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Veranstaltung

Direktvermarktung - Das Gesicht hinter den Produkten

Lorenz Märtl
am
11.12.2017

Der 12. Oberpfälzer Direktvermarktertag fand auf dem Ziegenhof Deß in Richthof bei Freystadt statt.

Ziegenbäuerin Deß

Landwirtschaft hat Zukunft und ganz viele Gesichter. Eines davon ist die Direktvermarktung. Die Anbieter sind immer wieder aufs Neue durch Vorschriften, Richtlinien, Kontrollen sowie Veränderungen bei Angebot und Nachfrage gefordert. Aber auch Kundenerwartung, Kundentreue und Altersstruktur stellen sie immer wieder vor neue Herausforderungen.

Der 12. Oberpfälzer Direktvermarktertag, zu dem die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten aus der ganzen Oberpfalz auf den Ziegenhof Deß nach Richthof bei Freystadt eingeladen hatten, bot den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die auch aus den angrenzenden Regierungsbezirken kamen, vielfältige Informationen zu aktuellen Trends und Impulsen „damit die Kasse stimmt“.

Harald Gebhardt, Behördenleiter des Neumarkter Amtes, zeigte sich erfreut über den großen Andrang und bezeichnete die Direktvermarkter als „das Gesicht hinter den Produkten“. Regionalität liege nach wie vor im Trend und Direktvermarktung sei der richtige Weg, den wichtigen Dialog mit den Verbrauchern zu führen. Da in der allgemeinen Diskussion das Bild der Landwirtschaft oft nicht der Realität entspreche, wären gerade die Direktvermarkter prädestiniert dazu, dies zurechtzurücken. „Breit aufgestellt und vielseitig ist das Bild der Landwirtschaft der Zukunft“, bekräftigte Gebhardt.

Erlebnisbäuerin als Vermarktungsprofi

Musikalisch stellte „Goaßbäuerin“ Maria Deß den Betrieb vor, auf dem sich seit elf Jahren alles um die Ziege dreht. Zur Direktvermarktung der Ziegen und ihrer Produkte hat sich die einfallsreiche zertifizierte Erlebnisbäuerin, Bauernhofgastronomin und Märchenerzählerin viel einfallen lassen, um in Kombination mit den Angeboten im „Ziegencafé“ zusammen mit ihrem Mann Günther und den drei Söhnen zusätzliches Einkommen zu generieren. Der Erfolg gibt ihnen Recht, die Nachfrage ist ungebrochen, obwohl man keinen Cent für die Werbung ausgibt. Die Begeisterung, die von den Besuchern und Gästen weitergegeben wird, ist Werbung genug.

Aber wohl nicht jeder kann auf seinem Hof im Ortsinnern ein Café einrichten wie der Ziegenhof. Der liegt am Rande eines Weilers und stört so gut wie niemanden. „Gaststättennutzung birgt Konfliktpotenzial“, wusste Helga Huber, Bauamtsleiterin am Landratsamt Neumarkt, zu berichten. Das sollte man neben Rechtsvorschriften nicht außer Acht lassen. Ihr Rat: „Stellen Sie auf jeden Fall einen Antrag auf Vorbescheid, wenn Sie eine bauliche Nutzungsänderung anstreben.“ Auf jeden Fall lohne sich ein guter Planer, denn das Baurecht sei ein sehr komplexes Thema. Man sollte aber die Behörde nicht nur als Kontrolle, sondern auch als Berater sehen, war ihre abschließende Empfehlung.

Automat und Internet

Dass Automaten und Internet als neue Verkäufer auch bei den Direktvermarktern eine immer größere Rolle spielen, machte Hauswirtschaftsdirektorin Ingrid Bär vom AELF Roth deutlich. Derzeit betreiben bayerische Direktvermarkter rund 200 Automaten, wovon mehr als die Hälfte Milchautomaten sind, Tendenz steigend. Sie verwies auf Chancen und Risiken, stellte Investitionskosten (mindestens 19.000 €), Arbeitszeitaufwand (täglich eine Stunde) und Folgekosten (rund 10.000 € pro Jahr) in Relation und zeigte auf, welchen Mindestabsatz von verschiedenen Produkten der Automat täglich bringen muss, damit sich der Aufwand lohnt. Auf jeden Fall wären Standort und Produktvielfalt entscheidende Kriterien.

Weiter beleuchtete sie die Direktvermarktung im Internet. Hier sei vor allem der Bekanntheitsgrad wichtig, „denn im Internet verkaufen Sie nur, wenn Sie einen Namen haben“. Sie ließ aber keinen Zweifel daran, dass dies die Vorbereitung auf die Kundschaft von Morgen sei. Bär verdeutlichte die verschiedenen Möglichkeiten der Internetnutzung, zeigte die unterschiedlichen Vermarktungswege auf, informierte über die verschiedenen Shopsysteme und verwies auf die Wichtigkeit der Einbindung des Onlineshops in die Prozesskette des Betriebes. Große Chancen sieht sie für spezialisierte und hochwertige Nischensortimente und gebündelte Produkte aus der Region, die den Umsatz erhöhen. Gut durchdacht müssten auch Bezahlsystem, Versand und rechtliche Dinge sein.

Interessante Tipps zum Thema Kassenführung im Steuerrecht kamen dann von Tobias Dirmeier, dem Leiter der BBV-Steuergruppe in Amberg. Er legte den Direktvermarktern anheim, ihr Augenmerk auf eine lückenlose Dokumentation der offenen Ladenkasse zu werfen. Sie werde verstärkt in den Prüfungsfokus der Finanzämter geraten, weil andere Kassensysteme mittels EDV „weniger manipulationsanfällig“ seien.
Kreative Abwechslung
Nach so viel Theorie sorgte Erlebnisbäuerin Waltraud Burger aus Weidenwang für kreative Abwechslung und zeigte, was sich aus Naturmitteln, Filz und Draht mit ein wenig Geschick und Einfallsreichtum zaubern lässt, um Produkte aus dem Hofladen „nett und ansprechend“ aufzuwerten.

Ursula Eckl (Amberg) und Sabine Pfeiffer (Neumarkt) hatten für die Organisation und den reibungslosen Ablauf des Tages gesorgt.

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