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Ein buntes Feldfrucht-Paradies

Ruhstorf_b1
Hans Nöbauer
am
09.09.2019

Die Zweigstelle der LfL in Ruhstorf hat sich der Öffentlichkeit vorgestellt.

Ruhstorf a. d.Rott/Lks.Passau Da wächst der Marktgemeinde Ruhstorf ,noch dazu direkt in deren Zentrum, auf hunderten Miniparzellen beiderseits des Zeindlwegs im wahrsten Sinne ein wahres „Feldfrucht-Paradies der üppig sprießenden Extra-Klasse“ heran: Was nämlich bei der neugeschaffenen Zweigstelle der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) beim erstmals organisierten Feldfruchttag unter dem Motto „Biodiversität mit Mais, Eiweiß- und Energiepflanzen“ hochwissenschaftlich klang, bildet in „natürlicher“ Wirklichkeit einen noch dazu verständlich beschilderten botanischen Garten, in dem interessierte Betrachter vom Kindes- bis zum Seniorenalter nicht nur geduldet, sondern sogar „ausdrücklich erwünscht“ sind.

Im Endausbau rund
200 Beschäftigte

„Die neue Ruhstorfer LfL-Zweigstelle gedeiht prächtig, bereichert mit seinem naturbelassenen Agrar-Ambiente das Marktbild und passt durch den ökologisch ausgerichteten Wissenschaftsstandard bestens in die gesamte bayerische LfL-Szenerie“, bekundete LfL-Präsident Jakob Opperer auch gegenüber dem 3. Bürgermeister und stellvertretenden BBV-Kreisobmann Josef Hopper seine Freude über den neuen Standort mit am Ende 200 Beschäftigten.
„Klassische landwirtschaftliche Kulturen in verschiedenen Ausbausystemen, neu- und wiederentdeckte Kulturen von der goldgelben durchwachsenen Silphie bis zum Riesenweizengras, moderne Wildpflanzenmischungen sowie nicht zuletzt die Sojabohnen und Lupinen als zukunftsträchtigen Eiweißpflanzen: Auf der Ruhstorfer Versuchsanlage blüht, wächst und sprießt allen Interessenten aus nah und fern etwas wissenschaftlich Herzeigbares und zugleich wunderbar Anzuschauendes“, machte LfL-Zweigstellenleiter Robert Brandhuber deutlich und vermittelte damit vor allem auch der Bevölkerung „Lust auf Schauen und Staunen im Ruhstorfer Feldfrucht-Paradies“.
Von der ökologisch wertvollen Eselsdistel über Deckfrucht-Mischungen wie Besenhirse, Steckrosen, Fenchel und Wegwarte bis hin zu den buchstäblich überragenden leuchtendblauen Großkletten: Mit dem „Veitshöchheimer Durramix“ fand Pflanzenbautechniker Dominik Kretzer von der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau neben rund zwei Dutzend Feldtagsgästen auch beim stellvertretendem LfL-Institutsleiter für Pflanzenbau und -züchtung, Dr. Joachim Eder, besonderes Interesse – noch dazu, da die wild wuchernde und tiefwurzelnde Pflanzenmischung mit geringem Nährstoffbedarf weder Pestizide brauche noch Bodenerosionen auslöse und darüber hinaus durch eine wahre Nektar- und Pollenfülle Hummeln und Wildbienen als „Insektenwiese“ ideale Lebensräume biete.

Mais stand seit Kolumbus auf dem Speiseplan

„Was heutzutage kaum noch jemand weiß: Von Christoph Kolumbus nach der Entdeckung Amerikas von der Neuen in die Alte Welt transportiert, bildete Körnermais jahrhundertelang speziell auch in Bayern für die ländliche Bevölkerung einen festen Speiseplanbestandteil, der praktisch in allen Nachbarländern als Esstradition seither greift – im Freistaat allerdings nicht mehr“, erläuterte „Maiszüchtungsexpertin“ Dr. Barbara Eder (LfL Freising) und weckte die „Aufmerksamkeit für alte, adaptierte bayerische Ursprungssorten mit unschätzbarem genetischen Wert“. Erwähnt wurde für die hiesige Region vor allem der großkolbrige Rottaler Mais mit kleinen sattgelben glasigen, runden Körnern sowie vielen Kornreihen, aber auch die „sehr frühreife und dementsprechend kleinwüchsige Pfarrkirchner Maissorte mit lang-schmalen Kolben und großem, schön-rundem Korn“.
„In der polnischen Weizen-Genbank liegt auch eine ausdrücklich als Passauer bezeichnete Sorte“, verwies der Ruhstorfer LfL-Pflanzenzüchter Dr. Klaus Fleißner auf „echte historische Raritäten“ unter den insgesamt 84 alten Gersten – sowie 72 unterschiedlichen Sommer – und 66 Winterweizen-Sorten auf den hiesigen Versuchs-Parzellen.
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