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Agrarmarkt

Zwiespältiger Blick nach Brüssel

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Sepp Kellerer, Wochenblatt
am
03.06.2016

Brüssel - Lösungen zur Bewältigung der Krisen auf den Agrarmärkten lassen auf sich warten.

Natürlich sind auch die Ackerbauern nicht auf Rosen gebettet und den Schweineerzeugern geht es auch nicht gerade gut. Das drängendste Problem ist derzeit aber die Milch. Soll man da vielleicht den Blick nach Brüssel wenden? Eher nicht. Die EU-Kommission hat kürzlich zugegeben, sie habe die Milchkrise unterschätzt. Und Agrarkommissar Phil Hogan tut sich leicht, er braucht nur zu sagen, dass die Mittel aus dem ersten Hilfsprogramm in relativ vielen Mitgliedsländern noch nicht abgerufen sind. Wozu braucht es also ein neues?
Damit geben sich die Abgeordneten im EU-Parlament zwar nicht zufrieden, und sie versuchen dem Kommissar ein wenig Dampf zu machen. Nein, das stimmt nun auch wieder nicht. Sie setzen eher Nebelkerzen, denn so vielfältig die Farben der Parteien im Europaparlament sind, so unterschiedlich und manchmal auch konträr sind die Ansätze. Eine klare Linie oder eine eindeutige Tendenz sind bei diesem Thema wahrlich nicht auszumachen.
Und dennoch bleiben wir in Brüssel. Auch wenn es aktuell kein großer Trost ist, so wurden beim jüngsten Treffen der EU-Agrarminister Gedanken zur Agrarpolitik nach 2020 ausgetauscht. Erstmals deutlich wurde da angesprochen, dass es zwei widerstrebende Richtungen gibt: Die eine, die den freien Weltmarkt anstrebt, die zweite, die die kleinen Strukturen stärken will. Weiter wurde gesagt, dass die Förderung künftig mehr an der Ökologie ausgerichtet werden soll. Und schließlich wurde konstatiert, dass es künftig mehr nationale Spielräume geben soll.
Das lässt aufhorchen. Denn die Ökologie war schon immer ein Bereich, in dem Österreich punkten konnte und mehr nationaler Spielraum kommt den unterschiedlichen Erzeugungsbedingungen sicher entgegen.  Nur eines darf nicht geopfert werden: das gemeinsame Europa.

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