Login
Geschäftsidee

Mit Vertrauen in die Zukunft blicken

Gausgruber
Patrizia Schallert
am
03.07.2017

Hinterschützing/Oberösterreich - Der Betrieb Grausgruber im oberösterreichischen Hinterschützing sichert seinen Nebenerwerb mit Schafzucht und -fleischproduktion.

Einen wirtschaftlich erfolgreichen Betrieb wünscht sich jeder Landwirt, aber die Globalisierung und der Strukturwandel ließen hier schon viele Träume wie Seifenblasen platzen. Und trotzdem denkt Klaus Grausgruber keine Sekunde lang ans Aufgeben. Mit der bäuerlichen Urproduktion lässt sich gutes Geld verdienen, ist der Nebenerwerbslandwirt überzeugt. Innovative, auf den eigenen Betrieb zugeschnittene
Ideen und die Erzeugung von Qualität statt Masse – das sind die Erfolgsrezepte des Schafzüchters aus Hinterschützing im Hausruckviertel. „Jeder Betriebsleiter sollte sich für sein landwirtschaftliches Unternehmen kurz-, mittel- und langfristige Ziele setzen“, sagt Grausgruber. „Und wer seinen Hof einmal an eines seiner Kinder übergeben will, sollte vor ihnen nicht jammern, sondern mit Vertrauen in die Zukunft blicken.“
Als der Feinmechanikermeister und gelernte Landwirt Klaus Grausgruber vor 20 Jahren den elterlichen Nebenerwerbsbetrieb übernahm, standen im Stall noch Kühe und Schweine. Zur Schafzucht kam er erst im Jahr 1988 „wie die Jungfrau zum Kind“. Zwei geschenkte Schafe und ein Bock der Rasse „Straßenkreuzung“ sorgten bald nach ihrem Einzug für Nachwuchs auf dem Hof. Ein Jahr später begann Grausgruber mit der Reinzucht von Merinolandschafen. Der Bestand wuchs bis 1993 bis zu einer Herdengröße von 50 Mutterschafen an. Sie wurden stets mit dem hofeigenen Bock belegt und die weiblichen Tiere scharf auf ihre Eignung zur Zucht selektiert. Heute stehen 150 Mutterschafe samt ihren Lämmern und drei Böcke im Stall. „Durch ihre optimale Gewichtszunahme bei idealer Aufzuchtrate eignen sich Merinolandschafe hervorragend für eine wirtschaftliche Lammfleischproduktion“, erklärt Grausgruber. „Dafür benötigen die Tiere jedoch exzellentes Futter, das wiederum die Futterproduktion als Herausforderung darstellt.“
Das Futter für seine Schafe gewinnt der Landwirt auf 17 ha Nutzfläche, die zu rund drei Viertel aus Grünland besteht. Auf den Äckern werden Weizen, Wintergerste und Sonnenblumen angebaut. Seinen Schafen legt Grausgruber ganzjährig Grassilage und Getreideschrot vor. „Durch fünf Schnitte ist der für die Fleischproduktion wichtige Eiweißgehalt im Gras und der für die Fruchtbarkeit notwendige Karotingehalt sehr hoch. Die gute Futterqualität spiegelt sich auch darin wieder, dass bei 90 Prozent der Geburten Zwillinge das Licht der Welt erblicken.“ Der Getreideschrot wird vollständig und Stroh für die Stalleinstreu teilweise zugekauft.

Konsequent ausmisten

Gausgruber

Für die gute Fleischqualität und Gesundheit seiner Tiere schwört Grausgruber auf das regelmäßige Ausmisten und auf eine tiefe Einstreu. „Die Genetik kann noch so gut sein und das Futter die beste Qualität haben – durch eine inkonsequente Ausmistung wird der wirtschaftliche Erfolg zunichte gemacht.“ Auf die Weide dürfen die Schafe nicht mehr, weil pro Hektar ein Muttertier zusätzlich gefüttert werden kann. Mit Blick auf die hohen Pachtpreise ist das ein großer Vorteil, so Grausgruber. „Außerdem hat mir ein angesiedelter Uhu ständig meine Lämmer von der Weide geholt. Durch den Hundekot auf den Wiesen hatte ich zudem viele Totgeburten zu beklagen.“ Seit die Schafe ganzjährig eingestallt sind, beläuft sich die Verlustrate nur noch auf ein Minimum. Im Stall hat Grausgruber ein Rotationssystem eingeführt: Zwei Wochen lang sind das Mutterschaf und die frisch geborenen Lämmer in einer eigenen Box und dann für weitere sechs Wochen in einer Gruppe, anschließend werden die Jungtiere von der Mutter getrennt. Die Schlachtung der Lämmer erfolgt im Alter von vier bis fünf Monaten.
Biozertifiziert ist der Hof zwar nicht, aber die Familie Grausgruber legt großen Wert auf eine nachhaltige Außenwirtschaft und ausreichend Platz im Schafstall. Dem Tierwohl dient die zweimal jährlich durchgeführte Klauenpflege und Schur. Besondere Freude macht die Vielfalt von Wildkräutern im Grünland. „Sie wachsen nur dort, wo schon lange kein Kunstdünger mehr eingesetzt wurde“, erklärt Grausgruber. Seine Frau Christine hat eine Ausbildung zur Kräuterpädagogin absolviert und bietet Kräuterwanderungen durch die hofeigenen Wiesen an.
Für die Lammfleischvermarktung hat sich die Familie im Gleichschritt mit der wachsenden Größe ihres Schafbestands einen festen Kundenstamm aufgebaut. „Das Interesse der Bevölkerung an unserem Lammfleisch und den Produkten wächst von Jahr zu Jahr“, freut sich Klaus Grausgruber. „Anfangs hat ein Metzger unsere Lämmer geschlachtet und jeweils in sechs Teile zerlegt. Noch mehr Teile hätten das Risiko erhöht, auf gewissen Teilen wie dem Bauchfleisch sitzen zu bleiben. Deshalb haben die Kunden selbst das Fleisch zuhause kleiner zerlegt.“ Den Kunden zuliebe begann der Landwirt schließlich doch damit, die geschlachteten Lämmer in kleinere Einheiten zu zerlegen. „Meine Abnehmer waren begeistert, weil sie endlich damit zuhause keine Arbeit mehr hatten“. Und so kam bald, was kommen musste: 1994 richtete Grausgruber einen eigenen EU-konformen Schlachtraum ein.
„Ich kann meinen Berufskollegen nur empfehlen, sich zu überlegen, ob sie sich das Know how selbst aneignen oder die Schlachtung vergeben.“ Sicher seien die Investitionskosten hoch. „Aber einen kürzeren und stressfreieren Weg für die Tiere als vom Stall zum Schlachtraum auf dem Hof gibt es nicht und irgendwann hat sich der finanzielle Aufwand amortisiert.“ Bis zum Jahr 2000 wurde auf dem Grausgruber-Hof nur Frischfleisch verkauft. Als der Schafhalter jedoch einige Gastronomen als Partner gewinnen konnte, blieben immer einige Fleischteile übrig. „Da war guter Rat teuer, was wir mit dem Rest machen sollten. Also begannen wir selbst mit der Wurstproduktion.“ Inzwischen können die Kunden auf eine breite Angebots­palette zurückgreifen: Haussalami, Hauswurst, Schäferschinken, Lammbratwürstl oder Lammleberaufstrich, außerdem eine „Lammkiste“ zum Abonnieren. Neben dem Ab-Hof- und Online-Verkauf und der Belieferung der Gastronomie begann die Familie vor 15 Jahren den Salzkammergut-Bauernmarkt in Kleinreith bei
Ohlsdorf mit ihren Lammspezialitäten zu beliefern.
Einen Treffer landeten Christine und Klaus Grausgruber vor zwölf Jahren mit ihrer Idee, österreichweit die erste zu 100 % reine Lammwurst anzubieten. „Schaf- oder Lammwurst hat herkömmlicherweise stets einen hohen Schweinefleisch- und –fettanteil. Es hieß, ohne Schwein geht es nicht. Mit viel Geduld und Aneignen von Fachwissen gelang es uns trotzdem, reine Lammwurst zu produzieren.“
Der Ideenreichtum der Familie bei der Erweiterung ihrer Produktpalette kennt keine Grenzen. So stellt die Betriebsleiterin neben mehreren Sirupsorten und verschiedenen Salzen wie Wildkräuter- oder Rosenblütensalz auch handgemachte Schafseife mit unterschiedlichen Düften her. Und für nicht Lammbegeisterte sind fachkundige Tipps mit den passenden Kräutern von Christine Grausgruber die perfekte Gaumenfreude.
Neben dem Gütesiegel „Gutes vom Bauernhof“ und vielen Auszeichnungen in Gold auf der Ab-Hof Spezialmesse für bäuerliche Direktvermarkter in Wieselburg erhielt das Betriebsleiterpaar im Jahr 2009 für sein Projekt „Lammspezialitäten & Kräuter ab Hof“ den „Leopold-Hofinger-Preis für Agrar-Innovationen des Landes Oberösterreich“.
Bei der Betriebsentwicklung bleibt die Familie Grausgruber ihrer Philosophie treu. „Viele kurzfristige Ziele haben wir schon umgesetzt, als mittelfristiges Ziel soll sich unsere 100%ige Lammfleischwurst noch besser auf dem Markt etablieren.“ Und das langfristige Ziel? „Ich möchte einmal einem meiner Söhne, Julian oder Lukas, unseren Hof als Voll­erwerbsbetrieb übergeben können.“

Auch interessant