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Einer, der die Arbeit sieht

Knecht 1
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Gerd Kreibich, Wochenblatt
am
22.10.2018

Sepp Kaltenhauser ist nach 50 Jahren Arbeit als Knecht auf dem Lohr-Hof in Rente gegangen.

Knecht 2

Sepp Kaltenhauser packt seit über 50 Jahren als landwirtschaftlicher Helfer auf dem Hof der Familie Lohr in Wurmannsquick mit an. So lange schon ist er hier schon als landwirtschaftlicher Arbeiter – früher hätte man ihn als „Knecht“ bezeichnet. Und auch als Rentner ist er gerne auf dem Hof und dabei ist er, wie Betriebsleiter Alois Lohr jun. bestätigt, „immer noch unentbehrlich“.

„Als ich jung war, hat man als Bursch’ nicht so viele Möglichkeiten gehabt“ sagt Sepp, der selbst aus einem kleinen Anwesen in Obermaisbach in der Nähe von Unterdietfurt im Binatal stammt. Er sei also mit der Landwirtschaft aufgewachsen, da sei schnell klar gewesen, dass er eine Stellung auf einem Hof suchen werde. „Eine Tante von mir war Magd bei der Familie Lohr, die hat mich dann vermittelt und ich habe diesen Schritt nie bereut“, bestätigt er voller Überzeugung. Vier Dienstboten habe es damals noch auf dem Hof gegeben, „heute bin ich der letzte – und ich bin ja eigentlich auch schon ein Rentner“, schmunzelt er.

Er gehört zur Familie

Das Weggehen von zuhause mit 16 oder 17 Jahren sei in seiner Jugend nicht ungewöhnlich gewesen, erinnert sich Sepp, aber sicher hätten es nicht alle Knechte so gut gehabt wie er: „Ich habe von Anfang an gerne hier gearbeitet, weil die Familie immer nett und anständig zu mir war. Da hat man schnell dazugehört, weil jeder seine Arbeit machen hat müssen, ob das jetzt der Bauer oder der Knecht, die Bäuerin oder die Magd war“, daran erinnert er sich noch heute sehr gut. Er fügt hinzu: „Bis heute geben mir hier alle das Gefühl, dass ich zur Familie gehöre“. Eine Frau und eine eigene Familie – hat er auch daran einmal gedacht? „Ich hab’ nicht geheiratet, das hat sich nicht ergeben – und jetzt bin ich eh schon zu alt.“ Und er vermisse ja auch nichts: „Dieser Hof ist meine Heimat, die Lohrs, das ist meine Familie, ich bin nie so behandelt worden wie ein Fremder – ich weiß, dass es früher viele Arbeitskräfte in anderen Betrieben nicht so gut getroffen haben.“
An die große Modernisierungswelle, die in den 70er Jahren die Landwirtschaft noch einmal ganz entscheidend geprägt hat, kann sich Sepp Kaltenhauser noch gut erinnern. Heute braucht es dank der technischen Entwicklung nicht mehr so viele Arbeitskräfte auf dem Hof wie früher, und beim Lohr hat man ja die Tierhaltung ganz eingestellt, aber: „Ich habe mir früher meine Arbeit immer selbst gesucht, das mache ich heute noch – und ich finde auch immer etwas, das getan werden muss“, schmunzelt der Sepp und Alois Lohr jun. kann das nur bestätigen: „Dem Sepp entgeht heute noch nichts und er hat ein großes Wissen und Können, das ist heute noch nützlich bei allem, was er macht.“ Der Sepp, sei einer, „der die Arbeit sieht, wenn sie da ist“.

Stets am Ball geblieben

Und auch bei den technischen Neuerungen hat Sepp Kaltenhauser immer gewusst, wo es langgeht: „Ich habe mit jedem Traktor umgehen können und ich habe mir bei den Maschinen auch immer zu helfen gewusst. Heute täte ich mich da vielleicht nicht mehr so leicht, aber die ganz großen Geräte gibt es ja bei uns nicht mehr und vieles macht in der Landwirtschaft ja auch der Maschinenring, da sitzen dann echte Spezialisten auf den Geräten.“
Seit einem Jahr ist Sepp Kaltenhauser jetzt ein richtiger Rentner. Ob er sich denn nicht überlegt hat, seinen Lebensabend anderswo zu verbringen? Diese Frage verneint der landwirtschaftliche Helfer. „Ich habe ja von den Eltern ein halbes Haus geerbt in Obermaisbach, dort lebt meine Schwester. Die besuche ich sehr gerne, aber ich freue mich immer wieder, wenn ich zurück komme zur Familie Lohr“, sagt er mit Überzeugung in der Stimme. Hier sei seine Heimat und er sei auch sehr zufrieden: „Ich bekomme eine Rente, weil mein Dienstgeber immer ordentlich für mich in die Alterskasse eingezahlt hat – das war früher keine Selbstverständlichkeit, aber bei mir wurde das von Anfang an so gemacht“.
Und viel geändert hat sich ja nicht in der Rente, nichts tun, das könnte er nicht: „Ich bin es gewohnt, um halb fünf in der Früh aufzustehen, dann spaziere ich schon an die Straße zum Briefkasten, weil ich die Zeitung hole. Am Freitag freue ich mich da schon auf das Landwirtschaftliche Wochenblatt, das habe ich immer schon gelesen.“ Wenn er dann ein bisserl aufgedeckt hat zum Frühstück, dann geht der Tag schon bald für alle auf dem Hof los.
Erholung braucht aber natürlich auch ein Knecht in der Rente: „Ganz wichtig ist es mir, dass ich am Abend Zeit habe, landwirtschaftliche Zeitschriften zu lesen, weil ich dann weiß, was sich tut in der Landwirtschaft.“ Und er sitzt auch gern mit Vater und Sohn Lohr beieinander, da gibt es schon was zum Ratschen. Auch wenn was Lustiges im Fernsehen kommt, schaltet er schon mal ein. „Dahoam is dahoam“, das mag Sepp gerne, und „Hubert und Staller“ findet er auch gut. „Zu lang bleib’ ich aber nicht auf, weil ich ja am nächsten Tag wieder früh aufstehe. Da brauche ich keinen Wecker, das ist einfach so und ich freue mich auf jeden Tag.“
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