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Erfolg, der aus der Kapsel kommt

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Benedikt Grimm
am
22.01.2018

Friedenfels - Spezielle Reinigungsanlage für Mohn in Betrieb genommen, Anbauer werden noch gesucht.

Anfangs oft von vielen Seiten kritisch beäugt, hat sich die Kultur Biomohn im Steinwald inzwischen offenbar etablieren können. Die Güterverwaltung Friedenfels (Lks. Tirschenreuth) hat jetzt den nächsten Schritt gemacht und in eine spezielle Mohn-Reinigungsanlage investiert.
Einfach ist die Kultur von Biomohn nicht. Gleichwohl sahen die Vertreter der Ökomodellregion die Pflanze von Anfang an als Chance für die kargen Böden des Steinwaldes, die im Anbau herkömmlicher Ackerfrüchte kaum konkurrenzfähig mit anderen Regionen sind. Für Biobauer Josef Schmidt stand zu Beginn auch eine ganz persönliche Motivation im Vordergrund: Er isst gerne Mohnkuchen. Auf wenigen Tagwerken hat Schmidt vor einigen Jahren mit mühsamen Versuchen die optimale Kultur der Pflanze ausgetestet.
Meist Anfang Juli steht der Mohn dann in voller, pinkfarbener Blütenpracht auf dem Feld und bietet dabei Nahrung und Lebensraum für viele Insekten sowie eine Augenweide für den menschlichen Betrachter. Die Druschreife erkennt der Ökolandwirt an den Raschelgeräuschen der Kapseln. „Dann muss es schnell gehen“, weiß Schmidt, denn der Mohn müsse nach der Ernte sofort gereinigt werden um lagerfähig zu sein. Mit herkömmlichen Maschinen lässt sich das kaum bewältigen, da die extrem kleinen Körner zusammen mit Unkrautsamen einfach durch die Siebe fallen würden. „Bislang war das mühsame, nächtelange Handarbeit“, sagt Schmidt.

 

Wir wollen uns in Bayern zum Biomohn-Zentrum mausern

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Mit der Investition der Friedenfelser Betriebe wird die Verarbeitung der Mohnsamen künftig auf einer deutlich effizienteren Ebene stattfinden. „Das ist eine strukturell unheimlich wertvolle Investition. Uns ist es erstmals gelungen, morphinfreien Biomohn zum Verkauf anzubieten“, ist Josef Schmidt begeistert. Einzigartig sei, dass mit der Reinigungsanlage fast 99-prozentige Backqualität-Sortierung erreicht werde. Aufgrund der Seltenheit der Anlage rechnet Betriebsleiter Christoph Angeter mit einem bis zu 200 Kilometer großen Einzugsgebiet der Lieferanten. „Wir wollen uns in Bayern zum Biomohn-Zentrum mausern“, sagt Angeter. Der erste begeisterte Abnehmer für den vollständig in der Region erzeugten und abgepackten Mohn ist mit Bäckermeister Eberhardt Söllner aus dem nahegelegenen Ebnath ebenfalls bereits gefunden. Söllner setzt soweit wie möglich auf regionale Lebensmittel. „Ich bin sehr interessiert an heimischen Produkten. Dafür zahle ich gerne auch einen höheren Preis“, sagt der Bäckermeister, der mit regionalen Zutaten punkten möchte.
Elisabeth Waldeck, die Projektmanagerin der Ökomodellregion, hofft auf weitere Landwirte, die sich für die Kultur der anspruchsvollen Pflanze entscheiden. Dafür brauche es zunächst eine Genehmigung der Budesopiumstelle, die nur den Anbau morphinarmer Sorten erlaubt.
Eine weitere Herausforderung liegt in der Saat, da die Körner sehr klein und leicht sind und nur ein Kilogramm Samen pro Hektar ausgebracht werden.
Dass der Anbau von Mohn auch seine Tücken hat, hat das Jahr 2017 gezeigt. Die Ernte fiel sehr mager aus. Schmidt sieht es dennoch optimistisch, denn: „Es ist gut, dass es dieses Jahr nicht so gut gelaufen ist. So sieht man, wo die Probleme liegen“, meint der Biolandwirt. Im Steinwald blühte der Mohn außer auf den Feldern von Josef Schmidt auch auf Flächen der Güterverwaltung Friedenfels und von Martin Busch aus Eisersdorf.
In der Region sieht man derzeit durchaus noch „Luft nach oben“. Interessierte Landwirte erhalten deshalb bei der Ökomodellregion Steinwald Allianz nähere Informationen.

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