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Milchverarbeitung

Umsatz der österreichischen Milchverarbeiter stieg 2016 um 4,3%

aiz
am
30.03.2017

Wien - Die Umsätze der heimischen Molkereien und Käsereien sind im Jahr 2016 um 4,3% auf rund 2,45 Mrd. Euro gestiegen, wobei es einerseits zu Preisabschlägen kam, die allerdings durch höhere Mengen und höherwertige Verarbeitungsschritte aufgefangen werden konnten.

Käserei

Das bereinigte Ergebnis (EGT) in Prozent der Betriebsleistung lag im Durchschnitt bei 0,8%, was auf die knappe Ertragslage der Molkereien hinweist. Dies berichtete heute der Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM), Helmut Petschar, vor Journalisten in Wien. Die international schwierige Marktlage habe sich mittlerweile stabilisiert, diese Situation dürfte vorerst anhalten, so Petschar.

Milchkrise überstanden

"2016 war für die österreichische Milchwirtschaft ein sehr schwieriges Jahr. Im ersten Halbjahr war der europäische Milchmarkt aufgrund der anhaltenden Folgen des Russland-Embargos, der Mehranlieferungen durch die Abschaffung der Milchquoten sowie wegen der verhaltenen Nachfrage auf wichtigen Exportmärkten mit einer tiefen Krise konfrontiert, die auch für die heimischen Milchbauern und Verarbeiter schwerwiegende Preisrückgänge bedeutete. Erst als aufgrund der sehr tiefen Preise in wichtigen EU-Produktionsländern die Milchmengen deutlich zurückgingen, konnte eine Erholung auf den Märkten eintreten, die ab Herbst 2016 auch in Österreich spürbar wurde", berichtete Petschar. Diese Entwicklung sei durch Maßnahmen auf EU-Ebene (Intervention und freiwillige Lieferrücknahme) unterstützt worden, sodass es Anfang 2017 zu einer zunehmenden Stabilisierung auf den Märkten gekommen sei.

Der große Mengendruck während der Milchkrise führte besonders am Eiweißmarkt zu äußerst schwierigen Marktbedingungen, erst massive Interventionsankäufe durch die EU-Kommission im Umfang von 350.000 t Magermilchpulver sorgten für eine Stabilisierung, während bei Butter die Interventionsschwelle gar nicht ausgelöst wurde. Der Fettmarkt erholte sich auch früher und ist mittlerweile für die positive Trendwende am Milchmarkt verantwortlich.

Anlieferung um 3% gestiegen

Die österreichische Milchanlieferung lag 2016 mit 3,2 Mio. t um 3% über dem Wert des Vorjahres, wobei sie im ersten Halbjahr stärker ausfiel, während in der zweiten Jahreshälfte Rückgänge zu verzeichnen waren. Die freiwillige Milchliefer-Rücknahme-Aktion der EU ab Oktober 2016 sowie die ergänzenden nationalen Maßnahmen im ersten Quartal 2017 haben diesen Anlieferungstrend unterstützt.

Erzeugerpreise um 6,3% gesunken

Die Erzeugermilchpreise sind 2016 in Österreich um 6,3% auf 35,41 Cent brutto/kg gesunken (Basis: natürliche Inhaltsstoffe, ab Hof). Für Milch mit 4% Fett und 3,4% Eiweiß ergab sich eine Verringerung von 33,21 auf 30,65 Cent netto. "Trotz dieser Rückgänge lagen die heimischen Preise im letzten Jahr deutlich über dem EU-Schnitt und zwar um zirka 3 Cent/kg. Dabei ist zu beachten, dass Österreich aufgrund der viel kleineren Struktur Mehrkosten bei Logistik und Anfuhr hat, für die kein Ausgleich besteht", betonte Petschar, der auch Geschäftsführer der Kärntnermilch ist. Das durchschnittlich ausbezahlte Milchgeld der heimischen Molkereien lag je Landwirt mit 39.720 Euro um 0,4% unter dem Wert des Vorjahres und verdeutlicht die schwierige Einkommenssituation trotz erhöhter Milchanlieferung.

Strukturwandel geht weiter

Die Zahl der heimischen Milchlieferanten ging im Jahr 2016 weiter zurück, und zwar um 3,1% auf rund 28.500. Gleichzeitig erhöhte sich die jährliche Milchanlieferung je Betrieb im Mittel von 105,5 auf 112,2 t (+6,3%). Mit durchschnittlich 18,9 Kühen je Hof sind die österreichischen Milchbetriebe aber immer noch vergleichsweise sehr klein strukturiert.

Konsumentwicklung differenziert - Verbrauch relativ stabil

2016 war auf dem heimischen Milchmarkt trotz deutlicher Preisrückgänge für die Konsumenten eine differenzierte Entwicklung beim Absatz der einzelnen Milcherzeugnisse zu beobachten. Produkte der weißen Palette (Trinkmilch) sowie Joghurts und Desserts verzeichneten mengenmäßig leichte Rückgänge, jedoch konnte der Käseabsatz weiter zulegen. Konkret lag der Pro-Kopf-Verbrauch von Konsummilch bei 76,4 kg, von Käse bei 21,5 kg und bei Butter waren es 5 kg.

Außenhandel äußerst wichtig

Österreichs Milchverarbeiter konnten 2016 im Export punkten: Molkereiprodukte im Wert von 1,13 Mrd. Euro (-1,9%) und Importe von 720 Mio. Euro (+2,5%) ergaben einen positiven Außenhandelssaldo von 412 Mio. Euro. Die Exportquote betrug 46,2%, während die Importquote bei 29,4% lag. Der Hintergrund für diese Entwicklung waren der starke Wettbewerb sowie preisbedingte Umsatzrückgänge.

Wichtigstes Außenhandelsprodukt der österreichischen Milchwirtschaft ist Käse, hier konnte mit einer Menge von 143.000 t (+5,2%) ein stabiler Umsatz im Ausmaß von 539 Mio. Euro bei einem Durchschnittserlös von 3,78 Euro/kg erzielt werden. Importiert wurden 117.000 t Käse (+6,4%) zu Durchschnittspreisen von 3,55 Euro. "Das zeigt, dass es den österreichischen Molkereien auch im Export zusehends gelingt, die heimische Qualitätsstrategie umzusetzen. 2016 war auch verstärkt zu beobachten, dass für die Weiterverarbeitung sowie für den Preiseinstieg des Lebensmittelhandels bei Eigenmarken oftmals günstige Importware eingesetzt wird, etwa bei Butter, wobei die heimischen Konsumenten nicht entsprechend informiert werden", stellte Petschar kritisch fest.

Wichtigste Exportländer waren auch im Jahr 2016 Deutschland und Italien. Der Außenhandel mit den Erweiterungsländern brachte einen positiven Saldo von 53 Mio. Euro. Auffallend war weiters, dass der Anteil von Drittlands-Destinationen von 10 auf 15% gestiegen ist, vor allem die Lieferungen nach Australien, Libyen, die Schweiz, den Irak sowie nach China konnten gesteigert werden. Insgesamt exportierte Österreich Milchprodukte in zirka 100 Länder.

Lebensmitteleinzelhandel in dominanter Position

Der Lebensmitteleinzelhandel ist in Österreich sehr stark konzentriert. Nach dem Abgang der Handelskette Zielpunkt verfügen die drei größten Handelsketten über einen Marktanteil von 87,6%, mit entsprechenden Auswirkungen für die gesamte Lebensmittelbranche. "Bemerkenswert ist ein steigender Anteil an Eigenmarken, deren Rohstoff bei Bedarf günstig vom Ausland bezogen wird. Die mangelnde gesetzliche Herkunftskennzeichnung unterstützt diese Entwicklung", so der VÖM-Präsident.

Molkereien setzen weiterhin auf Qualitätsstrategie

"Die heimische Milchwirtschaft hat die Milchkrise im Vergleich zu anderen EU-Ländern vergleichsweise besser gemeistert. Das liegt auch an unserer konsequenten Qualitätsstrategie", unterstrich Petschar und verwies auf die flächendeckende Gentechnikfreiheit, die geprüfte Herkunftskennzeichnung durch Verwendung des AMA-Gütezeichens sowie höchste Qualitäts-, Umwelt- und Tierschutzstandards. Österreich habe mit 15% den höchsten Biomilchanteil in der EU. Mit 15% Heumilch und weiteren Spezialmilchsorten sowie vielen regionalen Spezialitäten biete man dem Konsumenten eine große Vielfalt an Produkten. Dies sei allerdings auch mit Mehrkosten in Produktion und Verarbeitung verbunden, die auch abzugelten seien.

"Ein weiterer Ausbau dieser Qualitätsstrategie als strategische Zielsetzung ist notwendig, um für kommende Entwicklungen auf den Milchmärkten bestmöglich gerüstet zu sein", stellte Petschar fest. Dies erfordere jedoch entsprechende Rahmenbedingungen und Unterstützung von politischer Seite. Notwendig seien insbesondere ein maßgeschneidertes Förderprogramm und ein Ausgleich von höheren strukturbedingten Kosten (etwa in der Milchanfuhr). Besondere Unterstützungen solle es weiterhin für den Erhalt der Milchwirtschaft in Berg- und benachteiligten Gebieten geben, dies müsse auch ein besonderer Schwerpunkt der GAP-Reform werden. Eine verbesserte Herkunftskennzeichnung im Lebensmittelhandel und der Gastronomie sollte den Konsumenten eine echte Entscheidungshilfe beim Einkauf bieten, erklärte Petschar.

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