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boden:ständig

Erosionsschutz - mit Vernunft gegen Schäden

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Mia Goller
am
23.07.2018

Das Projekt boden:ständig im Landkreis Kelheim hat derzeit eine besondere Aktualität.

Viel zu tun hat derzeit Felix Schmitt vom Team boden:ständig im Landkreis Kelheim. Die starken Regenfälle, die in den vergangenen Wochen immer wieder über einzelne Ortschaften hereinbrachen, sorgten vielerorts für Überschwemmungen. Schmitt ist mit dem Landschaftspflegeverband, Kommunen und Landwirten täglich vor Ort, um die Situation einzuschätzen, gelungene Maßnahmen zu bewerten und um festzustellen, wo nachgearbeitet werden muss.

„Für den Erosionsschutz gibt es keine Patentlösung. Landwirtschaftliche Flächen sind wohl so unterschiedlich wie ihre Eigentümer. Sie müssen genau angeschaut werden, bevor zielgerichtete Maßnahmen umgesetzt werden“, unterstreicht Schmitt.

Dies sei ein wichtiger Aspekt in der Arbeit des Projektes boden:ständig, das vom Amt für Ländliche Entwicklung durchgeführt wird und im Landwirtschaftsministerium angesiedelt ist. Im Landkreis Kelheim wurde der Landschaftspflegeverband VöF mit der Umsetzung beauftragt. Projektleiter Schmitt und VöF-Geschäftsführer Klaus Blümlhuber arbeiten eng zusammen.

Sie bringen Erfahrung und moderne wissenschaftlichen Erkenntnisse mit. Unersetzliche Partner sind dann vor allem die Landwirte, welche die betroffenen Felder schon seit Generationen bewirtschaften und am besten wissen, wie der Boden auf Regen und Trockenheit reagiert. Gemeinsam werden Lösungen entwickelt. 

Maßnahmen zeigen Erfolg bei Starkregen

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Sieben Projekte laufen derzeit im Landkreis Kelheim. Viele Maßnahmen konnten dem Starkregen der vergangenen Wochen trotzen. „Das freut uns natürlich enorm, wenn unsere Arbeit so gute Erfolge bringt. Uns ist aber immer auch klar, dass wir an einigen Orten nachjustieren müssen. Auch wenn ein boden:ständig-Projekt offiziell abgeschlossen ist, sind wir noch da und verbessern, wenn das nötig ist“, unterstreicht Schmitt.

Wie zum Beispiel in Jauchshofen, wo auf den ersten Blick alles gut lief. Hier konnten Anfang des Jahres die letzten Maßnahmen abgeschlossen werden. Im Einzugsgebiet des Weilers wurden ein Weg erhöht und Rückhaltemulden errichtet, so dass die Fließgeschwindigkeit des Wassers verlangsamt wird. Gleichzeitig konnte ein gutes Konzept für die Bearbeitung und die Fruchtfolge der erosionsgefährdeten Flächen abgestimmt werden. 
 

Nicht jeder Landwirt ist gleich mit dabei

Doch jeden betroffenen Grundstücksbesitzer konnte das boden:ständig-Team nicht überzeugen. Schmitt wollte noch in einem Schlag die Reihe der Bäume und Hecken verlängern, damit das Wasser gebremst wird. Das gelang auch nach vielen Gesprächen nicht. Der Eigentümer blieb eisern. „Da macht es dann auch gar keine Freude, wenn man am Ende Recht behält“, sagt Schmitt. Gleich drei Mal innerhalb von zwei Wochen sammelte sich rund um die besagte Fläche, auf der unglücklicherweise auch noch sehr junger Mais für die Biogasanlage den Acker kaum bedeckte, regelrechte Wassermengen.

Rund 1000 Meter weiter unten rauschte die Flut in den Weiler Jauchshofen. Nur weil die Bewohner darauf gefasst waren und routiniert sämtliche Gullideckel öffneten, konnte eine Überschwemmung der Wohnhäuser verhindert werden. 30 Liter hatte es geregnet. „Was sollen wir machen, wenn es 50 Liter sind. Wir trauen uns ja schon nicht mehr wegzufahren, wenn es nach Regen ausschaut“, meinen die Jauchshofener und fordern Unterstützung auch vom Bürgermeister. Nun soll geprüft werden, mit welchen Sanktionen der Grundbesitzer doch noch mehr oder weniger freiwillig für den aktiven Erosionsschutz gewonnen werden kann.

Konstruktive Diskussionen

Konstruktive Diskussionen sind ein wichtiges Arbeitsmittel bei boden:ständig. Nicht jeder kann sich für den Erosionsschutz begeistern, doch es werden immer mehr Menschen, die froh sind über die Unterstützung. In der Gemeinde Rohr gab es sogar Diskussionen im Gemeinderat, wie es wohl gelingen mag, Teil der Initiative zu werden. Hier war es in den vergangenen Wochen ebenfalls zu starken Überschwemmungen mit hohen Schäden gekommen. Auf diesen Hilferuf hat Schmitt schnell reagiert. Es gab einen großen Termin mit den Bewohnern des betroffenen Ortsteils.

Schnelle Abhilfe konnte Schmitt freilich nicht versprechen: „Jetzt sind die Abflussrinnen vorgezeichnet und die werden die nächsten Monate auch bei kleinen Regen wieder anspringen. Der Sommer wird schwierig bleiben. Und dann muss man gut planen, um auch wirklich Verbesserungen zu erreichen. Dazu brauchen wir möglichst alle – Landwirte, Eigentümer und die Gemeinde.“ Es ist viel zu tun, denn auch aus den Gemeinden Ihrlerstein und Saal erreichten Hilferufe den Landschaftspflegeverband VöF. 

Feste Partner sind neben Jauchshofen Elsendorf, Mühlhausen, das südliche Gemeindegebiet Langquaid um die Schickamühle, Mallmersdorf, Teugn. „Wir haben in unserer Region eine starke Nachfrage, das freut uns natürlich, weil die Menschen merken, dass unsere Maßnahmen etwas bringen. Der Landkreis Kelheim ist eine Herausforderung mit seinen typischen Besonderheiten wie etwa dem Hopfenanbau. Es ist gut, dass die Menschen sich helfen lassen“, sagt Schmitt.

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