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Vorbildlich

Bodenschutz muss Priorität haben

Bauarbeiten Gasleitung
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Gerd Kreibich, Wochenblatt
am
19.09.2017

Bei einer Besichtigung der Bauarbeiten für die Oberpfälzer Gasleitung wurde deutlich, dass sie ein Vorbild für den SüdOstLink sein könnte.

Bauarbeiten

Der Regierungspräsident der Oberpfalz, Axel Bartelt, besichtigte gemeinsam mit Josef Wutz, Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbands in der Oberpfalz, dem BBV-Kreisobmann Johann Mayer, BBV-Referent Hubert Hofmann und Mitarbeitern der Regierung der Oberpfalz die Bauarbeiten an der Erdgasstrasse zwischen Schwandorf und Forchheim. Verlegt wird diese von Schwandorf bis ins oberbayerische Forchheim bei Pförring über eine Gesamtlänge von rund 62 km. Die Bauarbeiten des Vorhabenträgers Open Grid Europe, die im August 2016 begonnen haben, stehen kurz vor dem Abschluss. Ende 2017 soll die Erdgasleitung in Betrieb genommen werden.
Wie sich die Teilnehmer der Besichtigung selbst überzeugen konnten, finden nur auf einem kurzen Teilbereich von rund 300 m in der Nähe von Hemau derzeit noch letzte Bauarbeiten an der Rohrleitung statt. Ein Großteil der Gasleitung ist bereits wieder im Erdreich vergraben. Hier wird, wie beispielsweise im Bereich Machtlwies westlich von Burglengenfeld, der zweiten Station der Informationsfahrt, das Erdreich für die landwirtschaftliche Nutzung wiederaufbereitet und rekultiviert.
„Ziel der Besichtigung war es, sich persönlich vor Ort ein Bild von diesen umfangreichen Bauarbeiten zu machen und zu sehen, wie die während der Bauphase in Mitleidenschaft gezogenen Flächen für die spätere Nutzung wieder ertüchtigt werden“, betonte Regierungspräsident Bartelt. Besonders für die Vertreter des Bayerischen Bauernverbands sei dies von Bedeutung. „Für uns Landwirte ist der Boden die wichtigste Wirtschaftsgrundlage für unsere Betriebe. Deshalb muss bei erdgebundenen Leitungsbaumaßnahmen Sorge dafür getragen werden, diesen zu schützen und seine Funktionsfähigkeit zu erhalten“, bestätigte BBV-Bezirkspräsident Wutz, der auch deutlich machte: „Der Bodenschutz darf angesichts der Größe und der geplanten Umsetzungsgeschwindigkeiten der Leitungsbauprojekte nicht leiden.“
Denn die Erdgasleitung ist nur eines der Projekte, von denen die Landwirtschaft in der Oberpfalz betroffen ist: „Auch für die geplante Strom­trasse des erdverkabelten ,SüdOstLinks’ werden land- und forstwirtschaftliche Flächen in erheblichem Umfang in Anspruch genommen“, erläutert BBV-Referent Hubert Hofmann. Ausgleichsflächen für die temporäre Beeinträchtigung landwirtschaftlicher Flächen bieten in diesen Fällen produktionsintegrierte Kompensationsmaßnahmen, die durch die neue Bayerische Kompensationsverordnung ermöglicht werden. „Damit wird aus naturschutzfachlicher Sicht nicht nur die Förderung eines höheren Artenreichtums, sondern auch gleichzeitig die landwirtschaftliche Nutzung der Kompensationsflächen ermöglicht“, betonte der Regierungspräsident. Mindererträge bzw. höhere Aufwendungen, die durch spezielle Auflagen in der Bewirtschaftung anfallen, werden dabei vom Verursacher des Eingriffs finanziell ausgeglichen. Zum Abschluss der Informationsfahrt wurden nördlich von Burglengenfeld solche Flächen von den Teilnehmern besichtigt.

Verträglichkeit im Verfahren geklärt

Weil mit knapp 38 km der Großteil der Erdgastrasse durch die Oberpfalz führt, wurden unter Federführung der Regierung der Oberpfalz die Raumverträglichkeit der Erdgastrasse wie auch deren raumbedeutsame Auswirkungen in einem Raumordnungsverfahren geprüft und mit einer landesplanerischen Beurteilung im Frühjahr 2015 abgeschlossen. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung war zudem Teil des darauffolgenden Planfeststellungsverfahrens, das ebenfalls von der Regierung der Oberpfalz durchgeführt und mit Planfeststellungbeschluss vom 19. August 2016 abgeschlossen wurde.
„Mit dem Raumordnungsverfahren und dem Planfeststellungsbeschluss wurde im Vorfeld der Maßnahme unter dem Einbringen aller betroffenen Belange die Verträglichkeit des Verlaufs und des Baus der Gasstrasse für die Umwelt und den Menschen in den Fokus gerückt“, so Regierungspräsident Axel Bartelt. Von der Professionalität und der Sensibilität, mit der das Bauvorhaben vor Ort durchgeführt wird, zeigte er sich darüber hinaus sehr beeindruckt. Noch vor wenigen Jahrzehnten hätte die Aufarbeitung des Bodens nach dem Bau von Erdgastrassen beispielsweise nur eine sehr geringe Rolle gespielt. „Heute wird nicht nur auf den Boden geachtet, es werden von Unternehmen wie der Open Grid Europe zudem Fachabteilungen für Naturschutz, Landwirtschaft und Forsten, insbesondere für die bodenkundliche Baubegleitung, beschäftigt“, zählte er auf. Zielvorstellung sei es, Schäden für den Boden zu vermeiden und seine Ertragsfähigkeit bestmöglich zu erhalten.

Offener Dialog auch für den SüdOstLink

Diesen Bewusstseinswandel und das Bemühen um einen intensiven Austausch zwischen Unternehmen und den von der Baumaßnahmen Betroffenen werteten Regierungspräsident Bartelt wie auch die Vertreter des Bayerischen Bauernverbands als positiv. Angesichts der bevorstehenden Leitungsbaumaßnahmen in Ostbayern müsse der Dialog zwischen den Beteiligten auch in Zukunft intensiv geführt werden. „Eine vergleichbar gute Zusammenarbeit ist für die Zukunft auch für den Bau des erdverkabelten SüdOstLink wünschenswert, darin waren sich Bartelt und die BBV-Vertreter einig.
So sieht es auch der zuständige Referent Hubert Hofmann vom Bayerischen Bauernverband im Bezirk Oberpfalz. Für ihn steht fest, dass der BBV von bewährten Grundsätze nicht abweichen werde: „Wir bestehen auf die wiederkehrenden Zahlungen und wir bestehen auf die verbindlichen Kriterien für den Bodenschutz“, erläutert er im Gespräch mit dem Wochenblatt. Dabei sei mittlerweile auch bekannt, dass Tennet als Bauherr der „Stromautobahn“ versuche, mit Landwirten individuell ins Gespräch zu kommen – vor vorschnellen Zusagen in solchen Gesprächen warnt Hofmann. Er rät zur Rücksprache mit dem Bauernverband, denn: „Nur gemeinsam können wir die berechtigten Interessen der Landwirtschaft durchsetzen“.

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