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Nach dem Übergriff sitzt der Schock tief

on_Christian Kronreif Pfarrwerfen
Paul Kannamüller
am
22.05.2018

LK Salzburg: Wolfsattacke zeigt Handlungsbedarf

on_Christian Kronreif Pfarrwerfen

Der jüngste Übergriff eines Wolfes auf eine Schafherde nahe Pfarrwerfen im Pongau hat jetzt die Salzburger Landwirtschaftskammer alarmiert. Für LK-Präsident Franz Eßl ist der neuerliche Fall eine Bestätigung dafür, „dass europaweit dringend Handlungsbedarf besteht.“ Die Gesellschaft stehe vor der Wahl, ob sie weiterhin eine traditionelle Landwirtschaft mit Weide- und Almwirtschaft haben möchte oder ob sie sich für den Wolf entscheide. Letztendlich sei davon nicht nur die Landwirtschaft betroffen, sondern auch der Tourismus und die gesamte Bevölkerung im ländlichen Raum.

Am vergangenen Wochenende kam es am Betrieb von Roswitha und Christian Kronreif (Arlbauer in Pfarrwerfen) offenbar zu einer Wolfsattacke auf eine Schafherde, bei der auch Tiere zu Schaden kamen. Dabei sei ein Schaf schwer verletzt sowie ein kostbarer Widder zu Tode gebissen worden, wie der betroffene Landwirt mitteilt. Nach Angaben der Salzburger Landwirtschaftskammer seien inzwischen von den getöteten Tieren DNA-Proben sichergestellt worden, um abzuklären, ob es sich tatsächlich um einen Wolf handelte. Wie nun von Mag. Gundi Habenicht, der in der Salzburger Landesregierung für den Wolf zuständigen Mitarbeiterin, zu erfahren war, deuteten die Rissspuren allerdings auf einen solchen Angriff hin.
Kammeramtsdirektor Nikolaus Lienbacher suchte den Betrieb auf: „Der Fall zeigt, dass der Wolf offenbar auch bereits in Siedlungsnähe auftritt“, erklärte Lienbacher. Beim Wolf handele es sich um eine streng geschützte Art, wo es nur unter bestimmten Bedingungen zulässig sei, Tiere zu entnehmen. Tatsache sei aber auch, dass sich bereits in vielen Regionen Europas, besonders im Alpenraum, massiver Widerstand gegen den Wolf rege.
Einige Almbetreiber im Alpenraum haben aus mehreren Wolfsattacken inzwischen die Konsequenzen gezogen und schicken keine Schafe mehr auf die Alm. Wolf und Almwirtschaft seien völlig unvereinbar, hieß es. Beispielsweise werden auf die Hirzbachalm rund um das Imbachhorn zwischen Kaprun und Fusch kaum noch Schafe aufgetrieben. Grund dafür sei die Angst vor dem Wolf, sagt etwa Josef Zandl von der Gutsverwaltung Fischhorn. Dort gab es im Sommer 2015 etliche Wolfsattacken, bei denen 68 Schafe zu Tode gekommen waren. Manche durch direkte Attacken von Wölfen, andere indirekt durch Absturz. „Die wurden in ein Gelände gedrängt, wo sie dann abgestürzt sind“, schilderte Zandl.
Wolfsdichte Zäune seien in diesem Gelände laut Zandl nicht machbar. Und der Schutz der Weidetiere durch Hirten sei zu aufwändig, mit Herdenschutzhunden habe man in anderen Regionen schlechte Erfahrungen gemacht, weil diese auch Wanderer attackieren würden, wie es heißt. So bleibe nur, die Almen zu schließen, was aber insgesamt die Landwirtschaft nachhaltig verändern würde, befürchtet Zandl. Im schlechtesten Fall müsste man die Tiere dann sogar in Tallagen in den Stall sperren, was praktisch einer ganzjährigen „industriellen Stallhaltung“ gleichkäme. „In unserer Kulturlandschaft sei ein Nebeneinander von Wolf und Almwirtschaft nur dann möglich, wenn der derzeit streng geschützte Wolf in Zukunft bejagt werden darf“, ist Zandl überzeugt.
Weil davon auszugehen ist, dass die Wölfe mehr werden und Rudel bilden, wird vom Landesjägermeister Max Mayr-Melnhof ein Wolfsmanagement gefordert. „Wir verlangen eine wolfökologische Raumplanung europaweit“, sagt er. Damit soll darauf geachtet werden, wo der Wolf sich in welchen Mengen ausbreitet. „Und wenn er in Gebiete vordringt, wo das zu Problemen führen kann, dann muss man damit umgehen können.“ Nach EU-Recht ist der Wolf derzeit europaweit streng geschützt und darf in seinem Lebensraum nicht gestört geschweige denn gejagt werden. Um sich auf die Rückkehr des Wolfes vorzubereiten, hat sich die Jägerschaft inzwischen zu einer „Jagd Österreich“ zusammengeschlossen.

Aktualisierte Informationen bietet die neue Webseite https://www.salzburg.gv.at/themen/aw/wolf

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