Login
Waldstrategie

Ein seltener Erfolg

Thumbnail
Simon Michel-Berger, Wochenblatt
am
19.05.2016

Wien - Es ist beachtlich, was mit der Waldstrategie 2020+ gelungen ist: Staat, Waldeigentümer und Umweltschützer haben sich an einen Tisch gesetzt und gemeinsame Zukunftspläne für die Waldnutzung entwickelt.

Simon Michel-Berger

Es wäre schön, wenn dies in anderen Bereichen auch gelänge - Stichwort Tierhaltung.
Selbst kritische Themen wie Naturwaldreservate wurden in der Strategie thematisiert. Hier zeigt Österreich auch dem großen Nachbarn Deutschland, wo es langgeht. Die bundesdeutsche Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt von 2007 fordert beispielsweise bis 2020 eine Stilllegung („natürliche Entwicklung“) von 5 Prozent der heimischen Waldfläche. Einen anderen Weg geht man übrigens in der bayerischen Biodiversitätsstrategie - sie enthält auch konkrete Ziele, jedoch keine Vorgaben zur Stilllegung im Wald.
So viel Konsens wie in der österreichischen Strategie hat auch seinen Preis. 95 Seiten hat das Dokument, 49 Ziele werden darin benannt. Kaum jemand dürfte in der Lage sein, auch nur die Hälfte davon auswendig aufzuzählen. Die Strategie beginnt mit einem Zitat von Management-Guru Peter Drucker: „Strategie handelt nicht von zukünftigen Entscheidungen. Strategie handelt von der Zukunftswirkung heutiger Entscheidungen.“
Doch Drucker hat auch gesagt: „Nur was gemessen wird, wird auch verbessert.“ Hier hapert es in der Waldstrategie. Messbare Ziele sind rar. Ziel 6.6 etwa, „Forcierung des Ausgleichs der vielfältigen Interessen und Ansprüche an den Wald“, hat als einen Erfolgsfaktor „Partizipative Ansätze/Lösungen für den Interessensausgleich“. Das heißt alles und nichts.
Am Ende bleibt die Frage: Was kann eine ehrenwerte aber leicht nebulöse Strategie erreichen? Die Antwort werden die kommenden Jahre bringen.

Auch interessant