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Großprojekt im Altmühl- und Donautal

3. Nationalpark: Eine Menge Ängste und Vorbehalte

Dritter Nationalpark
Helga Gebendorfer
am
01.06.2017

Kelheim - Als 3. Nationalpark ist nun ein Gebiet entlang der Donau im Landkreis Kelheim im Gespräch. Bei den Betroffen sorgt dies nicht unbedingt für Begeisterung.

Zu einer Informationsveranstaltung wegen einem möglichen 3. Nationalpark zwischen Donau und Deuerling luden die Christliche Wählergemeinschaft (CWG) Riedenburg unter Führung von Thomas Zehetbauer und Vize-Bürgermeister Konrad Halbig in die Schloßprunner Burgstube ein. Das Interesse war groß, insgesamt kamen knapp 100 Personen. Neben zahlreichen Landwirten waren auch Alois Schweiger, Geschäftsführer vom Bayerischen Bauernverband (BBV), als Vertreter der Grundstückseigentümer, Vertreter der Waldbesitzervereinigung Hemau, des Fischereiverbandes, der forstwirtschaftlichen Unternehmer, der Staatsforsten und des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Abensberg zu Gast.
Mit ihrer langen Grenze zum Staatswald ist die Gemeinde Riedenburg in ganz besonderem Maße von einem geplanten Nationalpark betroffen. Welche Vorzüge, aber auch Nachteile mit einer Entscheidung zur Errichtung eines Nationalparks zusammenhängen würden, ist momentan für viele noch nicht absehbar. Darum war es Ziel dieser Veranstaltung, neben Information auch die Meinung der einzelnen Interessenvertreter abzufragen. Einig waren sich alle in einem Punkt: Falls sich das Umweltministerium für die Forstflächen beidseits des Altmühltales entscheiden würde, hätte dies einschneidende Auswirkungen nicht nur für die Natur, sondern auch für die Menschen in der Region.

Wenig Begeisterung bei den Betroffenen

Zunächst bedauerten die Organisatoren und Teilnehmer, dass bisher noch kein offizieller Kontakt seitens des Ministeriums zu diesem Thema hergestellt wurde. „Leider mussten wir aus der Presse erfahren, dass seitens des Ministeriums im Landkreis Kelheim ein Nationalpark im Gespräch ist“, so Alois Schweiger. Nach seiner Auskunft kommen gegebenenfalls die Auwälder und Auen entlang der Donau in den Landkreisen Donau-Ries, Neuburg-Schrobenhausen, Eichstätt und Stadt Ingolstadt sowie Kelheim infrage.
Nacheinander taten die Interessenvertreter ihre Befürchtungen und Bedenken kund, wobei zum Ausdruck kam, dass weder die Lokalpolitiker noch die anwesenden Verbände von dieser Maßnahme begeistert sind. So sahen die Fischer ihr Betretungsrecht eingeschränkt und befürchteten den Verlust der eingesetzten Setzlinge. Die Waldbesitzervereinigungen hatten Angst um die Privatwaldungen und fürchteten Nachteile für den regionalen Markt sowie eine erhöhte Gefahr, dass der Borkenkäfer auf die Privatwaldflächen überspringt. „Gerade im Landkreis Kelheim sind viele Einzelflächen mit privaten Besitzständen durchzogen“, verkündete an dieser Stelle der BBV-Geschäftsführer.
Die Jägerschaft befürchtete, dass sich das Schwarzwild verstärkt vermehrt und sich der Druck an der Nationalpark-Grenze sowie außerhalb massiv erhöht. Das würde wiederum Probleme mit Entschädigungen von Schäden, aber auch Schwierigkeiten bei der Verpachtung der Jagd nach sich ziehen. „In den letzten Jahren wurden alleine in zwei angrenzenden Hegegemeinschaften über 1000 Wildschweine geschossen“, machten die Jäger deutlich. Als zusätzlichen Aspekt führten die Veranstalter an, dass bei einer Realisierung des Projekts zudem der Schulungswald der Bayerischen Waldbauernschule betroffen wäre und wegfallen würde – mit allen Nachteilen für die Schulungen der bayerischen Waldbesitzer.
Passend dazu stellten die Erfahrungsberichte von anwesenden Betroffenen und Besuchern des Nationalparks Bayerischer Wald eine wertvolle Ergänzung. Sie schilderten die aufgetretenen Probleme und stellten sich allen Fragen der Kelheimer Bürger.
Zum Abschluss vereinbarten alle beteiligten Interessenverbände, ein gemeinsames Schreiben an die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf zu verfassen, in dem sie darum bitten, die Betroffenen vor Ort über die konkreten Absichten aufzuklären und in einem Dialog zu Wort zu kommen.

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