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Betriebsplan

Rinderhaltung - Nicht größer, sondern besser werden

FM_Fleckvieh
Florian Maucher
am
15.05.2018

27 Kühe sind genug – darin sind sich die Mitglieder der Familie Ammann aus Röns in Vorarlberg einig. Die begeisterten Rinderzüchter investieren lieber in die Gesundheit und Leistungsfähigkeit ihrer Tiere.

FM_Stall

Mehr Kühe wollen wir auf keinen Fall“, sind sich Michael Ammann und sein Sohn Tobias absolut einig, „mit jeder Kuh mehr haben wir nur mehr Arbeit, aber unterm Strich nicht mehr Geld.“ Für 20 Kühe plus Nachzucht wurde der Stall vor rund 25 Jahren am Ortsrand von Röns in Vorarlberg gebaut und zuletzt lediglich um sieben Kuhplätze sowie um einen modernen Kälberstall erweitert.

FM_Kamera

Der Laufstall gehörte einst zu den ersten der Region und Ammanns sind bis heute überzeugt vom Haltungssystem: „Die Kühe haben den ganzen Tag Bewegung und das Austreiben im Sommer könnte nicht unkomplizierter sein. Absolut entscheidend ist genug Platz: Jede Kuh muss einen Fress- und Liegeplatz für sich haben und die Gänge hat man damals mit bis zu 3,5 Meter zum Glück schon breit genug gemacht“, zeigt sich Ammann zufrieden. Den Sommer verbringen die Rinder und ein Teil der Kühe ohnehin auf Alpen im nahe gelegenen Montafon.

Dorfsennerei ist eine gute Ausgangslage

FM_Ammann

Eine gute Ausgangslage für die Wirtschaftlichkeit des Betriebes bildet die Dorfsennerei Schlins-Röns, über die die Landwirte einen Milchpreis von rund 50 ct für ihre konventionelle Heumilch erhalten. Die Genossenschaftskäserei gehört acht Bauern und beschäftigt zehn Angestellte, drei davon in Teilzeit. 1,5 Mio. l Eigenmilch werden pro Jahr verarbeitet und zu 80 % selbst vermarktet. Ergänzend wird Milch von der Vorarlberg Milch zugekauft und in deren Auftrag Bergkäse produziert. Auch aus der eigenen Milch wird überwiegend Bergkäse hergestellt und über den Lebensmittel-Einzelhandel in ganz Vorarlberg vermarktet. „Die Preise mit dem Handel machen wir selbst aus“, erklärt Michael Ammann, der zugleich Obmann der Genossenschaft ist, „wir können da gute Preise erzielen, weil wir mit unserer Qualität und Regionalität ein Aushängeschild für den Handel sind.“

FM_Kälberstall

Für die Milch sorgt überwiegend die Traditionsrasse Braunvieh. „Die Rasse steht schon 100 Jahre am Betrieb und hat sich für unseren Betrieb wegen der guten Fundamente und der Langlebigkeit bewährt. Wir verkaufen jedes Jahr zwischen zehn und 15 Jungkühe“, erklärt der 20-jährige Hofnachfolger. Zu dessen Schulabschluss sollte aber frische Farbe in den Stall. Die trächtige Fleckviehkalbin Winni (V: Waldstein), die er von seinem Vater zu diesem Anlass geschenkt bekam, begeistert die leidenschaftlichen Züchter seither: „Das Fleckvieh steht den Braunen in der Milchmenge in nichts nach, bringt aber die deutlich besseren Fleischpreise“, erklärt der Jungzüchter.

Auch bei Ausstellungen brachte die Fleckviehkuh dem Betrieb Erfolge ein: Die inzwischen fünfjährige Kuh, die bereits drei Kälber brachte, konnte im Herbst letzten Jahres die Rasseschau Vorarlberg in Dornbirn als Gesamtsiegerin und Gesamt-Eutersiegerin Fleckvieh verlassen. Zuvor gewann sie jeweils im Herbst 2016 und 2017 in ihrer Rasse zweimal die Gebietsausstellung in Schnifis.

In Sachen Schauerfolge steht aber das euter- und fundamentstarke Braunvieh der Ammanns in nichts nach. Vor allem auf gute Euter wird am Betrieb größtes Augenmerk gelegt: „Davon hängt ab, wie alt eine Kuh wird und da kommt das Geld raus“, erklären die Züchter. Deshalb würden bei der Bullenauswahl hinsichtlich der Milchmenge, Melkbarkeit und Zellzahl keine Kompromisse gemacht. Die gesamte Braunviehherde geht auf Stammkuh Chaplin Möve (geb. 1976) zurück, die erst 20-jährig mit 96 000 kg Milch und 14 Kälbern den Betrieb verließ.
Aus Möve stammen Kühe wie Annibal-Tochter Marokko, die Typchampion der Nightshow 2016 in Dornbirn wurde und trotz Alpung eine Erstlingsleistung von 7076 kg Milch bei 3,78 % Fett und 3,47 % Eiweiß erzielte. Ebenfalls ein tolle Exterieur-Kuh ist Maya (V: Fantastic), die eine Erstlings-Leistung von 7791 kg Milch bei 3,78 % Fett und 3,41 % Eiweiß erreichte und den Reservesieg bei der Gebietsausstellung 2017 in Schnifis vorweisen kann. Die Spitzenkuh in Sachen Milchleistung ist Vasir-Tochter Maeryrose: „Sie kommt mit sieben Jahren und 57 000 Liter Milch auf eine Lebenstags-Leistung von 22 Liter.“ Zudem brachte sie bisher jährlich ein Kalb und eine Höchstleistung von 12 600 kg pro Laktation.
Um auf diesem Level weiterzüchten zu können, setzen Ammanns mit Stieren wie Blooming, Nescardo, GenoxBoy, Salom, Assay, Falk und Biver auf einen bunten Strauß an Genetik. „Speziell gespannt sind wir aber auf die Blooming-Tiere – laut den Zahlen müssten die sowohl in Richtung Exterieur als auch Milchmenge gute Ergebnisse und außerdem schöne Euter bringen. Wir hoffen, dass das stimmt, was der Zuchtwert sagt“, erklären die Eigenbestands-Besamer. Erstmals Abkalben sollen die Tiere möglichst im Alter von 24 Monaten: „Dadurch ist die Aufzucht günstiger“, rechnen die Rinderhalter vor, die zudem den Winter als Abkalbe-Zeitraum anstreben: „Da haben wir am besten Zeit, uns intensiv um die Kälber zu kümmern und können sie gleich ab dem ersten Sommer auf die Alp schicken.“
Zum Abkalben kommen die Kühe in die im Neubau realisierte Abkalbebucht. „Die haben wir mit vier auf fünf Metern deutlich größer gemacht als davor mit zwei mal drei Metern. Außerdem haben wir eine Videokamera installiert, die uns ein Livebild auf das Handy schickt“, so der Junior, der das als große Arbeitserleichterung empfindet, da der Stall rund 150 m vom Wohnhaus entfernt liegt und man sich so dank eines Blicks auf den Bildschirm nächtliche Radtouren ersparen kann. 200 € kostete die Technik, die sich aber schnell bezahlt mache.

Problem durch viele kleine Flächen

Bezahlbar sind auch die vielen Pachtflächen. Probleme entstehen eher daraus, dass es viele kleine Flächen gibt, die inzwischen oft in privater Hand sind, weil viele Landwirtschaften schon vor Jahrzehnten aufgegeben wurden. „Auf den Flächen entstehen leider immer häufiger Siedlungen“, erklärt Michael Ammann und weiß um die günstige Lage des Orts, von dem aus es nur 15 Autominuten nach Feldkirch und 20 nach Bludenz sind, „wir haben hier eine schöne Wohnlage mit noch erschwinglichen Grundstückspreisen.“

Die rund 32 ha Grünland, die der Betrieb bewirtschaftet, verlangen von der Familie eine hohe Arbeitsleistung. Ohne Motormäher und Handarbeit kommen sie auf kaum einer ihrer Flächen aus und alle Generationen sind gefragt. „Sogar unsere Oma ist mit fast 80 Jahren an den Steilhängen noch mit dabei und verbraucht mit dem Heubläser 20 Liter Benzin am Tag“, freut sich Enkel Tobias um die stolze Leistung seiner rüstigen Großmutter. Sehr arbeitsintensiv sind auch die vielen Landschaftselemente wie Bäume und Feldhecken.
Maximal vier Schnitte können Ammanns von ihren Flächen erzielen. Auf vielen der Flächen sind aber nur ein bis drei Schnitte möglich. Damit Qualität am Futtertisch landet, werden die Flächen neben Gülle und Mist zusätzlich mit 30 kg Stickstoff je ha und Schnitt über Mineraldünger versorgt. Geschnitten wird das Futter jung und je nach Witterungslage maximal 24 Stunden am Feld gelassen. Um Bröckelverluste möglichst zu vermeiden, wird nur sparsam gekreiselt. Mit rund 35 % Restfeuchte fahren Ammanns das Futter in den Stock ein und belüften tagsüber mittels Warmluft aus der Dachabsaugung. Nachts wird generell eine ölbetriebene 120-kW-Heizkanone zugeschaltet: „Gerade in der ersten Nacht kann man so vermeiden, dass der Stock ,zusammenhockt‘ und es graue Stellen gibt. Wir schichten den Stock auch einmal komplett von innen nach außen um, weil es an den Wänden immer etwas besser trocknet. Gutes Futter ist die Grundlage von gesunden und leistungsfähigen Tieren – da sparen wir nicht.“
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