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Sitzung

Sind Bauern für alles verantwortlich?

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Gerd Kreibich, Wochenblatt
am
11.03.2019

BBV-Bezirksversammlung Niederbayern diskutiert aktuelle Fragen

Landshut In der Landmaschinenschule in Schönbrunn bei Landshut fand die turnusgemäße Sitzung der Bezirksversammlung des Bayerischen Bauernverbandes Niederbayern statt. Theresa Schäfer, Referentin der Katholischen Landjugendorganisation in Bayern berichtete anschließend über eine Umfrage der KLJB unter Jugendlichen in einigen Regionen Bayerns bezüglich der Lebensverhältnisse auf dem Land. „Ein Ergebnis der Umfrage war, dass sich die Jugend durchaus wohl fühlt im ländlichen Raum - das Landleben wird nicht als Nachteil gegenüber der Stadtbevölkerung empfunden“, so Schäfer, die bei der Katholischen Landjugend das Projekt „Stadt. Land. Wo? Was die Jugend treibt“ betreut, eine Studie zum Bleibe-, Wanderungs- und Rückkehrverhalten junger Menschen in Bayern.
Intensive Diskussionen der Mitglieder der Bezirksversammlung gab es zu weiteren aktuellen Themen, die den Bauern auf den Nägeln brennen. Präsident Gerhard Stadler stellte fest, dass die Forderungen nach mehr Tierwohl, neue Vorgaben bei der Ausgleichszulage, zusätzliche Auflagen bei Düngeverordnung und aktuell die Gesetzesvorschläge im Volksbegehren zu einer konkreten Belastung und Verunsicherung für die Betriebe führen. „Hier gibt es viele Fragen und viel Frust“, so der Bezirkspräsident. Andere Teilnehmer der Sitzung berichteten über großes Unverständnis bei den Bauern, weil sie das Gefühl haben, ihnen werde inzwischen für alle kritischen Themen im Arten- Tier- und Umweltschutz die alleinige Verantwortung zugeschoben. Bestes Beispiel dafür sei das Volksbegehren, in dem fast ausschließlich gesetzliche Auflagen und Verbote für die Landwirtschaft enthalten sind. Hier gelte es jetzt, so Stadler, dass sich der BBV am Runden Tisch, den Ministerpräsident Markus Söder einberufen hat, mit voller Energie einbringt.

Leistung wird nicht zur Kenntnis genommen

Einig war man sich in der Bezirksversammlung über das Vorhandensein eines ganz grundsätzlichen Problems: „Die rege Beteiligung an Umweltprogrammen und die vielen freiwilligen Maßnahmen der Bauern werden scheinbar von der Gesellschaft nicht zur Kenntnis genommen“, so die Meinung von Präsident Stadler. Die bäuerlichen Familienbetriebe hätten immer größere Probleme zu bewältigen, wenn Anforderungen immer höher geschraubt werden und sich dies bei offenen Grenzen nicht auf höhere Preise niederschlagen kann. „Wenn unsere Betriebe vor lauter Umweltauflagen nicht mehr mithalten können, dann wird der Import von billigen Nahrungsmitteln aus dem Ausland, bei denen Tierwohl, Umwelt- und Naturschutz kaum eine Rolle spielen, weiter vorangetrieben“, warnten die Sitzungsteilnehmer einmütig und dringlich und es wurde auch ein aktuelles Beispiel angeführt: der schnelle Ausverkauf der neueröffneten Filiale eines russischen Billigdiscounters in den neuen Bundesländern aus Russland zeige deutlich, in welchem Zwiespalt sich Landwirtschaft und Gesellschaft in unserem Land befinden. „Egal, was bei Umfragen behauptet wird - vor dem Regal und an der Kasse muss es dann noch so billig wie möglich sein“, so Gerhard Stadler.

Keine bedarfsgerechte Düngung mehr?

Der Präsident informierte auch über die geplanten Änderungen bei der Düngeverordnung. Die EU-Kommission habe die 2017 in Kraft getretene Neuregelung bei der Düngeverordnung als nicht ausreichend angesehen und weitere Verschärfungen gefordert – und dies, bevor die jetzige Düngeverordnung überhaupt vollständig umgesetzt werden konnte, kritisierte Stadler. Nach den Vorschlägen von Bundesministerin Julia Klöckner wäre künftig in einigen Bereichen Niederbayerns keine bedarfsgerechte Düngung mehr möglich. Dies fördere zum Beispiel auch den Humusabbau, sei damit fachlich nicht nachvollziehbar und nicht hinzunehmen. Erhebliche Ertragseinbußen und massive Wettbewerbsverzerrungen wären zudem die Folge. Der Bauernverband werde sich auf allen Ebenen mit ganzer Kraft für mehr Vernunft und Realitätsorientierung einsetzen, versicherte Stadler.
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