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Umfrage

Erschreckende Unkenntnis bei "Wir haben es satt"-Teilnehmern

wir-haben-es-satt-2019
Externer Autor
am
08.02.2019

Umfrage des BBV Passau unter Teilnehmern der Demo „Wir haben es satt“.

Das Wissen der Öffentlichkeit über die Landwirtschaft ist äußerst dürftig. Das hat eine Umfrage des BBV-Kreisverbands Passau unter rund 500 Teilnehmern der Demonstration „Wir haben es satt – auch in Niedernbayern“, die in Passau stattfand, gezeigt. Zwölf junge Landwirte hatten rund 10 % der Teilnehmer zu den Themen Glyphosateinsatz, Pflanzenschutz, Gentechnik und Bienensterben befragt. Fazit: „Die Ergebnisse sind erschreckend und derart geprägt von Unkenntnis und ideologischen Vorstellungen, wie wir es selber nicht erwartet haben“, resümierte Kreisobmann Hans Koller.
„Wo beginnt für Sie Massentierhaltung? Was heißt für Sie industrielle Landwirtschaft? Sollen Pflanzenschutzmittel verboten werden?“, lauteten einige der Fragen. Ausgestattet mit „neutralen Fragebögen“ mischten sich die jungen Landwirte unter die Demonstranten, um von ihnen zu erfahren, was sie über landwirtschaftliche Reizthemen denken. Insgesamt seien 50 Fragebögen beantwortet worden, sagte Koller. Bei 300 bis 500 Teilnehmern seien dies 10 bis 15 %. Das Ergebnis habe daher „sehr hohe Aussagekraft“.

Ängste werden geschürt

Die Umfrage fördere eine „erschreckende Unkenntnis“ und „das Schüren von Ängsten“ zu Tage, bilanzierte Koller. Ob beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, bei Art und Umfang von Glyphosatbehandlungen, der Definition von Begriffen wie Massentierhaltung oder Fragen zum Maisanbau und zum Ausbringen von gentechnisch verändertem Saatgut – die Demonstrationsteilnehmer zeigten „Wissensdefizite“. So glaubten rund 90 % der Befragten, dass Glyphosat mehrmals jährlich auf den Flächen ausgebracht wird. 75 % gingen davon aus, dass in Bayern gentechnisch verändertes Saatgut zum Einsatz komme, obwohl dies verboten ist. 60 % meinten, die Einsatzmengen von Pflanzenschutzmitteln würden jährlich weiter steigen. Auch bei Fragen rund um den Mais habe es „haarsträubende Ergebnisse“ gegeben.
Dabei handle es sich bei den Befragten meist um Aktivisten, denen in der öffentlichen Wahrnehmung und bei manchen politischen Entscheidungsträgern Kompetenz zugesprochen wird, kritisierte Koller weiter. Dies zeige auch das derzeit laufende Volksbegehren „Artenvielfalt – Rettet die Bienen!“, bei dem Sachargumente ausgeblendet und Ängste in den Vordergrund gerückt würden.
Die Befragung sei Beweis dafür, dass in der Gesellschaft das Wissen über die Landwirtschaft nicht oder nur mehr spärlich vorhanden sei, so Koller. An der Demonstration beteiligten sich Mitglieder und Funktionäre von Umweltverbänden, die als Experten betrachtet würden und sich offensiv in die Meinungsbildung der Bevölkerung einbringen.
Koller gab zu bedenken, dass höhere gesetzliche Auflagen, wie sie von den Demonstranten gefordert wurden, als erstes die kleinen Betriebe treffe, die dann aufgeben müssten. Dies beschleunige den Strukturwandel massiv. Er appellierte daher an Politiker, Medien und Bürger, mehr zu hinterfragen, und warb um Vertrauen. Dass Landwirten, die eine sechs- bis siebenjährige Ausbildung absolvieren, kaum Kompetenz im Umgang mit der Natur und den Lebensgrundlagen entgegengebracht werde, sei bedauerlich.
Koller monierte zudem, dass dem Bauernverband als Berufsvertretung in „willkürlicher Art“ Kompetenz und Vertretungsberechtigung abgesprochen werde. Dabei seien mehr als 90 % der aktiven Landwirte Mitglied im Verband. Er appellierte an die Umweltverbände, zur Sachlichkeit zurückzukehren und betonte seine Dialogbereitschaft.

Verdienste anerkennen

„Noch nie haben sich die Bürger qualitativ so hochwertig und vielfältig ernähren können und das nach stetiger Weiterentwicklung ökologischer Aspekte. Dies möge man auch in den Köpfen vieler Umweltaktivisten zur Kenntnis nehmen, wenn es auch nicht ins eigene Weltbild passt“, sagte der Kreisobmann und wies es strikt zurück, Schuldgefühle bei einer Berufsgruppe abzuladen. Selbstkritisch fügte Koller an, dass es auch schwarze Schafe unter den Landwirten gebe.
Das Artensterben könne man nur stoppen, wenn sich alle Bürger an die Nase fassen, ihr Verhalten auf den Prüfstand stellen und ändern, ob in Beruf, Freizeit oder Urlaub – darin waren sich die Teilnehmer der Diskussion einig. Theresia Wildfeuer
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