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Kooperation

BBV und BUND - Miteinander statt gegeneinander

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Gerd Kreibich, Wochenblatt
am
02.07.2018

BBV und BUND diskutieren über Hochwasserschutz und Vermeidung von Erosion.

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Grub/Lks. Rottal-Inn Der Schutz von Gewässern, Boden und Klima gehört zu den großen gesellschaftlichen und politischen Aufgaben in der Zukunft. Fest steht dabei: Ohne die Landwirtschaft wird diese Aufgabe nicht zu lösen sein. Fest steht aber auch: Die Landwirtschaft ist bereit, an Problemlösungen mitzuarbeiten, und sie tut das auch schon in großem Umfang. Deutlich wurde dies bei einem Treffen auf dem Betrieb Gschöderer in Grub bei Simbach a. Inn im Kreis Rottal-Inn. Dieser Betrieb mit Milchvieh und Ackerbau gehört zu den Vorzeigebetrieben in Ostbayern, wenn es um den Schutz von Wasser und Boden geht. Der BBV Rottal-Inn hatte als Gesprächspartner eines der bekanntesten Gesichter der organisierten Umwelt-und Naturschützer zu Gast: Prof. Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) war gekommen, um sich über auf dem Betrieb Gschöderer ergriffene Initiativen und gemachte Erfahrungen zu informieren.

Wichtige Arbeit auf Landkreisebene

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Prof. Hubert Weiger war, wie er betonte, sehr gerne nach Niederbayern gekommen, denn: „Leider gibt es auf der Spitzenebene seit vielen Jahren mehr keine Gespräche zwischen BUND und Bauernverband, obwohl dieser Austausch sicher wichtig und notwendig wäre“. Umso bedeutender sei die Zusammenarbeit auf der Ebene der Landkreise, wo man gemeinsam viel voranbringen könne.
Grund für das Treffen in Grub war eine Stellungnahme des BUND nach der Jahrtausendflut, von der die Region Simbach a. Inn vor zwei Jahren heimgesucht worden war. Der BUND hatte seinerzeit in einer Pressemitteilung darauf verwiesen, dass die intensive Landwirtschaft und insbesondere der großflächige Maisanbau in der Region zumindest eine Mitschuld habe an den katastrophalen Folgen der extremen Regenfälle, die zu den Verwüstungen in den Flutgebieten geführt hatten.
„Mit dieser unserem Empfinden nach sehr einseitigen Darstellung können wir uns nicht abfinden“, betonte schon in der Begrüßung der Kreisobmann des Bauernverbandes in Rottal-Inn, Hermann Etzel. Man mache es sich zu leicht, wenn man alle Schäden für Umwelt und Natur immer nur auf dem Konto der Landwirtschaft verbuche. „Wir hatten es vor zwei Jahren mit einem Jahrtausendereignis zu tun, das war einfach zu viel Wasser in einer zu kurzen Zeit“, hält er fest. Deshalb sei ihm auch das Gespräch mit den Natur- und Umweltschützern wichtig: „Es macht keinen Sinn, wenn wir uns gegenseitig zu Feinbildern erklären“, so Etzel. Ihm liege viel daran, im Gespräch mit Prof. Weiger „einige Unklarheiten zu beseitigen“.
Dem stimmte der BUND-Vorsitzende dann auch zu, er wollte aber auch richtigstellen, dass die Pressemitteilung des BUND nach der Flut nicht die Landwirtschaft als für die Flut verantwortlich darstellen sollte. Es sei aber nicht zu bestreiten, dass die Agrarpolitik, die bäuerliche Betriebe in bestimmte Wirtschaftsweisen „hineintreibt“, eine Mitverantwortung trage am Klimawandel und an den ganz konkreten Folgen, wie das im Fall von Hochwasserereignissen der Fall sei. Ihm sei durchaus bewusst, dass sehr viele Bäuerinnen und Bauern schon im eigenen Interesse sehr viel dafür tun, um den Boden vor Erosion zu schützen und damit auch den Folgen von hohen Niederschlagsmengen entgegenzuwirken.

Vorzeigebetrieb beim Erosionsschutz

Der Gschöderer-Hof als Treffpunkt war gut gewählt, denn der Betrieb arbeitet schon seit Jahren ganz bewusst umweltschonend und gehört zu den Vorzeigebetrieben im Rahmen des Wasserpaktes. „Auf diesem Betrieb können sich Landwirte informieren über einen nachhaltigen und ressourcenschonenden Umgang mit Gewässern und Grundwasser, Boden und über machbaren Klimaschutz“, erläuterte Landwirtschaftsdirektor Josef Eichenseer, der auch unterstrich, dass man am Amt in Pfarrkichen schon seit fast einem Jahrzehnt eine eigene, sehr gut nachgefragte Wasserberatung anbiete.
Das, was Seniorchef Ludwig Gschöderer und sein Sohn Konrad im Bereich Wasser- und Hochwasserschutz leisten, nötigte dann auch Prof. Hubert Weiger großen Respekt ab: Seit über 15 Jahren werden auf allen hängigen Flächen nach Getreide Zwischenfrüchte angebaut und der darauffolgende Mais im Mulchsaatverfahren bestellt. Die im Betrieb anfallenden Wirtschaftsdünger werden mit besonders schonender Technik ausgebracht. Und: auf direkt an Gewässer angrenzende Äcker hat der Betrieb 10 bis 30 m breite Pufferstreifen für den Gewässerschutz angebracht. „Wir arbeiten so, dass das Wasser von oben da hinkommt, wo es hingehört, nämlich in den Boden“, so Ludwig Gschöderer. Das verhindere Erosion und verbessere den Hochwasserschutz. Bei der Bodenbearbeitung habe man längst Konsequenzen gezogen auch aus eigenen Versuchen: Die grob bearbeitete Erde sei durchlässiger für das Regenwasser und könne es besser speichern, man setze daher auch weiterhin auf oberflächennahe Bearbeitung.

Gemeinsames Umdenken wichtig

Wie sich das praktisch auswirkt, belegte Konrad Gschöderer auch gleich mit der „Regenwurmprobe“: Die Zahl der Würmer, die sich trotz der längeren regenarmen Periode in einem vor den Augen der Gäste ausgehobenen Erdhaufen tummelte, überzeugte auch den BUND-Präsidenten.
Es wurde noch viel diskutiert in der Maschinenhalle der Gschöderers, der Besuch von Prof. Weiger dauerte länger als geplant und auch er stellte abschließend noch einmal klar: „Für uns beim BUND ist natürlich jeder Betrieb ein potenzieller Ökobetrieb. Wir wissen, dass sich das nicht von heute auf morgen oder in den nächsten Jahren umsetzen lässt. Aber wir wissen auch, dass die Landwirtschaft zumindest in der bäuerlichen Form, wie wir sie in Bayern glücklicherweise noch haben, einen Bewusstseinswandel erlebt, für den der Betrieb Gschöderer sicher eines der besten von vielen guten Beispielen ist.“
Einig waren sich Vertreter von BUND und BBV, dass der Hochwasserschutz am besten dann gewährleistet wird, wenn man die Landwirtschaft einbindet in möglichst viele Maßnahmen vor Ort, doch leider funktioniere das nicht so einfach, wie von mehreren Landwirten berichtet wurde: Die Wasserwirtschaft verfolge hier meist einen anderen Weg mit zentralen Maßnahmen. „Da hoffen und arbeiten wir aber auf ein Umdenken hin“, waren sich Prof. Weiger und Hermann Etzel einig.
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