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Schweinehaltung

Clemens Tönnies - manchmal sind Hauspreise nötig

Tönnies
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Gerd Kreibich, Wochenblatt
am
06.08.2018

Der Fleischverarbeiter Clemens Tönnies erklärt im Rottal seine Sicht auf den Markt und die Zusammenarbeit zwischen Erzeugern und Vermarktern.

Es war ein prominenter Gast, den der Bayerische Bauernverband im Landkreis Rottal-Inn zum Kreisbauerntag eingeladen hatte: Clemens Tönnies, geschäftsführender Gesellschafter der Tönnies Lebensmittel GmbH und einer der größten Fleischverarbeiter Europas, war gekommen, um seine Sicht der Dinge zu erklären beim Blick auf die nationalen und internationalen Fleischmärkte, auf die Situation der Erzeuger und auf die verschiedenen Probleme, mit denen sowohl Erzeuger als auch Verarbeiter zu kämpfen haben.

Der 62-jährige Unternehmer, populär auch als Aufsichtsratsvorsitzer des Traditionsfußballvereins Schalke 04, plädierte sowohl beim Besuch auf einem bäuerlichen Betrieb in Mitterskirchen als auch als Referent in seinem Vortrag beim Kreisbauerntag für bessere Zusammenarbeit und mehr Vertrauen zwischen Erzeugern und Fleischverarbeitern.„Wenn Sie nicht genug für Ihre Tiere bekommen, dann liefern Sie uns nichts und unsere Haken bleiben leer – dann haben Sie nichts davon und wir schon gar nicht“, stellte er auch klar.

Clemens Tönnies wurde als Sohn eines Metzgers in Rheda geboren. Nach der Schule machte er eine Ausbildung als Fleischtechniker und Kaufmann. Mit seinem Bruder Bernd Tönnies gründete er im Jahr 1971 einen Fleisch- und Wurstwarengroßhandel. Nach und nach bauten sie gemeinsam ein Unternehmen auf, das heute zu den größten Fleischproduzenten Europas gehört. 

Bauern leisten vorzeigbare Arbeit

Beim Rundgang durch den 85-Hektar-Betrieb mit 200 Zuchtsauen erwies sich der Unternehmer als Kenner der Materie: Über Schweinerassen und Haltungsformen weiß er natürlich Bescheid, doch er kennt, wie er betont, auch die Probleme der Schweinehalter, wenn es um Preise und Bürokratie geht. Dem Ferkelerzeugerbetrieb der Laibingers bestätigte er Produktion auf höchstem Niveau: „Die Arbeit, die hier geleistet wird, ist absolut vorzeigbar“, so Tönnies.

So eine Landwirtschaft habe keinen Grund, sich zu verstecken und schon gar nicht, „wenn ein Betrieb so gut geführt ist“. Über diese Anerkennung freute sich auch Landwirt Josef Laibinger. Im Gespräch mit den Betriebsinhabern und Vertretern des Bauernverbandes in der für diesen Zweck ausgeräumten und mit Biertischen ausgestatteten Garage machte Tönnies klar, dass Öffentlichkeitsarbeit in der Land- und Fleischwirtschaft derzeit absolut unverzichtbar sei.

Angesichts des sinkenden Fleischverbrauches warnte er davor, sich zu große Sorgen zu machen: „Wenn jemand absolut kein Fleisch essen will, dann kann man ihn eben nicht überzeugen, da sollten wir uns lieber auf diejenigen Menschen konzentrieren, die gerne ein gutes Stück Fleisch essen – denen müssen wir klar machen, dass sie sich auf unsere Produkte verlassen können“. 

VEZG ist nicht immer der richtige Maßstab

Tönnies

BBV-Kreisobmann Hermann Etzel, BBV-Bezirkspräsident Gerhard Stadler und BBV-Generalsekretär Georg Wimmer  brachten zusammen mit weiteren Vertretern des Berufsstandes vor allem das Thema „Erzeugerpreise“ auf den Tisch und dabei auch den Umstand, dass Tönnies selbst mit so genannten „Hauspreisen“ den eigentlich als Standard betrachteten VEZG-Preis (Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch) immer wieder unterlaufe.

Clemens Tönnies wollte diese Hauspreise gar nicht außer Frage stellen, er zeigte auch Verständnis für den Ärger und Frust der Landwirte. Aus seiner Sicht seien die Hauspreise aber zu manchen Zeiten „schlicht unverzichtbar“, so der Unternehmer. Grundsätzlich stehe er zum VEZG-Preis, unterstrich er: „Wir richten uns fast das ganze Jahr an dieser Preisgestaltung aus, aber in einigen wenigen Fällen geht das ganz einfach nicht, weil der VEZG die Marktsituation vor allem im internationalen Bereich nicht immer ausreichend berücksichtige.

„Tönnies macht den Preis nach Belieben“ – diese Behauptung sei “blanker Unsinn“, hielt Tönnies fest und machte klar: „Wir sind doch auf die Lieferungen der Landwirte angewiesen, weil sonst unsere Bänder stillstehen würden.“ Für ihn gelte deshalb: „Wenn es der Markt hergibt, dann zahlen wir mehr, wenn nicht, dann geht es eben nicht – aber wir erklären das, weil ich immer noch ein Metzger bin, für den eine klare und gute Beziehung zum Landwirt wichtig ist.“ Er selbst könne sich eine längere Preisbindung durchaus vorstellen. Aber dazu  müsste aber die gesamte Kette vom Landwirt bis zum Handel ins Boot. Doch es sei nun einmal „traurige Tatsache“, dass ca. 60 Prozent der Fleischmengen in Deutschland als Sonderangebote verkauft werden. 
Beim Kreisbauerntag in Mitterskirchen wurde Tönnies bereits von einem vollen Saal erwartet. Begrüßt wurde er von Kreisobmann Hermann Etzel und vom Präsidenten des Bauernverbandes in Niederbayern, Gerhard Stadler. Beide stellten die Leistungen der Landwirtschaft für die Gesellschaft heraus, sie schilderten aktuelle Probleme der Schweinehalter wie die Kastrationsproblematik. Clemens Tönnies habe man eingeladen, weil viele dieser Probleme nur im Schulterschluss mit Erzeugern und Handel gelöst werden könnten und man deshalb auch diese Seite gehört werden solle.

BBV-Bezirkspräsident Stadler nannte als Beispiel für ungerechtfertigte Anschuldigen den Einsatz von Antibiotika: „Die Landwirtschaft hat den Einsatz dieser Medikamente drastisch zurückgefahren, das wird aber nicht anerkannt – und wenn in der selben Zeit der Einsatz von Antibiotika bei Menschen ständig ansteigt, dann interessiert sich niemand dafür, weil da wohl eine andere Lobby dahintersteht“.

Landwirte sollen sich nicht wegducken

Tönnies forderte die Landwirtschaft zu mehr Selbstbewusstsein auf: „Wenn man sich anschaut, nach welchen Standards in unserem Land Fleisch erzeugt und verarbeitet wird, dann sehe ich keinen Grund, warum wir uns wegducken sollten. Doch dies setze auch Vertrauen untereinander voraus: „Wir müssen zusammenarbeiten, nicht gegeneinander. Wir können als Erzeuger und Verarbeiter auch einmal streiten, aber am Ende müssen gemeinsame Interessen den Ausschlag geben.“ 

Für den BBV hatte Tönnies noch ein ganz spezielles Lob mitgebracht, als er von Landwirten nach seiner Meinung zum Thema „Kastration“ gefragt wurde. Selbstverständlich sei der „4. Weg“ die einzig sinnvolle Lösung, so Tönnies. Insbesondere BBV-Präsident Walter Heidl sei hier ein „ausgezeichneter Vorkämpfer für die Vernunft“, so der Unternehmer: „Hoffentlich wissen die bayerischen Bauern, dass sie mit Walter Heidl eine absolute Granate an der Spitze haben – wenn jemand eine sinnvolle Lösung durchsetzen kann, dann ist er das“.

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