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Marketing

Direktvermarktung - Botschafter der Landwirtschaft

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Lorenz Märtl
am
12.12.2018

Beim 13. Oberpfälzer Direktvermarktertag wird unter anderem der Lieferservice am Hutzelhof vorgestellt.

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Der landwirtschaftlichen Direktvermarktung wird von vielen Verbrauchern eine große Wertschätzung entgegengebracht, weil sie für ursprüngliche, frische und gesunde Lebensmittel aus der Region steht.“ Dies sagte Landwirtschaftsdirektor Wolfhard-Rüdiger Wicht zur Eröffnung des 13. Oberpfälzer Direktvermarktertages im Gasthof „Am Forsthof“, den in diesem Jahr das AELF Amberg-Sulzbach federführend organisierte. Drei Themenschwerpunkte sorgten für einen interessanten Erfahrungsaustausch: die Lebensmittelkennzeichnung, Märkte und Möglichkeiten sowie die Vermarktung mittels Lieferservice. Landrat Richard Reisinger bezeichnete den Amberger Bauernmarkt als Erfolgsmodell und Kreisbäuerin Brigitte Trummer nannte die Selbstvermarkter „wichtige Botschafter der Landwirtschaft“.

Die Tatsache, dass Lebensmittelkennzeichnung europäisches Recht ist, sorgt dafür, dass die kleinen Selbstvermarkter genauso gefordert sind wie großen Erzeuger. Für viele, so Hauswirtschaftsoberrätin Ursula Eckl, wären die zahlreichen Vorschriften, die zu beachten sind, eine ungeliebte Verpflichtung, „aber sehen Sie dies auch als Werbebotschaft an interessierte Verbraucher und als notwendige Information für Allergiker, die man nicht hoch genug einschätzen kann. Betrachten Sie die Etikettierung als innovativen Weg.“

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Dass es bei über 200 speziellen Verordnungen, Richtlinien und Gesetzen nicht einfach ist, den Überblick zu bewahren, wurde in den Ausführungen der Diplomökotrophologin und Ernährungsreferentin Silke Gulder vom Verbraucherservice Bayern deutlich, die speziell das herausgearbeitet hatte, was gerade für Direktvermarkter von großer Bedeutung ist. Sie zeigte mit dem Verweis auf die einzelnen Produktgruppen auf, welche Pflichtangaben bei verpackter und unverpackter Ware verlangt werden: Zutatenverzeichnis, Hauptallergene, Mindesthaltbarkeits- bzw. Verbrauchsdatum und regionale Herkunftsbezeichnung. Detailliert erörterte sie außerdem die geltenden Sonderregelungen für bestimmte Lebensmittelgruppen.
Interessante Aspekte erbrachte die von Thomas Bärthlein (OTV) moderierte Diskussionsrunde zum Thema Märkte und Möglichkeiten und was Museumsmärkte, die Metropolregion, Regionalmärkte und Genussorte für Direktvermarkter bedeuten. Diese seien Chancen, Produkte einem noch größeren Verbraucherkreis schmackhaft zu machen. Ursula Eckl brachte es so auf den Punkt: „Die Produkte und die Direktvermarkter sind so verschieden wie die Wege, sie zu vermarkten.“

Genussmeile
der Renner

Dr. Christa Standecker von der Metropolregion Nürnberg warb für eine Beteiligung an den gemeinschaftlichen Präsentationen und Auftritten bei der Verbrauchermesse Consumenta („die Genussmeile ist der Renner“) und dem weltbekannten Nürnberger Christkindlesmarkt. Bis jetzt lasse die Beteiligung aus dem Raum Amberg-Sulzbach zu wünschen übrig. Das will aber die Regionalentwicklung beim Landratsamt ändern, wie Veronika Schmalzl betonte. Man werbe für die Plattform original-regional als Möglichkeit, neue Märkte zu erschließen. Man sehe sich als Vermittler auf einem guten Weg. Geplant sind seitens der Metropolregion die Neuauflage der kulinarischen Landkarte („Wir hoffen auf neue interessante Produkte“) und die Etablierung von Genusstouren. Die Vermarktung, so Standecker, sei die Herausforderung schlechthin und dabei sollte man die Kooperation mit dem Fremdenverkehr nicht außer Acht lassen.
Kreisbäuerin Brigitte Trummer und die 1. Vorsitzende des Bauernmarktvereins Amberg, Angelika Hüttner, zeigten auf, dass der Bauernmarkt nach wie vor die ideale Plattform für Selbstvermarkter in der Stadt ist. „Und der Bedarf ist da“, sagten sie und betonten, dass man noch weitere Vermarkter mit einbinden würde. „Das Regionale ist unsere Stärke“, ergänzte die Kreisbäuerin, die hier den richtigen Ort für den Dialog mit dem Verbraucher sieht.

Produkte und Geschichten

Interessante Wege und Möglichkeiten, regionale Erzeugnisse und Spezialitäten bekannt zu machen und zu vermarkten, zeigen auch die Aktionen im Oberpfälzer Freilandmuseum Neusath-Perschen und im Genussort Region Hirschwald. Museumsleiterin Dr. Birgit Angerer will damit kein Geschäft machen, sondern in erster Linie Besucher anlocken, „durch gute Produkte, zu denen wir Geschichten erzählen“. In diese Richtung zielen auch die Pläne von Isabella Lautenschlager, der Geschäftsführerin des Naturparks Hirschwald. „Die Gäste sollen sich mit den Produkten assoziieren“, lautet ihre Intention. Sie will das mit touristischen Angeboten koppeln, wobei der bereits bestehende Erzweg der Aufhänger sein soll. Dass dabei auch die Ökomodellregion Amberg-Sulzbach mit von der Partie ist und flankierend mitwirkt, sicherte deren Managerin Barbara Ströll zu.

Wirkungsvolle Botschaft im Internet

Wer mittels Lieferservice vermarkten will, braucht eine wirkungsvolle Botschaft im Internet. Die vermittelt der Hutzelhof in Weißenberg in der Gemeinde Edelsfeld seit vielen Jahren erfolgreich. Günther Kugler gründete den Hof 1995 neu und bewirtschaftet ihn seitdem nach den strengen Demeter-Richtlinien für biologisch-dynamische Landwirtschaft. Auf rund 5 ha Fläche – Freiland und Gewächshäuser – werden vor allem Frisch- und Feingemüse angebaut. Auf den übrigen 15 ha wachsen Getreide und Kleegras oder Pflanzen zur Gründüngung. Im Sommer 2016 eröffnete man zudem eine Hofbäckerei, in der täglich frisches Brot und Backwaren ausschließlich aus Oberpfälzer Demeter-Getreide gebacken wird.
Alle Lebensmittel, die der Kunde bestellt, kommen aus eigenem Anbau und der Bäckerei sowie zahlreichen Biobetrieben aus der Region, mit denen man schon seit vielen Jahren zusammenarbeitet. Von Anfang an verfolgte man konsequent die Idee einer gemeinsamen Direktvermarktung, was den Kunden die Möglichkeit bietet, aus einem möglichst breiten Sortiment auszuwählen.
Das Liefergebiet umfasst den Großraum Nürnberg, Amberg-Sulzbach, Weiden, Schwandorf, Neumarkt und zudem Bayreuth. Von Montag bis Freitag erfolgt die Lieferung auf festen Routen.

Kein klassischer Hofladen

Einen klassischen Hofladen gibt es nicht, der Shop (www.hutzelhof.de) findet sich mit seiner breiten Angebotspalette im Internet. Internetshop und Online Marketing sind das Metier von Lea Rosenberg, in deren Händen auch die Vertriebsleitung liegt, während sich Geschäftsführer Jürgen Obermeier darum kümmert, dass der Betrieb mit seinen mittlerweile 70 Beschäftigen und der Nachschub reibungslos funktionieren.
Wer das Internet als Plattform nutzt, muss alle Social-Media-Kanäle bespielen und mit griffigen Infos punkten, die den Nutzer nicht nur ansprechen, sondern auch etwas bringen. Einen deutlichen Mehrwert bringen dem Hutzlhof die verschiedenen Kisten, vor allem jene, die den Bezug zu angebotenen Rezepten haben.
Hinter all diesen Marketing-Kanälen im Internet steckt ein großer Aufwand. Wichtig ist auch hier die persönliche Ansprache der Kunden über einen regelmäßigen Kundenbrief, der zusätzlich von einem Newsletter ergänzt wird, ebenso die Ansprache der Kunden über Facebook mit Filmchen, Bildern und gut recherchierten Infos, „um glaubwürdig zu sein“.

Ein unverzichtbares Instrument ist Google Analytics, das wichtige Erkenntnisse über das Kaufverhalten bringt. „Ansonsten fischen Sie im Trüben“, bringt es Günther Kugler auf den Punkt.

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