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Besondere Leistung

Ausarbeitung mit viel Tiefgang

Familie vor Schweinestall
Claudia Rothhammer
am
15.01.2018

Der Abiturient Michael Steinberger erhielt eine Auszeichnung für seine Seminararbeit über den elterlichen Schweinemastbetrieb in Niederbayern.

Mit seiner Seminararbeit hat Michael Steinberger nicht nur seinen Geographielehrer Alfons Schuster begeistert, sondern auch den Bayerischen Club zur Förderung der bayerischen Kultur, der jedes Jahr gemeinsam mit dem Bayerischen Kultusministerium die besten Seminararbeiten von Abiturienten auszeichnet. Der 18-Jährige aus Dingolfing überzeugte die Jury u. a. wegen seiner fundierten Analyse, die an Tiefe und Umfang auch mit einer Hausarbeit an einer Universität vergleichbar ist.
Vater Gerhard Steinberger hatte 1998/99 den elterlichen Betrieb von Milchviehhaltung auf Schweinemast umgestellt und sukzessive erweitert. Sein Sohn ging in der Seminararbeit folgenden Fragen nach: Was waren die ausschlaggebenden Faktoren für die Umstellung und die Stallerweiterungen? Welche außerbetrieblichen Einflüsse wirken sich auf den Schweinemastbetrieb des Vaters aus? Ist der Maststall auf dem neuesten Stand der Technik? Entsprechen Mastablauf und Fütterung der Mastschweine den aktuellen wissenschaftlichen Empfehlungen? Wie gut ist das betriebseigene Management des Vaters?
„Ich habe bei den außerbetrieblichen Einflüssen zum Beispiel untersucht, wie sich der Strukturwandel in der Landwirtschaft, der Schweinepreis und einige politische Vorgaben auf die Wirtschaftlichkeit des Hofes auswirken“, erläutert Steinberger. Bei der Untersuchung des Maststalls sei er u. a. der Frage nachgegangen, ob die Spaltenweite der Schweinehaltungsverordnung gerecht wird. „Mir ist dabei auch klar geworden, wie extrem die Wirtschaftlichkeit eines Betriebs von politischen Vorgaben und vom Weltmarkt abhängt.“

Videodokumentation mit dem Vater

Familie vor Schweinestall

Die Jury beeindruckte vor allem, wie tief Michael Steinberger in das Thema einstieg und alle selbst gewonnenen Erkenntnisse mit wissenschaftlicher Literatur bzw. Fachliteratur untermauerte. „Ich habe in meiner Arbeit auch viele Artikel aus dem Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt zitiert und meine Aussagen damit untermauert“, verrät er. Seine Hauptquelle aber war Papa Gerhard. Der musste nicht nur seinem zweitältesten Sohn unzählige Fragen beantworten, sondern auch vor die Kamera. Steinberger hat nämlich seine Seminararbeit nicht nur mit Grafiken, Diagrammen und Datenmaterial gespickt, sondern auch eine kleine Videodokumentation beigelegt, in der Vater Gerhard den Ablauf in einem Mastbetrieb erklärt und die wichtigsten Arbeitsschritte vorführt.
„Eigentlich hätte die Seminararbeit nur 15 Seiten lang werden müssen“, erzählt Steinberger. „Am Ende waren es aber 30 Seiten Text und rund zehn Seiten Anhang und Literaturverzeichnis.“ Sein Lehrer war vom Ergebnis sehr angetan. So sehr, dass Steinberger nicht nur die bestmögliche Note für seine Seminararbeit bekam, sondern sich sein Lehrer auch für die Einreichung beim Bayerischen Club zur Förderung der bayerischen Kultur entschied. Dass sein Schützling dann tatsächlich einen der sieben Preise bekommen sollte, damit hatten weder er noch Steinberger selbst gerechnet.
Umso größer die Freude bei der Preisverleihung in München. Landtagspräsidentin Barbara Stamm und Bildungsstaatssekretär Georg Eisenreich zeichneten die sieben bayerischen Preisträger aus. Die Laudatio hielt Prof. Dr. h.c. Albert Scharf, Sprecher des Bayerischen Clubs und ehemaliger Intendant des Bayerischen Rundfunks. Die Verleihung fand im Maximilianeum in München statt, das König Maximilian II. für die klügsten jüngsten Menschen seiner Zeit erbauen ließ. „Ich war vorher noch nie dort und die Kulisse, aber auch das ganze Rahmenprogramm waren schon sehr beeindruckend“, erzählt Steinberger.
Mit dabei war natürlich auch sein Lehrer, Oberstudienrat Alfons Schuster. Er hatte Steinberger auch bei der Themensuche für die Hausarbeit geholfen. „Ohne ihn wäre ich, glaube ich, nicht auf die Idee gekommen, über den Hof meines Papas zu schreiben.“ Und es wird nicht seine letzte Seminararbeit bleiben. Michael Steinberger studiert seit kurzem an der Technischen Universität München Ernährungswissenschaft. „Auch in meinem Studiengang ist Basiswissen aus der Landwirtschaft wichtig.“ Und das bringt Steinberger auf jeden Fall mit.

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