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Aufreger

Biberplage: Landwirte machen ihrem Ärger Luft

Biberschaden
Ferdinand Lenz
am
29.06.2017

Günching/Lks. Neumarkt - Trotz Bibermanagement, Artenschutzrechtlichen Ausnahmen und Biberschadensfonds: die Probleme mit den Nagern sorgen in bestimmten Bereichen des Landkreises Neumarkt für Ärger und Unmut bei den betroffenen Landwirten.

Dies wurde bei einem vom BBV-Kreisverband Neumarkt initiierten Ortstermin im Dürner Schlag zwischen Günching und Deusmauer deutlich. Sie wurmt es, weil der Biber schon längst keine bedrohte Art mehr ist, aber noch immer einen besonderen Schutzstatus genießt. Ihre klare und unmissverständliche Forderung lautet deswegen: die Zahl der Biber durch mehr Fallen oder genehmigte Abschüsse zu regulieren und vor allem die entstandenen Schäden an ihrem Eigentum besser zu entschädigen. Statistisch gesehen sind die Schäden scheinbar rückläufig, aber der Schein trügt. Grund dafür sind der nur anteilig bezahlte Ausgleich und vor allem der enorme bürokratische Aufwand, der viele Betroffene davon abhält, Meldung zu erstatten. Für BBV-Kreisobmann Michael Gruber gibt es nur eine vernünftige Lösung: „Wenn der Biber auch künftig gesellschaftlich akzeptiert werden soll, dann muss er in den Bereichen bleiben, wo er nicht stört.“ Wo er aber auf jeden Fall ganz beträchtlich stört und in den angrenzenden Wäldern erheblichen Schaden anrichtet, ist im Bereich des Dürner Baches, einer landwirtschaftlich intensiv genutzten Fläche, die an das Deusmauerer Moor angrenzt. Geschätzt leben zwischenzeitlich im Landkreis Neumarkt rund 800 Biber und Jungtiere. Diese müssen sich – wenn angestammte Reviere besetzt sind – neuen Lebensraum suchen.

Besonders stark sind die Waldungen von Maria und Markus Deinzinger aus Günching betroffen. Sie haben es längst aufgegeben, die Bäume zu zählen, die um- und angenagt oder unrettbar geschädigt wurden. Adäquate Entschädigung Fehlanzeige. Markus Deinzinger zu den Vertretern der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes, die mit Landrat Willibald Gailler gekommen waren: „Die Entschädigung ist viel zu gering, die verwendeten Tabellen entsprechen nicht der Realität.“

Martin Federhofer von der BBV-Kreisvorstandschaft sieht im Bibermanagement zwar kleine Erfolge, aber die reichen nicht aus, um der Probleme Herr zu werden. Wenn es greifen soll, dann müsste zügiger und unbürokratischer gehandelt und vor allem darauf gedrängt werden, dass der Biber aus den Bereichen, in denen er für Probleme sorgt, verschwindet. Warum nicht – wenn alle Reviere besetzt sind – auch über eine Vermarktung nachdenken? Und noch etwas beklagen die betroffenen Landwirte: die Naturschutzverbände finden vielfach mehr Gehör als die Betroffenen.

Landrat Gailler äußerte Verständnis für die Betroffenen, machte aber gleichzeitig deutlich, dass die Möglichkeiten und der Spielraum der Unteren Naturschutzbehörde begrenzt sind. Er verwies auf die sechs Biberberater im Landkreis.

Markus Neuwald, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, verwies darauf, dass zwischen 30 und 40 Schäden pro Jahr gemeldet werden. Da der Fonds dafür gedeckelt, ist werden Schäden bis 80 % erstattet. Seit 2006 hat man 71 Fanggenehmigungen erteilt, wobei 99 Tiere in die Falle gingen. Im letzten Jahr wurden 22 Biber gefangen, heuer gab es fünf Genehmigungen mit sieben gefangenen Bibern.

Biberberater Alfred Loritz machte deutlich, dass die Richtlinien sehr restriktiv sind, man aber im gegenseitigen Einvernehmen bemüht sei, die Probleme zu lösen. Dass aber die bisherigen Bemühungen nicht ausreichen, um die Probleme in den Griff zu bekommen, blieb eine Tatsache. Landrat Gailler will sich an höheren Stellen für die Landwirte verwenden und versuchen, Bayerns Umweltministerin zu diesem Problem in den Landkreis einzuladen.

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