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Ernte 2017

Ungewissheit über Ernte lähmt Preisfindung

Getreidelager
aiz
am
10.07.2017

Wien - Die Ungewissheit über Menge und Qualität der laufenden Ernte lähmt die Preisfindung am österreichischen Kassamarkt. Weiterhin zu unterschiedlich und durchwachsen kommen die Berichte über die Druschergebnisse herein.

Konkret etwa habe man Sommerbraugerste mit guten Proteingehalten und Siebungen ebenso eingebracht wie solche mit schwachen Vollkornanteilen und dementsprechend viel zu hohem Eiweißgehalt. Erste Weizendruschversuche hätten hohe Proteinwerte und geringere Hektolitergewichte gezeigt. Alles in allem seien aber die Lager von alterntiger Ware geräumt und sollte die in Summe die Vorjahresergebnisse nicht erreichende aktuelle Ernte keinen Lagerraumdruck schaffen. Es heißt in Anbetracht der jüngsten steilen Anstiege der internationalen Notierungen, Abnehmer wollten oft noch die "alten" Preise bieten, Abgeber seien aber nicht einmal bereit, zu Ableitungen von aktuellen Notierungen Ware herzugeben. Somit blieb das Kursblatt an der Wiener Produktenbörse am Mittwoch praktisch leer.

Einzige Ausnahme ist die Notierung von Futtergerstenimporten aus dem EU-Raum in die Steiermark. Durchschnittliche CPT-Preise (zugestellt Steiermark, inklusive Frachtkosten) von 139,50 Euro/t liegen spürbar über der Letztnotierung vor drei Wochen. Gleichzeitig kommen auf die Maiskulturen Lostage zu: Sie würden jetzt besonders viel Wasser benötigen. Sollte es so trocken bleiben, könnten Mais und Futtergetreide einander die Preise noch in die Höhe treiben.

Futtergerstenpreise über Vorjahresniveau

Wie die Landwirtschaftskammer berichtet, dürften die Futtergerstenpreise heuer wegen europaweiter Mindererträge durch Dürre deutlich über denen des Vorjahres liegen. Landwirte hätten von Fixpreisen zur Ernte auf Erzeugerstufe von netto 125 bis 130 Euro/t bei entsprechendem Hektolitergewicht berichtet. Aus dem Alpenvorland seien vereinzelt auch um 133 Euro/t genannt worden. Niedrigere Preise würden tendenziell in Überschussgebieten, höhere in Zuschussgebieten registriert.

Internationale Börsen korrigieren mit Gewinnmitnahmen nach unten

Am Donnerstag ging von der Weizenbörse CBoT in Chicago eine scharfe Korrektur der Weizennotierungen aus. Zarte Hoffnungen auf Regen in den US-Sommerweizengebieten der nördlichen Plains, aber noch viel mehr Gewinnmitnahmen dürften die Gegenbewegung ausgelöst haben. Und von den USA über Europa bis Australien müssen die Ernteschätzungen weiterhin laufend nach unten revidiert werden. Die Mahlweizennotierungen an der europäischen Leitbörse Euronext (Paris) gaben am Donnerstag moderater als in Chicago nach, waren zuvor aber auch nicht so raketenhaft in die Höhe geschossen. Die Hitze und Dürre bleiben weiterhin im Fokus der Märkte und sorgen für unterstützende Momente. Vor allem Weizen mit höheren Proteingehalten bleiben knapp, entsprechend gesucht und damit fester gestimmt. Auch den Freitag begann die Euronext im hellroten Bereich, der September-Mahlweizenkontrakt bewegte sich am späten Vormittag bei knapp 177 Euro/t und der Dezember-Liefertermin konnte sich nach einem kurz zeitigen 18-Monate-Hoch von 189 Euro/t Mitte diese Woche noch über einer charttechnischen Unterstützungslinie bei 183 Euro/t halten.

EU exportierte 2016/17 ein Viertel weniger Weizen - Versorgungsbilanz zunehmend enger

Die EU exportierte im Wirtschaftsjahr 2016/17, das am 30. Juni 2017 abgelaufen ist, 23,35 Mio. t Weizen. Das sind zwar um 26% weniger als im Spitzenjahr 2015/16, doch brach im selben Zeitraum auch die Weichweizenproduktion der Union um 10,4% auf schwache 135,4 Mio. t ein. Es sollen sich laut Schätzungen der Europäischen Kommission die Endlager zum 30. Juni 2017 von 14,7 Mio. t auf 11,7 Mio. t abgebaut haben. 2017/18 dürfte sich das Abschmelzen der Endbestände bis auf 11,4 Mio. t fortsetzen. Damit weist die EU äußerst enge Weizenbilanzen mit einem Verhältnis stock to use nach Ende der laufenden Saison von unter 10% auf. Der Weizenmarkt der Union steht damit im Gegensatz zur reichlichen weltweiten Versorgungslage mit knapp 33% Anteil der Endbestände am Verbrauch. 20% stock to use und mehr gelten als Zeichen für Überversorgung.

Agrana verdoppelt Weizenkapazität in Pischelsdorf - Verarbeitung stabilisiert Markt

Agrana gab am Freitag bekannt, bis 2020 die Weizenstärkekapazität ihres Werkes in Pischelsdorf verdoppeln zu wollen. Die Erweiterung der Verarbeitungskapazität von jetzt 820.000 t auf über 1 Mio. t Getreide jährlich - inklusive der Bioethanolerzeugung - sei "ein wesentlicher Wettbewerbsfaktor". Die heimischen Verarbeitungskapazitäten wurden im abgelaufenen Jahrzehnt schon um das 3,2-Fache auf 2,04 Mio. t ausgeweitet. Damit konnte sich der österreichische Markt innerhalb einer Überschussregion in Binnenlage fernab von Exporthäfen - mit Getreideproduzenten wie Ungarn, Tschechien und der Slowakei, wo in Summe mehr als 11 Mio. t Getreideüberschuss auf die Preise drücken - durch einen Nachfrageüberhang vergleichsweise besser stabilisieren.

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