generationenprojekt wolle die Vorarlberg Milch die Existenzen der bäuerlichen Familien als Mitglieder absichern. Etwas Sorge bereite ihm aktuell aber die Milchmengensteigerung in Europa und der erneute Preisabfall im heurigen Jahr gegenüber dem Vorjahr. Im Vergleich zu anderen österreichischen Molkereien verfüge die Vorarlberg Milch aber über eine sehr gute Eigenkapitalquote und bisher auch eine geringe Fremdkapitalbelastung; deshalb sei jetzt der richtige Zeitpunkt, in ein neues Projekt zu investieren.

In Sachen Tierwohl sei die Vorarlberg Milch bereits einen Schritt weiter und könne abwarten, was von der Regierung zur Einführung des Tierwohllevels, der Kennzeichnung von Herkunft und Haltung alles kommt. „Wir legen Wert auf gut geführte Tierhaltungsbetriebe und dass die Ansprüche der Konsumenten mitberücksichtigt werden“, wendet er sich an die Milchlieferanten.

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